Andritz will Standort Gmünd massiv verkleinern

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Der Standort von Andritz Ritz im Gewerbegebiet Gügling. 2010 hatte der österreichische Andritz-Konzern die ehemalige Pumpenfabrik übernommen.
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Weil sie nicht mehr wirtschaftlich sein soll, verlagern die Österreicher die Gmünder Produktion. Rund die Hälfte der Mitarbeiter ist betroffen.

Schwäbisch Gmünd

Nach der Ankündigung des Voestalpine-Konzerns 46 der mehr als 700 Stellen abzubauen, nun der nächste Rückschlag für den Standort: Der österreichische Andritz-Konzern will ebenfalls massive Einsparungen vornehmen. Die Fertigung der Tochterfirma Andritz Ritz soll vom Gügling an einen anderen Standort in Deutschland verlagert werden.

Laut Konzernangaben liegt die Zahl der betroffenen Mitarbeiter im mittleren zweistelligen Bereich. Derzeit beschäftigt das Unternehmen Andritz Ritz in Gmünd rund 120 Mitarbeiter.

Der Betriebsrat des Unternehmens wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Offenbar wurden die Arbeitnehmervertreter von dem öffentlichen Vorpreschen in der Grazer Zentrale des Konzern überrascht. Ein Stellenabbau steht zwar bereits seit einiger Zeit im Raum, allerdings liegen den Arbeitnehmervertretern noch immer wichtige Unterlagen seitens der Unternehmensführung nicht vor. Der Betriebsrat kündigt für die nahe Zukunft eine Erklärung an.

Der österreichische Konzern begründet den Schritt mit "wirtschaftlichen Gründen". Sprecher Dr. Michael Buchbauer erklärt: "Die Gesellschaft hat in den letzten Jahren immer Verluste gemacht. Trotz vieler umfangreicher Maßnahmen in den letzten Jahren war es nicht möglich, die Fertigung nachhaltig rentabel zu betreiben." Andritz will die Gmünder Produktion komplett an einen anderen Standort in Deutschland verlagern. "Alle sonstigen Funktionen in der Gesellschaft bleiben erhalten." Der Standort mit den verbliebenen Mitarbeitern solle sich dann weiter um den Verkauf sowie die Auftragsabwicklung kümmern, erklärt der Sprecher weiter.

Die Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren immer Verluste gemacht.

Dr. Michael Buchbauer Andritz Ritz

Andritz hatte die Gmünder Pumpenfabrik Ritz im Jahr 2010 übernommen. Damals beschäftigte das Unternehmen noch rund 280 Mitarbeiter. Seither wurden immer wieder Stellen gestrichen, meist mit dem Hinweis auf die fehlende Rentabilität des Standorts.

Andritz beschäftigt 27 000 Mitarbeiter weltweit, erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro und betreibt 280 Standorte in mehr als 40 Ländern, in Deutschland unter anderem in Gechingen, Reutlingen, Ravensburg oder Bretten. Das Unternehmen hatte seit den frühen 1990er-Jahren durch eine Serie von Zukäufen kräftig expandiert und seither rund 70 Firmen übernommen.

Die größten Zukäufe waren 2000 die Ahlstrom Machinery Group sowie 2006 die Übernahme der VA Tech Hydro. 2013 sicherte sich Andritz mehr als 95 Prozent der Anteile am Schuler-Konzern, der unter der neuen Ägide im Jahr 2019 die Produktion am Stammsitz Göppingen ins Ausland verlagerte und 500 Stellen strich. Eigenen Angaben zufolge ist Andritz einer der weltweit führenden Lieferanten von Anlagen, Ausrüstungen und Serviceleistungen für Wasserkraftwerke, die Zellstoff- und Papierindustrie, die metallverarbeitende Industrie und Stahlindustrie sowie für kommunale und industrielle Fest-Flüssig-Trennung.

Andritz und Ritz : eine wechselvolle Geschichte

Historie Andritz hatte die Gmünder Pumpenfabrik Ritz im Jahr 2010 übernommen. Damals beschäftigte das Unternehmen noch rund 280 Mitarbeiter. Mit der Übernahme wollten die Österreicher ihr Produktangebot im Bereich Pumpen ergänzen. Ritz ist eines der traditionsreichsten Gmünder Unternehmen und wurde 1877 als Pumpenfabrik Ritz & Schweizer von Karl und Josef Ritz sowie Albert Schweizer gegründet. 2007 zog die Pumpenfabrik von ihrem Stammsitz in der Becherlehenstraße (dem heutigen B26) an ihren Standort im Gewerbegebiet Gügling.

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