Autofahrt bringt Mann für Stalking erneut vor Gericht

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Amtsgericht Gmünd
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Drogenkonsum hat Folgen für 21-Jährigen, der sich um seine Ausbildungsstelle sorgt.

Schwäbisch Gmünd. Dass der inzwischen 21-jährige S. seiner zeitweiligen Freundin nachgestellt (neudeutsch: sie gestalkt) hat, das hat er im vergangenen Jahr bereits eingestanden und dafür wurde er auch damals verurteilt. Dass er aber an diesem Donnerstag erneut vor dem Jugendschöffengericht am Gmünder Amtsgericht stand und doch noch mit einer Bestrafung für diese Tat rechnen musste, das ist eine Besonderheit des Jugendstrafrechts.

Schädliche Neigungen

Im vergangenen Jahr hatte die damals zuständige Richterin zwar die Schuld festgestellt, aber die Verhängung eines Strafmaßes zur Bewährung ausgesetzt. In ihrer Urteilsbegründung hielt die Richterin fest, dass der junge Mann dem Mädchen nachgestellt hatte, obwohl ihm ein Gericht bereits den Kontakt zu ihr verboten hatte. Die junge Frau sei dadurch psychisch stark beeinträchtigt worden: Sie habe sich nur noch in Begleitung aus dem Haus getraut, ihr Schulabschluss habe unter der Belastung gelitten. Das damalige Jugendschöffengericht war überzeugt, dass der junge Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat „schädliche Neigungen“ hatte, also weitere Straftaten durch ihn nicht auszuschließen waren - ein wichtiges Kriterium für die Verhängung einer Jugendstrafe. Zum Zeitpunkt der damaligen Verhandlung allerdings war sich die Richterin nicht mehr sicher, ob diese „Neigungen“ noch bestanden. Der Angeklagte „scheint nachgereift zu sein“, schrieb sie und setzte deshalb die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung aus.

Inzwischen aber wurde S. beim Autofahren unter Drogen erwischt. Und deshalb hatte ein Jugendschöffengericht, diesmal unter Vorsicht von Richter Yannick Röhm, zu prüfen, ob die Drogen am Steuer ein Anzeichen für doch noch bestehende „schädliche Neigungen“ sein könnten - und ob dann doch noch eine Jugendstrafe für das damalige Stalking verhängt werden musste.

Die Kurve gekriegt

Rechtsanwalt Robin Schmid, der den jungen Mann vertrat, bezeichnete den Drogenkonsum als „kleine Eskapade“. Insgesamt habe sein Mandant „die Kurve gekriegt“.Er habe bei einem Fest in besoffenem Zustand an einem Joint der Kumpels ein paar Mal mitgezogen, beschrieb S. selbst den Vorfall, den er sehr bedaure. Kein Wunder, denn der hat ihn außer der erneuten Aufnahme des damaligen Falles auch den Verlust des Führerscheins zur Folge. Deshalb, berichtete er, muss er jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinem Ausbildungsbetrieb und zurück kommen: zweieinhalb Stunden hin, zweistunden zurück.

Und wenn S. den Führerschein nicht wie in Aussicht gestellt im nächsten Jahr wieder bekommt, verliere er seine Ausbildungsstelle, erläuterte Jugendgerichtshelfer Alexander Heyder. Er schilderte den bisherigen Lebensweg des jungen Mannes mit schwierigen Phasen, die S. überwunden habe. Heyder wie auch die beiden zuständigen Bewährungshelfer und ein Sozialarbeiter, bei dem S. in Therapie war, zeichneten ein positives Bild des jungen Mannes. Der Sozialarbeiter berichtete sogar, er erwäge, S. als Mitarbeiter in der Therapie besonders konfliktbeladener Gruppen einzusetzen.

Es bleibt offen

Deshalb waren alle Verfahrensbeteiligten einverstanden mit dem Beschluss, den Richter Röhm verkündete: Die Frage, ob eine Jugendstrafe verhängt wird, bleibt bis zum Ende der Bewährungszeit im Juli 2022 weiter offen. Zu den Auflagen, die das Gericht aussprach, gehört auch, dass S. seine Ausbildung fortsetzt. Yannick Röhm zu dem jungen Mann: „Ihr Lebensweg spricht für Sie.“

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