Aus Schauspielern werden Sportler

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Die "Stauferlöwen Saber One" sind als einzige deutsche Gruppe bei der Organisation "The Saber Legion" in den USA eingetragen. Sie dürfen damit Lichtschwertkämpfe als offizielle Sportart betreiben.

Schwäbisch Gmünd

Es scheint, als leben sie im Mittelalter und in der Zukunft zugleich: die Stauferlöwen, gegründet 2012 als Bühnen- und Showkampfgruppe des Vereins Staufersaga. Ihre Choreografien in Rüstung und mit Schwertern waren seit jeher schweißtreibend. Doch nun sind die rund 20 Mitglieder im Alter zwischen 18 und 56 Jahren, die sich mittlerweile "Stauferlöwen Saber One" nennen, offiziell Sportler. Dann nämlich, wenn sie statt zu Stahlschwert, Säbel oder Degen zur legendären Waffe aus der "Star-Wars"-Saga greifen: zum Lichtschwert.

Den Kampf mit diesen illuminierten Klingen aus Polycarbonat hat die französische Dachorganisation im Fechtsport (FFE) seit Februar 2019 als offizielle Sportart zugelassen. Und "wir sind die einzige Gruppierung in Deutschland, die Lichtschwertkampf als offizielle Sportart betreibt", sagt Mark Wamsler, der die Gruppe leitet. Denn die "Stauferlöwen Saber One" sind seit kurzem bei der Lichtschwertkampforganisation "The Saber Legion" in den USA eingetragen. Die Mitglieder mussten dafür etliche Videos einreichen, die belegen, dass sie sich exakt an die vorgeschriebenen Regeln halten. Zu dem 15-seitigen Regelwerk zählen Vorschriften für die Schutzausrüstung genau wie Vorgaben zum Punktesystem. Fünf Punkte bekommen die Fechter etwa für einen Treffer am Kopf, drei für einen Schlag an den Arm oder das Bein und einen für einen Hieb auf die Hand. Erzielt einer der Sportler 15 Punkte, hat er gewonnen. Hat keiner der beiden nach drei Minuten 15 Punkte, gewinnt jener, der zu diesem Zeitpunkt die meisten Punkte für sich verbucht.

Nach den drei Minuten sind die Fechter tatsächlich auch gut bedient, denn Lichtschwertkampf ist ein sehr schneller Sport, der volle Konzentration erfordert. Als Michael Pflug und Mathias Kaltenecker nach einem Schlagabtausch im Training in der Bernhardushalle in Weiler ihre Fechtmasken abgenommen haben, müssen sie erstmal verschnaufen.

Michael Pflug fechtet seit 15 Jahren. Vor wenigen Wochen ist der 32-Jährige zu den Stauferlöwen gestoßen und trainiert sie nun. Die Bein- und einige Angriffstechniken kann er eins zu eins vom Fechten übernehmen. Nur dass statt Floretts leuchtende Polycarbonat-Schwerter als Waffen zum Einsatz kommen.

Wir wollen staufische Werte vermitteln.

Mark Wamsler, Leiter der "Stauferlöwen Saber One"

Die Stauferlöwen besitzen momentan acht Lichtschwerter und borgen sich diese gegenseitig aus, erzählt Mark Wamsler. Denn die Waffen sind nicht ganz günstig. Einfache Lichtschwerter kosten um die 150 Euro, die aufwendigeren liegen im vierstelligen Bereich, sagt Reiner Götz, stellvertretender Leiter der Stauferlöwen.

Während die Gruppe ihre Lichtschwerter in den USA bestellt, gestalten sie ihre Kostüme für Showauftritte außerhalb des Vereins Staufersaga zum Teil selbst. Mirjam Barth etwa verarbeitet derzeit Kunstefeu für ihren Auftritt als "Poison Ivy", der Gegenspielerin von Batman, bei der Messe "Comic Con" in Stuttgart. Sie freue sich schon sehr darauf. Mehr noch fasziniert die 22-Jährige allerdings die "Star-Wars"-Saga mit Lichtschwertkampf und allem, was dazu gehört. Das war auch der Grund, warum sie und ihre Schwester Rebekka Barth zu den Stauferlöwen gestoßen sind. "Mit Mittelalter-Schaukampf sind junge Leute nur schwer zu locken", weiß Mark Wamsler, aber "Star Wars zieht". Was nicht bedeute, dass sich die Gruppe von ihren Wurzeln im Verein Staufersaga verabschieden wolle. Die beiden Sparten bieten vielmehr eine gute Abwechslung. Zumal: Ihren Grundprinzipien bleiben die Stauferlöwen trotz der Weiterentwicklung der Gruppe treu. "Wir wollen staufische Werte vermitteln", betont Mark Wamsler: "Rittertugenden wie Nächstenliebe und ehrenhaftes Verhalten."

Training in der Bernhardushalle in Weiler: Michael Pflug bekommt für seinen Kopftreffer im Lichtschwertkampf fünf Punkte, Mathias Kaltenecker ebenso fünf Punkte für seinen Treffer am Rumpf.

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