Ann-Katrin Lauer: „Widerstand muss vielfältig sein“

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Auch in Gmünd: der Tag gegen Gewalt an Frauen.
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Die Fraueninitiative Gmünd beleuchtet die Ursachen von Gewalt an Frauen.

Schwäbisch Gmünd. „Wir werden laut: Gewalt aus dem Verborgenen holen“, stand am Samstagmittag auf einem großen Banner auf dem unteren Marktplatz, wo sich rund 40 Frauen und einige Männer zu einer Kundgebung versammelten. Anlass war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Die Gmünder Fraueninitiative nahm ihn zum Anlass, um eine Form der Gewalt zu beschreiben, die sich in den meisten Fällen im Verborgenen abspielt. Doch die Aktivistinnen bleiben nicht beim Phänomen hängen, sondern beleuchteten auch die Ursachen.

„Egal ob Indien, Argentinien oder bei uns in Deutschland: Körperlich und seelische Verletzungen von Frauen sind weltweiter Alltag“, sagte Elke Heer, bei der Stadt Beauftragte für Chancengleichheit. Es nicht um vereinzelte Fälle, sondern um „eine Pandemie der Gewalt“. Laut WHO seien 35 Prozent aller Frauen „irgendwann in ihrem Leben Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt“. Wie weit das Spektrum reicht, zeigte ihre Aufzählung: Körperverletzung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Mord und Totschlag. Allein in Deutschland werde jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Mann ermordet.

Heer wies auf ein breites lokales Engagement hin, das den betroffenen Frauen Beratung und Gespräch anbietet und lobte die Gmünder Fraueninitiative, die sich mit klarer Kante und lauter Stimme einsetze. Klare Kante zeigte auch Freya Zanek, die den Grund des Übels in „unserer patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaftsstruktur“ sieht. Sie ziehe stereotype Rollenbilder nach sich, die Frauen zu Objekten degradiere. Sexuelle Verfügbarkeit und sexuelle Gewalt werde so normalisiert. Zanek plädierte dafür, nicht nur das Bewusstsein, sondern auch die politischen und ökonomischen Strukturen zu verändern.

„Gewalt gegen Frauen findet auch in Schwäbisch Gmünd statt“, ging Barbara Herzer auf die Lage vor Ort ein. Religion und Herkunft spielten dabei keine Rolle, betonte sie, doch immer öfter würden rechte Kräfte und Parteien dies zum Thema machen und damit von den wahren strukturellen Problemen ablenken.

Marietta Hageney, die in Aalen die SOLWODI-Beratungsstelle leitet und gegen Menschenhandel und (Zwangs-)Prostitution kämpft, bedauerte, dass Frauen, die sich in einer solchen Lage befinden, bislang kaum Thema beim Tag gegen Gewalt an Frauen seien. 80 Prozent der Prostituierten kämen mittlerweile aus Südosteuropa, und es sei „unglaublich, was an Gewalt hier abgeht“. Was manche als Beruf wie jeden anderen sehen oder als „Sexarbeit“ bezeichnen, sei weder Sex noch Arbeit, sondern Gewalt, die nie ein Ausweg aus Armut sei, sondern Leben zerstöre. Dass Frauen im 21. Jahrhundert zum Sex benutzt werden, sei „moderne Sklavenarbeit“.

Wie sexistisch Werbung daherkommen kann, zeigte Petra Kurz-Ottenwälder: „Hot oder Schrott“ war auf einem Container zu lesen und daneben ein Frauenhintern in mehr als knappen Hotpants. Sie schaltete den Werberat ein, und die Werbung verschwand wieder. n„Der Widerstand muss vielfältig sein“, forderte Ann-Katrin Lauer am Ende die Anwesenden auf, am Ball zu bleiben. Birgit Markert

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