Auf gar keinen Fall auf dem Balkon böllern

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Im Stüble im Gmünder Florian am Sebaldplatz gab es schon viele lustige Kameradschaftsabende. Diese Treffen fehlen und sind auch virtuell nicht zu ersetzen, sagt Kommandant Uwe Schubert, im Bild mit Daniel Maier, der an Silvester Dienst hat.
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Der Gmünder Feuerwehrkommandant Uwe Schubert hofft auf ein ruhiges Silvester – und wünscht sich dennoch wieder Normalität.

Schwäbisch Gmünd

Die Feuerwehr ist an Silvester stets in höchster Alarmbereitschaft. Doch dieses Jahr darf wegen Corona keine Pyrotechnik verkauft werden, das Zünden von Feuerwerkskörpern im öffentlichen Raum ist verboten. Gmünds Kommandant Uwe Schubert erzählt im Interview, was er davon hält und warum er fürchtet, wegen der Coronaverordnung in Zukunft Feuerwehrmitglieder zu verlieren.

Sind Sie froh, dass dieses Jahr vor Silvester keine Raketen und Böller verkauft werden dürfen?

Uwe Schubert: Aus brandschutztechnischer Sicht bin ich froh, dass der Verkauf verboten ist. In den vergangenen Jahren hatten wir doch immer wieder Einsätze an Silvester, nicht weil eine Rakete in den Himmel geschossen wurde, sondern weil die Feuerwerkskörper nicht sachgemäß gelagert oder aufgeräumt worden sind. Andererseits finde ich es als Privatperson schade, dass es dieses Jahr keinen Feuerwerksverkauf gibt, weil ich selbst gerne Raketen zünde. Nachdem an Weihnachten schon alles zurückgefahren werden musste, ist das für viele der nächste Dämpfer.

Bei sich daheim auf dem Balkon oder im Vorgarten Raketen aus dem Vorjahr abzufeuern, ist nicht verboten …

Wenn das jemand macht, dann bitte nur in großem Abstand zu brennbaren Gegenständen. Der Balkon ist auf jeden Fall keine gute Idee. Aber ich gehe davon aus, dass kaum jemand Raketen daheim gelagert hat und wir ein sehr ruhiges Silvester haben werden – das hoffe ich jedenfalls.

Sonst feiern einige Feuerwehrleute im Florian zusammen ins neue Jahr hinein, um im Notfall schnell ausrücken zu können. Wie ist das dieses Silvester?

Dieses Jahr hat sich die Gestaltung des Dienstplans tatsächlich schwierig gestaltet. Am Ende haben wir uns entschieden, dass jeder den Bereitschaftsdienst daheim verbringt. Ich habe an alle appelliert, sich in Bereitschaft zu halten, um jederzeit ausrücken zu können. Da kann ich mich dann schon auf meine Leute verlassen. Dass wir uns dieses Jahr nicht im Florian treffen können, ist sehr schade. Wir waren immer um die 20 Feuerwehrleute mit Frauen und Kindern dort, das war richtig schön.

Die Feuerwehr lebt von der Kameradschaft. Doch Corona hat viele Begegnungen unmöglich gemacht. Wie hat sich das in der Gmünder Feuerwehr ausgewirkt?

Das stimmt, die Kameradschaft prägt uns – und die leidet momentan sehr. Das Zwischenmenschliche fehlt komplett. Wir werden sicher auch einige Leute verlieren, die momentan merken: Es geht auch ohne die Feuerwehr. Ich spüre das in meinem eigenen Kalender: Ich kann mich nicht erinnern, wann dieser so leer war wie jetzt. Abends kann ich gerade regelmäßig meinen Junior ins Bett bringen, das kommt sonst sehr selten vor. Wer Feuer und Flamme für die Feuerwehr ist, wird dabei bleiben, aber manch anderer wird aufhören, weil er sich andere Freizeitbeschäftigungen gesucht hat. Mit dem Problem ist die Feuerwehr nicht allein, das geht auch Musik- und Sportvereinen so.

Wie versuchen Sie gegenzusteuern?

Wir machen unsere Fortbildungen und Übungsabende online. Die Resonanz ist echt groß. Beim letzten Mal waren 59 von 67 Feuerwehrleuten der Innenstadtabteilung da. Und nach der Fortbildung lassen wir das virtuelle kameradschaftliche Stüble noch offen, um uns auszutauschen. Aber klar: Echte Kameradschaft und Freundschaft können so nicht entstehen. Auch nach den Einsätzen fehlt der Austausch. Bei diesen tragen wir alle FFP2-Masken und gehen danach direkt heim, statt noch zusammen zu sitzen. Übungen haben wir ab einem Inzidenzwert von über 50 eingestellt. Und ich gehe davon aus, dass es noch lange dauern wird, bis dieser Wert der Corona-Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen wieder unter 50 sinken wird.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass wir wieder ein Stück weit zurück in die Normalität können, sodass Kameradschaft und ein vertrauensvoller Handschlag zur Begrüßung wieder möglich sind. Und in diesem Sinne vor allem Gesundheit.

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