Ausstellung in Gmünd: Stadtgoldschmied und Hammerclub

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Julius Mihm und Conrad Stütz
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Ausstellung in der Galerie „Labor im Chor“ in Schwäbisch Gmünd. Bei der Silberschmiedetradition wird es international.

Schwäbisch Gmünd

Städte wie Pforzheim, Geislingen, Heilbronn oder Hanau haben Silberwarenfabriken, Schwäbisch Gmünd jedoch ist eine Silberwarenfabrik. So zitierte die frühere Gmünder Museumsleiterin Dr. Gabriele Holthuis einen sachkundigen Museumsbesucher. Die Silberverarbeitung war im aufkommenden 20. Jahrhundert ein mächtiger Wirtschaftsfaktor in Gmünd.

Die großen Manufakturen sind weg. Die Tradition bleibt. Dafür sorgen die Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst und der Hammerclub, eine in Gmünd entstandene internationale Vereinigung von Silberschmieden. An diesem Wochenende treten sie an die Öffentlichkeit. Zu sehen gibt es die Ausstellung „Jan Wege – Silber Tombak Eisen“ mit besonderen Arbeiten des Hamburger Gold- und Silberschmieds, der 2020 Stadtgoldschmied war und seit Jahrzehnten mit Schwäbisch Gmünd in Verbindung steht. „Seine außergewöhnlichen Arbeiten vermitteln einen kraftvollen Ausdruck von Stabilität und Stärke“, sagt Bürgermeister Julius Mihm bei einem Pressegespräch mit dem Initiator der Idee Stadtgoldschmied und Hammerclub, Conrad Stütz und Ulrike Kleinrath, Geschäftsführerin der Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst.

Stadtgoldschmiede sind „Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben“, betont Conrad Stütz. Sie vermitteln Wissen. Jan Wege zum Beispiel sei ein Meister im Löten großer Objekte. Auch erfahrene Gold- und Silberschmiede können voneinander lernen. Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Design Schmuck und Gerät ganz besonders.

Dort hat Jan Wege in Zusammenhang mit seinem Aufenthalt als Stadtgoldschmied einen Workshop zum Thema „Von der Fläche in den Raum – Arbeiten mit Tombak“ veranstaltet. Viele besondere Objekte sind entstanden. In der Ausstellung im Labor im Chor im Prediger zeigt Jan Wege aber eigene Arbeiten, besondere Stücke aus den unterschiedlichen Metallen. Ein grobes Stück Eisen, mit Fräsen zu einer Vase verarbeitet, bildet einen Kontrast zur edlen Silberschale, aufwendig verlötet und in der klaren Formensprache, wie sie auch von Karl Dittert gelehrt wurde. „Jan Wege wird weitere persönliche Lieblingsstücke aus seiner Werkstatt mitbringen, die auch schon weltweit in bedeutenden Galerien zu sehen waren“, sagt Ulrike Kleinrath. Der Gold- und Silberschmied wird bei der Ausstellungseröffnung am Freitag persönlich dabei sein.

Der Hammerclub

Und er wird am Wochenende die Tagung des Hammerclubs miterleben. Erwartet werden dazu rund 50 Silberschmiede aus vielen Ländern Europas. „Wir haben uns kurzfristig für dieses Treffen entschieden“, sagt Conrad Stütz. Denn 2020 musste das Hammerclub-Treffen in Holland ausfallen, auch der Termin 2021 in London fand nicht statt. „Jetzt ist es wichtig, sich zu begegnen und Perspektiven für die Zukunft des Hammerclubs zu erarbeiten“, so Stütz weiter. Dazu trifft sich die Runde am Freitag und Samstag im Prediger. Schwäbisch Gmünd war schon einmal Ausrichter: 2014 bei der Landesgartenschau konnte das Publikum die Arbeit der Silberschmiedeunter freiem Himmel, auf dem Wochenmarkt oder vor dem Silberwarenmuseum Ott-Pausersche-Fabrik erleben.

Erste Gedanken, sich zu treffen und voneinander zu lernen, gibt es schon 1999. Am Rande eines Workshops Silberschmieden im Schloss Salzau in Schleswig Holstein werden Kontakte geknüpft. Und schon ein Jahr später besuchen Wilfried Moll und Jan Wege Conrad Stütz in Schwäbisch Gmünd. Ein ganz profaner Grund steckt dahinter: Die Silberschmiede ersteigern bei der Auflösung des Gmünder Unternehmens Gayer &Krauss jede Menge Werkzeug und stoßen darauf zu später Stunde mit Conrad Stütz an. „Wir hatten die Idee, uns regelmäßig wiederzusehen“, sagt Stütz. Bis jetzt gab es kein Netzwerk, keine Lobby für die Silberschmiede. Ein Verein sollte es aber nichtwerden, sondern eine lockere Verbindung.

Die Idee reift. Der Anlass dazu findet sich. Wieder treffen sich Silberschmiede aus dem In- und Ausland. Diesmal in Hamburg bei der Jahresmesse des Museums für Kunst und Gewerbe. Zwölf Silberschmiede schaffen einen besonderen Schwerpunkt, zeigen Kannen, Leuchter, Schalen Tabletts aus Silber. Wilfried Moll spricht in einem Vortrag über „beschwingte Hämmer“. Wenig später feiert die Vereinigung ihr erstes Fest. Ziel ist es, jedes Jahr in einer anderen Stadt ein Hammerclubtreffen zu veranstalten. Den Auftakt macht Berlin, die Hammerclub-Szene trift sich dann in Herzogenbosch, Kopenhagen, Antwerpen und Trondheim.

Beim aktuell„kleinen“ Treffen in Gmünd wird nicht mit Silberblech und Hammer gearbeitet. „Alle Teilnehmer bringen ein eigenes Objekt mit“, so Conrad Stütz. Dann kann über Arbeitsweisen, Material und Gestaltung diskutiert werden.

Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben.“

Conrad Stütz, über den Hammerclub
  • Die Ausstellung „Jan Wege – Silber Eisen Tombak“ wird am Freitag, 3. September, um 19 Uhr durch Bürgermeister Julius Mihm eröffnet. Es sprechen die Hamburger Kunsthistorikerin Sigrid Kopittke und Ralph Häcker, Leiter des Gmünder Kulturbüros. Bei gutem Wetter ist die Eröffnung auf dem Johannisplatz. Die Ausstellung ist bis 31. Oktober zu sehen.

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