Anwohner wollen fem-Neubau verhindern

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Altes Forsthaus
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Die Neubaupläne des fem in der Katharinenstraße stoßen auf Widerstand. Institutschef Andreas Zielonka sieht seine Pläne nicht gefährdet.

Schwäbisch Gmünd

„Dieses Gebäude wollen wir verhindern“, sagt Erich Hessenberger. Der geplante Neubau des Forschungsinstituts für Edelmetall und Metallchemie (fem) stößt auf Widerstand der Nachbarn. Hessenberger und seine Mitstreiter, das sind seinen Aussagen zufolge "alle Eigentümer" der zwei Gebäude des Mörikeparks, der 2018 östlich des fem errichtet worden ist.

Dr. Andreas Zielonka, der Leiter des fem, ist dennoch optimistisch. „Ich erwarte, dass die Stadt das genehmigt, weil wir alle Vorschriften einhalten werden.“ Er hoffe, dass die vorbereitenden Arbeiten auf dem Baugelände im März oder April beginnen können. „Wir wollen schnell loslegen“, so der Institutsleiter. Und wann wird das alte Forsthaus abgerissen, das noch auf dem Gelände steht? „Sobald die Baugenehmigung da ist“, sagt Zielonka – weil es sinnvoll sei, Abbruch und Aushub in einem zu machen.

Die Pläne für den Neubau hatte Andreas Zielonka vor Weihnachten im Gmünder Gemeinderat vorgestellt. Das Forschungsinstitut will neben seinen bisherigen Gebäuden das Innovationslabor K 15 (kurz für Katharinenstraße 15) errichten. Für rund 14 Millionen Euro soll ein vierstöckiges Gebäude mit 3000 Quadratmetern Nutzfläche geschaffen werden, 50 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

In der vergangenen Woche hat sich die Gruppe um Erich Hessenberger mit ihrem Anwalt besprochen, um Einspruch gegen das Baugesuch einzulegen. Für die Nachbarn aus dem Mörikepark steht der geplante Bau in klarem Widerspruch zu den städtebaulichen Absichten, die die Stadt für ihre Häuser propagiert hatte. „ Damals wurde ein Bebauungsplan verlangt, es war von einer 'lockeren Bebauung' die Rede in dieser Villengegend mit seinen parkartigen Gärten“, sagt Hessenberger. Jetzt sei da „ein massiver Block geplant, 42,5 Meter lang, 22 Meter breit, 19,61 Meter hoch“. Mit der Folge: „Die Leute schauen künftig aus dem Fenster und sehen Wand, Wand, Wand.“ Hessenbergers Fazit: „Dieser Baukörper ist in keiner Weise in die bestehende Bebauung eingefügt.“ Er stelle sich auch die Frage, wie es mit Gefahrstoffen aussehe, schließlich forsche das fem etwa an Wasserstoff, so Hessenberger.

Für Andreas Zielonka sind solche Bedenken nicht gerechtfertigt: „Wir halten uns ans alle Vorschriften, und es gibt keinerlei Emissionen.“ Jeder grillende Nachbar liege in der Hinsicht schon über dem Niveau seines Instituts. „Wir sind ein Forschungsinstitut, wir betreiben keine Fertigung“, betont er. Und ein Forschungsinstitut sei generell „ein sehr ruhiger Nachbar“. Die Frage, ob das geplante Forschungsgebäude eigentlich zur bestehenden Wohnbebauung passt, beantwortet der Institutsleiter so: „Das ist ein Mischgebiet, und wir sind da schon viel länger dort. “

Die Mörikepark-Eigentümer ärgern sich, dass die Stadt aus ihrer Sicht mit zweierlei Maß misst: „Unser Haus musste zum Beispiel verklinkert werden, was richtig Geld kostet – damit es dort zur restlichen Bebauung passt.“ Zur dieser restlichen Bebauung gehört das alte fem-Gebäude sowie das alte Forsthaus, das auf dem künftigen Baugelände liegt und bald abgerissen werden soll. „Und wir haben damals 20000 Euro ausgegeben, um einen Baum zu retten – den das fem inzwischen in fünf Minuten hat umsägen lassen.“ Zielonka sagt zum Thema Bäume: „Dort wo nun die Wohnbebauung steht, sind damals alle Bäume gefällt worden – das waren deutlich mehr als die fünf bei uns.“

Erich Hessenberger betont seine und die seiner Mitstreiter Entschlossenheit, juristisch gegen die Pläne vorzugehen: „Wir haben Rechte als Nachbarn - und die werden wir auch durchsetzen.“ Kann sich Andreas Zielonka auch eine abgespeckte Planung als die momentan vorgesehene vorstellen? Damit beschäftige er sich nicht, sagt er: „Wir haben die Planung so eingereicht, wie es unserem Bedarf entspricht.“

Für die fem-Pläne könnte ein juristischer Streit, der den Baustart verzögert, auf den ersten Blick zu einem Geldproblem werden: Die europäischen Fördergelder, die für den Neubau beantragt sind, müssen bis 2023 in Form der kompletten Abrechnung des Projekts endgültig gesichert werden. Doch das gefährdet das K15 nicht, betont Zielonka: „Wir treiben das Projekt auf jeden Fall voran, die Finanzierung ist, unter welchen Umständen auch immer, gesichert.“ Falls je EU-Gelder wegfallen würden, dann werde sein Institut eben „zur Bank gehen“, um einen Kredit aufzunehmen. „Und ich denke, wir haben eine hervorragende Bonität.“

Das Streitobjekt: So soll der geplante Neubau des fem in der Katharinenstra0ße am Ende aussehen.

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