Auf der Höhe der Zeit wohnen

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Auch beim Wohnen ist Klimaneutralität angesagt, wie das geht, zeigt das Plus-Energiehaus von Architekt Karl Miller auf dem Hardt. Ein Rundgang.

Schwäbisch Gmünd

Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wie nachhaltig das private Wohnen sein kann, zeigen Passivhäuser, die nur wenig Energie benötigen. Im Gmünder Raum ist der Architekt Karl Miller Experte, wenn es um energieeffizientes Bauen geht. Am Samstag öffnete seine Baugruppe Sonnenhügel die Türen ihres Mehrgenerationen- und Mehrkulturenhauses in der Oberbettringer Straße 176, um zu zeigen, wie gut es sich in dem Haus mit seinen 24 Wohnungen leben lässt.

Rund 30 Besucher ließen sich durch das Plus-Energiehaus mit seinen 24 individuell gestalteten Wohnungen führen, angefangen beim Technikraum, in dem Miller die Systeme zur Energiegewinnung erläuterte: Erdwärme, Solarstrom und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgen dafür, dass keine fossile Energie fürs Heizen benötigt wird. Das Haus mit seiner 44 kWp großen PV-Anlage produziere so viel an Strom, dass neben Heizen und Warmwasser noch dreiviertel als Haushaltsstrom genutzt werden könne.

Hinzu kommt das Prinzip Energie zu bewahren in Form von dreifach verglasten Fenstern und 30 Zentimeter Fassadendämmung plus 40 Zentimeter Dachdämmung. Dadurch fallen lediglich rund 150 Euro Heizkosten für eine 100 Quadratmeter große Wohnung an, erklärt Miller. Über das Jahr verteilt erwirtschaftet das Haus mehr Energie, als es für Warmwasser und die Heizung benötigt, und mehr Energie fließe wiederum ins Warmwasser als in die Heizung.

Besonders nachhaltig sei das Bauen, wenn sich eine Gruppe zusammenschließe; das wird im kompakten Technikraum deutlich, der nicht viel mehr Anlagen als ein herkömmliches Zwei-Familienhaus aufweist. Auch seien die sechs Erdwärmebohrungen, die rund 45 000 Euro kosteten, gut zu stemmen gewesen, weil die Kosten auf 24 Parteien verteilt werden konnten.

Ein Besucher zeigte sich angetan, wie ausgefeilt das Haus ist. Wenn man vorbeifahre, ahne man nicht, welche Technik zum Einsatz gekommen sei. Erstaunlich auch, wie jeder seine individuellen Wünsche verwirklichen konnte. Dies zeigte ein Blick in einzelne Wohnungen. Erwin Leuthe hatte auch seine Wohnungstür geöffnet und führte durch seine 70 Quadratmeter große Wohnung. Er besitzt auch eine Einzimmerwohnung nebenan, die er vermietet. Sollte er mehr Raum benötigen, können die Wohnungen durch eine Tür verbunden werden.

Zum Konzept des Effizienzhauses gehört auch, dass kein Wohnraum für Besucher vorgehalten werden muss. Im Erdgeschoss gibt es einen Gemeinschaftsraum, der auch als Gästeappartement genutzt werden kann. Leuthe hat sich, wie viele andere auch, aktiv in die Planung seiner Wohnung eingebracht. So konnte er über seinem Eingangsbereich eine Galerie mit Schlafmöglichkeiten für Kinder und Enkelkinder schaffen. Auch bei Regina Schwarz, die mit ihrem Mann eine Wohnung ganz oben hat, kam spontan noch eine zweite Wohnebene hinzu.

„Jeder konnte sich vom Grundriss her verwirklichen“, sagt Sigrid Hegele, die ihrem Sohn mit Familie ihr Haus in Schechingen überließ, sich der Baugruppe anschloss und nun barrierefrei und in einer guten Hausgemeinschaft lebt. Die Größe der Wohnungen sind zwischen 35 bis 130 Quadratmetern, manche auch über zwei Stockwerke, wie die von Ferie Hasani. Sie und ihr Mann wollten unbedingt einen Garten, aber nicht im Erdgeschoss schlafen – auch das ließ sich verwirklichen. Ihre Nachbarin, Antje Narr erinnert an die intensive Zeit der Planung, in der es viel zu entscheiden gegeben habe, aber dadurch wachse man auch zusammen. In diese Phase möchte gerne eine neue Interessensgruppe eintreten, die noch einen Bauplatz sucht. Auch sie besichtigten am Samstag das fertige Haus und kamen ins Schwärmen. mar

Rund 30 Besucher ließen sich durch das Plus-Energiehaus mit seinen 24 individuell gestalteten Wohnungen führen.

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