Amazon hält an Gmünd als Wunsch-Standort fest

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Hier im Benzfeld will Amazon sein Verteilzentrum bauen. Gibt die Stadt dem Beschlägehandel Schoell den Vorzug, der in der Nähe seinen Sitz hat (oben rechts), will Amazon mit der Stadt andere Standorte prüfen.
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Wie die Diskussion in Schwäbisch Gmünd über die Vergabe des Grundstücks im Benzfeld bei dem Internetgroßhändler ankommt.

Schwäbisch Gmünd

Die Verantwortlichen von Amazon hoffen nach wie vor, in Schwäbisch Gmünd ein Verteilzentrum bauen zu können. Das sagt Unternehmenssprecher Stephan Eichenseher, nachdem Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold den Zuständigen bei Amazon mitgeteilt habe, "dass er eine Ansiedlung im Benzfeld nicht für realistisch hält". Denn für das freie Grundstück in dem Gewerbegebiet bei Hussenhofen interessiert sich auch der Beschlägehandel Schoell, der in der Nachbarschaft seinen Sitz hat.

Die Sprecher aller Gemeinderatsfraktionen hatten sich dafür ausgesprochen, Schoell den Vorzug zu geben. Richard Arnold erklärte daraufhin in der Ausschusssitzung des Gemeinderats, er wolle Amazon absagen.

Diese Entscheidung könne die Stadt so treffen, doch vielleicht gebe es anderswo in Schwäbisch Gmünd die Möglichkeit für Amazon, ein Verteilzentrum zu bauen, sagt Stephan Eichenseher dazu. Die Zuständigen bei Amazon werden nun Gespräche mit der Stadtverwaltung suchen, um die Entscheidung nachvollziehen zu können. "Vielleicht können wir ja auch noch irgendwas besser machen", meint der Amazon-Sprecher.

Manchen Argumenten, die Stadträte in der Diskussion geäußert hatten, widerspricht er:

  • Arbeitsplätze: Immer wieder ist von prekären Arbeitsverhältnissen bei Amazon die Rede. Amazon werde in dem Verteilzentrum 100 bis 110 Arbeitsplätze für Menschen ohne formale Qualifikation schaffen, während des Weihnachtsgeschäfts im November und Dezember so um die 150, kündigt Stephan Eichenseher an. Die Mitarbeiter erhielten anfangs 11,35 Euro brutto pro Stunde, nach einem Jahr und nach zwei Jahren gebe es Lohnsteigerungen. Mitarbeiter in der Nachtschicht bekämen Nachtzuschläge von 25 bis 30 Prozent. Zudem gebe es Überstundenzuschläge. Alle Mitarbeiter erhielten eine kostenlose Lebensversicherung.

Der Kunde sucht sich seinen Weg.

Stephan Eichenseher, Unternehmenssprecher bei Amazon
  • Konkurrenz zur Innenstadt: Stephan Eichenseher geht auch auf das Argument ein, Amazon-Verteilzentren schadeten den Innenstädten und den Händlern dort. Das Sterben der Innenstädte habe bereits begonnnen, als die großen Einkaufszentren an den Stadtrand gezogen seien. Zumal: Die Trennung von stationärem Handel und Onlinehandel verschwimme immer mehr. Einige Innenstadthändler nutzten "Click & Collect", bei dem Kunden auf der Internetseite bestellte Waren vor Ort abholen. 60 Prozent der über Amazon verkauften Produkte stammen von mittelständischen Unternehmen, sagt der Amazon-Sprecher. Manche vertreiben ihre Waren gegen Gebühr über Amazon, andere nutzen die Amazon-Website als Werbeplattform. Unterm Strich zeige sich: "Der Kunde sucht sich seinen Weg."
  • Verkehr: Amazon wolle dort ein Verteilzentrum eröffnen, wo es die Verkehrsanbindung zulasse. "Wir haben auch kein Interesse daran, dass unsere Fahrzeuge im Stau stehen", betont Stephan Eichenseher. Laut Verkehrsanalyse sei der Standort im Benzfeld gut geeignet. Amazon rechne täglich mit rund 150 Lieferwagen zur Auslieferung der Pakete hauptsächlich vormittags sowie mit etwa 18 Lastwagen pro Nacht.
  • Gewerbesteuer: Amazon gründe an den Standorten der Verteilzentren lokale Gesellschaften, etwa eine "Amazon Logistik Schwäbisch Gmünd GmbH", und bezahle so "vom ersten Tag an Gewerbesteuer" an die Stadt, verspricht der Unternehmenssprecher: Pro Jahr werde die Gewerbesteuer "in einem fünfstelligen Bereich" liegen. Das zeigten Erfahrungen in anderen Logistikzentren.

Zudem weist der Unternehmenssprecher auf Amazon-Spendenaktionen für gute Zwecke im lokalen Umfeld hin, etwa für die Tafeln. "Wir wollen ein guter Nachbar sein", betont er. Und zwar in Schwäbisch Gmünd: "Hier ist unser Interesse." Denn angesichts der Bestellungen der Kunden sei der Bedarf in der Raumschaft vorhanden – "nicht erst seit Corona". Der Umkreis, in dem die Pakete von Gmünd aus verteilt würden, reiche von Kirchheim unter Teck bis knapp vor Stuttgart, beinahe bis Schwäbisch Hall und bis Essingen.

Was, wenn es bei der Gmünder Absage für Amazon bleibt? Sucht sich der Internetgroßhändler dann einen Standort in der Nähe? Etwa in Mögglingen, Lorch oder Mutlangen? Bisher sei Amazon lediglich mit Gmünd im Gespräch, antwortet Stephan Eichenseher. Aber wenn die Absage komme, müsse man schauen, ob es in Nachbarstädten Alternativen gibt, meint er. Denn "der Bedarf ist da".

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