Applaus für den Einsatz reicht nicht

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Baubetriebsamts folgen dem Warnstreik-Aufruf der Gewerkschaft Verdi und legen am Dienstagmorgen die Arbeit vorübergehend nieder. Die Tarifverhandlungen gehen am 22. Oktober weiter.

An diesem Dienstag Warnstreik von Mitarbeitern des Baubetriebsamts Schwäbisch Gmünd. Viele verfolgen die Verdi-Kundgebung vor den Toren.

Schwäbisch Gmünd

Sie stehen für saubere Straßen und Plätze in der Stadt, für bunt blühende Verkehrsinseln: die Mitarbeiter des Baubetriebsamts. An diesem Dienstag müssen Passanten Nachsicht üben, wenn nicht alle Papierkörbe gleich geleert sind. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Baubetriebsamts folgen dem Warnstreik-Aufruf der Gewerkschaft Verdi und legen am Vormittag die Arbeit vorübergehend nieder.

Bei zwei Protestveranstaltungen vor den Toren des Baubetriebsamts spricht Gewerkschaftssekretär Alexander Volk von einer "Tarifrunde wie noch nie". Von den Arbeitgebern kämen nur Forderungen, "aber keine vernünftigen Angebote". Es genüge nicht, mit einem Inflationsausgleich bis zum Jahr 2023 zu locken. "Das hat eine deutliche Antwort verdient, nämlich Streik", sagt Alexander Volk.

Während des Corona-Lockdowns seien sie alle Helden gewesen, hätten den Laden am Laufen gehalten. "Sie beraten, betreuen und unterstützen die Bürgerinnen und Bürger an vorderster Front. Für diesen großen persönlichen Einsatz, der auch mit einem hohen gesundheitlichen Risiko einhergehen kann, müssen die rund 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen eine angemessene Anerkennung bekommen." Applaus allein reiche nicht, selbst der sei inzwischen verhalten.

Alexander Volk hält die Verdi-Forderungen für angemessen: Die Beschäftigten sollten eine Erhöhung der Entgelte um 4,8 Prozent, mindestens 150 Euro monatlich sowie für die Auszubildenden 100 Euro mehr erhalten. Im Verdi-Bezirk Ulm-Oberschwaben, zu dem auch Schwäbisch Gmünd gehört, sind rund 25 000 Tarifbeschäftigte in Verwaltungen, Krankenhäusern, Bauhöfen, Kindertagesstätten, Kultureinrichtungen, Energiebetrieben und im Nahverkehr betroffen. Volk: "Für sie haben die öffentlichen Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt." "Im Gegenteil", wie Gewerkschaftssekretärin Ilka Ulrich vor den Beschäftigten des Baubetriebsamts in Schwäbisch Gmünd sagt: "Es geht sogar so weit, dass den Mitarbeitern in die Taschen gegriffen wird." Die Arbeitgeber wollten für 20 Prozent der Beschäftigten eine leistungsorientierte Bezahlung. Die soll nach Worten Ilka Ulrichs aus dem Topf kommen, in dem Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Teile der Lohnerhöhung schlummern. Daraus sollte das eine Fünftel der Mitarbeiter entweder pauschal mehr Geld erhalten oder aufgrund eines Mitarbeitergesprächs. Damit könnten den Arbeitgebern wohlgesinnte Beschäftigte zu Lasten der großen Mehrheit der Mitarbeiter bedient werden, befürchtet die Gewerkschaftssekretärin. Auch deshalb ist "das die dreisteste Tarifrunde seit 25 Jahren", so Ilka Ulrich.

Am Dienstagnachmittag gehen die Verdi-Kundgebungen weiter, diesmal vor zwei Schichten bei Beschäftigten der Virngrundklinik in Ellwangen. Gerade sie hätten in der Corona-Pandemie eine herausragende Leistung erbracht. Das scheine am Verhandlungstisch bei den Öffentlichen Arbeitgebern keine Rolle mehr zu spielen.

Alexander Volk ist sich sicher, dass "die Bereitschaft bei den Beschäftigten diesmal sehr groß ist, für die eigenen Belange auf die Straße zu gehen." Die Tarifverhandlungen gehen am 22. Oktober weiter.

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