Auf ein letztes Glas Wein

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Franz Hahn vom M7 in Gmünd schenkt einen letzten Roten aus.

Hilft die Schließung der Gastronomiebetriebe, die Corona-Infektionszahlen zu senken? Die Tagespost hat einige Gmünder Gastronomen an ihrem letzten "Arbeitstag" befragt.

Schwäbisch Gmünd

Es ist Sonntag, 1. November, und damit der letzte Abend, an dem die Gastronomiebetriebe in der Bundesrepublik und somit auch in Gmünd für vier Wochen ein letztes Mal für ihre Kunden gute Gastgeber sein dürfen. Der Regen hat aufgehört, die Temperaturen befinden sich in einem angenehmen Bereich. Trotzdem ist die Gmünder Innenstadt nahezu ausgestorben. Warum das so ist, dafür hat Günter Kiemel, Inhaber des "NaUnd" im Freudental, eine Vermutung: "Viele Menschen sind verunsichert." Bereits nach Beendigung des ersten großen Lockdowns hat der Wirt einen spürbaren Rückgang der Besucherzahlen verzeichnen müssen. "Wir haben uns an alle Verordnungen und Hygienekonzepte gehalten." Ein Umstand, der bei einigen Gästen manchmal für Unmut sorgte. "Wir mussten die Verordnungen umsetzen." Dazu gehörte auch die Reglementierung der Besucherzahlen.

Auch die Willkür der Verordnungsfluten sorgt bei dem Gastronomen für Unverständnis, Gleichbehandlung sei bei den Vorschriften nicht immer erkennbar gewesen. Ob die Schließung der Betriebe jetzt für ein Sinken der Infektionszahlen sorgt, kann Kiemel nicht vorhersehen. Dass sich die Leute aber im November mehr im häuslichen Bereich treffen und sich somit die Nachverfolgung noch schwieriger gestaltet, da ist er sich sicher. Klar sei, die in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung sei für ihn ein Stück weit hilfreich. Die Schließung der Lokale treffe aber im Besonderen die vielen Alleinstehenden, die bei ihm im Lokal Ansprechpartner gefunden haben. Die Stammgäste Renate und Helmut bedauern die Lokalschließung. Ihnen "breche es zwar nicht das Genick", schließlich seien sie zu zweit. Aber auch das Paar blickt mit Unbehagen auf die vielen Alleinstehenden. Ein weiterer Gastronom geht sogar von einer Verlängerung der Maßnahmen aus. Eine Öffnung der Gastronomiebetriebe für dieses Jahr schließt er aus. Bei der finanziellen Unterstützung seitens des Bunds legt er Wert auf die Formulierung "bis 75 Prozent". Er fragt: "Wie soll eine bundesweite Entschädigung funktionieren?" Dass sich die Menschen nun vermehrt im privaten Raum treffen, darüber besteht bei dem Wirt kein Zweifel.

Im M7 arbeitet Barmann Felix. Den letzten Drink am Sonntag auszuschenken, sei ein "bescheuertes Gefühl", geboren aus einer "bescheuerten Maßnahme", die vielen Gastronomen "sehr weh tun wird". Frank und Elisabeth nehmen ihr letztes Getränk im M7 – verbunden mit einem "miesen Gefühl". Die Freizeitgestaltung wird sich in den nächsten Wochen "coronakonform" mit mehr Fernsehschauen abspielen. "Wenn es hilft", meint das Paar. Im Bassano sitzen die Menschen locker – in coronatauglichen Abständen verteilt – und gönnen sich ein letztes Mal etwas Leckeres aus der Küche. Inhaber Karan Sriskandarajah rechnet damit, zum Weihnachtsgeschäft nochmal öffnen zu dürfen, um anschließend wieder schließen zu müssen. Die sozialen Kontakte werden im November in den privaten Raum verlagert, ist sich Sriskandarajah sicher. Stammgast Louis bedauert die Schließung und die "Ungewissheit, unter der viele Betriebe jetzt leiden". Hier seien alle Hygienekonzepte eingehalten worden. In den kommenden vier Wochen wird der junge Mann "selbst am Herd stehen" und seine Kontakte auf das "genehmigte Maß zuhause" beschränken.

Viele Menschen sind verunsichert.

Günter Kiemel, Gastronom

Hilfe für Gastronomen, Dienstleistung und Handel gibt es bei Carmen Bäuml im Servicepunkt in der Hofstatt 5. Sprechzeiten: montags von 13 bis 16 Uhr oder Telefon (07171) 798 9642, mobil 0162 40 18 203 oder E-Mail: carmen.baeuml@schwaebisch-gmuend.de.

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