Auf dem Parkplatz fließt extrem viel Blut

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Amtsrichter verurteilt drei Männer, weil sie einen vierten "zusammengeprügelt" haben.

Schwäbisch Gmünd. Die Fenster der umgebenden Mehrfamilienhäuser waren von zahlreichen Schaulustigen belegt, als auf dem Parkplatz neben einer Bäckerei in Gmünd drei Männer einen vierten krankenhausreif prügelten. Vier Streifenwagen mussten anrücken, um das Geschehen zu beruhigen und aufzuklären. Nun fand die Auseinandersetzung vor dem Gmünder Amtsgericht eine Fortsetzung.

Wegen der vielen Zeugen, die Amtsrichter Yannick Röhm geladen hatte, war die Verhandlung in den großen Predigersaal verlegt worden. Dort warf Oberstaatsanwalt Carsten Horn den drei Angeklagten vor, einen vierten brutal geschlagen zu haben. Rechtsanwalt Martin Lang, der den Hauptangeklagten vertrat, sprach dagegen von Notwehr.

Dreh- und Angelpunkt des Vorfalls war wohl eine Verkäuferin der Bäckerei. Der spätere vierte Mann bei der Schlägerei habe nicht wahrhaben wollen, dass sie ihn verlassen hatte, erzählte der Hauptangeklagte T, der ebenso wie die beiden anderen Angeklagten in der Bäckerei arbeitet. Schon am Vortag habe der Verlassene deshalb in dem Geschäft randaliert; am Tag, der Gegenstand der Anklage war, habe er vorgehabt, seine Ex notfalls mit Gewalt aus den Firmenräumen zu holen. Er und zwei Kollegen hätten ihn hinaus auf den Parkplatz drängen können.

Der "vierte Mann" schilderte seine Gründe völlig anders: Er habe sich bei seiner Ex für sein Auftreten am Vortag entschuldigen wollen. Auf jeden Fall kam es in und vor der Bäckerei zu einer wüsten Auseinandersetzung. Fast alle Beteiligten bekamen Blessuren ab. T. schilderte, dass der Gegner ihn am Hals gepackt und in den Schwitzkasten genommen habe. Doch am schlimmsten lief es offenbar für den Angegriffenen: Platzwunden, Prellungen und mehr Verletzungen, drei Tage Klinikaufenthalt. Der Mann habe "extrem" geblutet, schilderte eine Polizistin die Situation.

Er beteiligte sich denn auch als Nebenkläger an der Gerichtsverhandlung und seine Vertreterin, Rechtsanwältin Elisa Treuter, berichtete, dass die psychischen Folgen für ihren Mandanten auch nach einem Jahr noch andauern. Demnächst trete er eine Reha an. Er selbst erzählte, dass er als Folge des Klinikaufenthalts seine Arbeitsstelle verloren habe.

Die Verkäuferin sagte über ihren Ex-Freund: Er sei sehr gewalttätig, habe sie auch immer wieder massiv bedroht. Als Beleg dafür legte sie Ausdrucke von Whatsapp-Nachrichten vor. Ein Gericht habe ihm untersagt, sich ihr zu nähern.

Am Ende der Beweisaufnahme sah Staatsanwalt Horn den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung bestätigt. Die Auseinandersetzung sei wohl "emotional aus dem Ruder gelaufen". Horn forderte für alle drei Angeklagten Freiheitsstrafen, ausgesetzt zur Bewährung, und Geldauflagen. Die höchste Strafe forderte er für den Hauptangeklagten T. auch, weil dessen Vorstrafenregister bereits ein paar Körperverletzungen aufführt. Elisa Treuter stellte infrage, ob die Freiheitsstrafe für den Hauptangeklagten wirklich zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Die Geldauflagen sollten als Schmerzensgeld an ihren Mandanten gehen. Verteidiger Martin Lang forderte Freispruch für seinen Mandanten.

Von Freispruch wollte Richter Yannick Röhm nichts wissen. Das sei keine Notwehr gewesen, das Opfer sei "richtig stark zusammengeprügelt" worden. Er verurteilte die drei Angeklagten zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und acht Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. Zudem sollen sie Schmerzensgeld bezahlen.

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