Amazon-Ansiedlung gründlich prüfen

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Eine Fläche im Benzfeld in Hussenhofen wird als Standort für ein Amazon-Verteilzentrum diskutiert. Amazon selbst ist an Gmünd interessiert. Die Diskussion wird kontrovers geführt.
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ver.di-Gewerkschaftssekretär Thomas Schark aus Karlsruhe berichtet über seine Erfahrungen mit dem Onlinehändler in Pforzheim.

Schwäbisch Gmünd

Dies war seine Empfehlung am Ende seines Vortrags: Gmünd solle nochmal "sehr unter die Lupe nehmen, ob es gut ist, wenn Amazon hier mit einem Verteilzentrum herkommt". Zuvor hatte Thomas Schark, bei ver.di in Karlsruhe Gewerkschaftssekretär und damit zuständig für Amazon in Pforzheim, auf Einladung des DGB-Ortsverbandes Schwäbisch Gmünd am Mittwochabend im a.l.s.o.-Café über Arbeitsbedingungen bei Amazon gesprochen.

Amazon sei ein Beispiel, wie Bezahlung nicht sein sollte, sagte Schark. Er nannte 11,15 Euro als Stundenlohn beim Einstieg. Der Einstieg beginne mit einer dreimonatigen Befristung. Nach drei Monaten käme die nächste Befristung. Dies bleibe für mindestens ein Jahr so. Wie solle man da eine Familie aufbauen, fragte Schark. Seit 2013 versuche ver.di, mit Amazon einen Tarifvertrag hinzukriegen. Ohne Erfolg. Bei Amazon habe er eine Stimmung erlebt, in der sich die Beschäftigten nicht trauten, sich mit ihm zu unterhalten. 400 Euro Weihnachtsgeld hätten die Beschäftigten nur deshalb erhalten, weil ver.di Druck gemacht habe.

In den Verhandlungen mit Städten und Gemeinden habe Amazon immer zwei, drei Zauberworte: Arbeitsplätze und Steuern. Dabei habe Amazon 2019 261 Millionen Euro Steuern bezahlt, sagte Schark. In dieser Summe aber seien neben der Gewerbesteuer Körperschaftssteuer, Solidaritätszuschlag und Einfuhrzölle enthalten. Schark wusste von Gmünd, dass sich der stationäre Handel gegen Amazon ausgesprochen hat. Dies begrüßte er. "Wir werden den Onlinehandel nicht aufhalten", sagte er. Aber der stationäre Handel in Deutschland habe sehr gute Chancen, weil die Menschen hierzulande die Ware sehen und Service haben wollten.

Der stationäre Handel in Deutschland hat sehr gute Chancen.

Thomas Schark, verd.i-Gewerkschaftssekretär

In Gmünd seien steigende Arbeitslosenzahlen ein großes Thema, insbesondere unter 15- bis 25-Jährigen, sagte Grünen-Stadtrat Elmar Hägele in der anschließenden Diskussion. Und fragte Schark nach Alternativen, was man jungen Menschen anbieten könne. Die Jobs bei Amazon seien nicht die Jobs für die 15- bis 25-Jährigen, sagte dazu Schark, war aber auch der Meinung, "dass wir etwas für Ansiedlungen tun müssen". SPD-Stadtrat Alessandro Lieb fragte Schark nach seinem Verhältnis zum Betriebsrat bei Amazon in Pforzheim. Denn der Betriebsrat in Pforzheim habe beim Besuch der Gmünder Stadträte in Pforzheim ver.di die Schuld gegeben an Amazons schlechtem Ruf in der Öffentlichkeit. "Kein Kommentar", sagte dazu Schark. Und ergänzte: "Wir versuchen eine Annäherung, wir versuchen, unsere Positionen darzustellen." Am Ende aber habe jede Belegschaft den Betriebsrat, den sie gewählt habe.

Peter Yay-Müller von der IG Metall griff Scharks Punkte auf, als er über "gute Arbeit" sprach. 11,15 Euro in der Stunde seien im Vergleich zur Wirtschaftsleistung und im Vergleich zu dem, was man zu einer gesellschaftlichen Teilhabe brauche, zu wenig. Fragen müsse sich eine Gesellschaft auch, was eine solche Bezahlung für die Rente bedeute. All dies fasste Yay-Müller deshalb so zusammen: "Wenn Amazon nach Gmünd kommt, dann nur mit Tarifbindung und mit Mitbestimmung."

Voraussichtlich im November wird die Firma Amazon ihre Pläne im Gmünder Gemeinderat vorstellen. Danach nennt das Unternehmen "finale" Zahlen zu Jobs, Fläche und Verkehr. Aktuell geht Amazon von "über 100 Arbeitsplätzen" aus. Das Verteilzentrum soll 3550 Quadratmeter auf einer Fläche von 19000 Quadratmetern haben. Das Unternehmen rechnet täglich mit etwa 150 Kleintransportern vormittags ab 9 Uhr und etwa 18 Lastwagen in den Nachtstunden.

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