Auf die Blitzverlobung folgen 50 gemeinsame Jahre

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Albrecht und Birgitt Bodenstein sind seit genau 50 Jahren verheiratet.

Thaddäus Troll ist es zu verdanken, dass Dr. Albrecht Bodenstein und seine Frau Birgitt in Schwäbisch Gmünd eine Heimat gefunden haben.

Schwäbisch Gmünd

Nach 50 Ehejahren sei er "verliebt wie in alten Zeiten", meint Dr. Albrecht Bodenstein und lächelt seine Birgitt an. 33 Jahre praktizierte der Facharzt in Gmünd am Münsterplatz, die studierte Apothekerin Birgitt war bis 2019 in ihrem Beruf in Gmünd tätig.

Dass das Paar nach Gmünd gefunden hat, sei dem Buch "Deutschland deine Schwaben" von Thaddäus Troll zu verdanken, erzählt Albrecht: Nach der Lektüre des Buches habe er sich als Assistenzarzt in Stuttgart "sofort in das Ländle verliebt". Dabei wurde er in Naumburg an der Saale geboren, Birgitt stammt aus Hildesheim. Denn die mit Birgitt hochschwangere Mutter besuchte in den letzten Kriegstagen ihre Eltern in Hildesheim, als sie erfuhr, dass ihre Heimatstadt Berlin evakuiert wird.

Albrecht machte in Naumburg sein Abitur. "Ein Medizinstudium war mein Traum", erzählt er. Da er der "falschen Partei" zugetan war, sei ihm von der damaligen DDR-Regierung ein Jahr "Zwangspause" auferlegt worden. Als Krankenpfleger kam Albrecht an die Uniklinik nach Jena. Bei einem OP-Zwischenfall rettete er damals das Leben des Sohns des damaligen Parteivorsitzenden. Dieser dankte Albrecht die lebensrettende Aktion mit der Möglichkeit, sich zum 7. November 1959 zum Studium einschreiben zu lassen. Nach bestandenem Vorphysikum hieß es für Albrecht, "auf zum Ernteeinsatz nach Mecklenburg-Vorpommern". Auf dem Rückweg wollten sich Albrecht und einige Kommilitonen verbotenerweise Bücher in Berlin besorgen. Die Polizei setzte Albrecht fest und wollte die Namen seiner "Komplizen" erfahren. "Ich wollte kein Stasi-Spitzel sein", erklärt Albrecht die sich anschließende Absetzung der ganzen Familie Bodenstein nach Westdeutschland. Als anerkannter politischer Flüchtling konnte Albrecht sein Studium in Münster fortsetzen.

Sein weiterer Weg führte Albrecht nach Stuttgart, da nur hier eine für seine Ausbildung – neben anderen Fachbereichen – erforderliche Assistenzstelle in der Gynäkologie frei war.

Die lasse ich nicht mehr los.

Albrecht Bodenstein

Birgitt studierte in der Zwischenzeit in Tübingen – wie Albrechts Schwester Gisela. Zu Giselas Verlobungsfeier wurde Birgitt als Tischdame für Albrecht auserkoren. "Ich war sofort von ihrer Lebensfreude, Intelligenz und ihrem Humor begeistert", erinnert sich Albrecht, der sich damals dachte: "Die lasse ich nicht mehr los." Ein Besuch bei Albrecht in der Klinik brachte eine "Blitzverlobung" mit sich. Birgitt erregte die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter: Alle wollten wissen, wer sie ist. Albrecht stellte sie kurzerhand als "meine Verlobte" vor. "Das war mir bis dahin nicht bewusst", erzählt Birgitt und lacht. Die offizielle Verlobung erfolgte an Weihnachten 1969, die Hochzeit war am 24. Juli 1970 in Hildesheim.

Das Paar lebte in Fellbach, wo Birgitt ihre erste Anstellung bekommen hatte. Nachdem Albrecht nicht in der Klinik angestellt wurde, zogen die Bodensteins mit dem 1972 geborenen Töchterchen Katrin nach Schwäbisch Gmünd. Hier ließ sich Albrecht am Münsterplatz nieder. Sohn Martin kam in Gmünd zur Welt. An Weihnachten 1977 vervollständigte Roland das Familienglück.

Zehn Jahre nahm Birgitt "Erziehungsurlaub" und unterstützte Albrecht in der Praxis, bevor sie in ihren Beruf als Apothekerin zurückkehrte. Im vergangenen Jahr ließ Birgitt ihr Berufsleben "langsam ausschleichen", Albrecht setzte sich 2007 zur Ruhe.

Eigentlich wollten die Bodensteins im Ruhestand all die Reisen nachholen, zu denen sie während ihrer zeitaufwendigen Berufstätigkeit nie gekommen sind. Doch ein Besuch im März bei Sohn Martin in Washington endete abrupt wegen der Corona-Pandemie. Am 11. März seien sie ins Land eingereist, zwei Tage später erfolgte die Grenzschließung. "Unser Heimflug wurde kommentarlos gestrichen", erzählt Birgitt. Die Heimreise erfolgte schließlich über Chicago nach Frankfurt. "Es war einer der letzten Flüge aus Amerika heraus", erzählt das Paar. Statt Urlaubsreisen freuen sich die beiden jetzt über ihren Rosengarten und den Besuch der Kinder an ihrem Hochzeitstag.

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