Bäume als Stadtmauer der Zukunft

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Umgestaltung Innenstadt Schwäbisch Gmünd
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Der Gartenschau-Umbau Richtung Westen weitergedacht: Die Stadt prämiert ein junges Architekten-Team, deren Ideen ein Leitbild sein sollen für die weitere Entwicklung.

Schwäbisch Gmünd

Ein neuer Turm am westlichen Stadteingang, dahinter statt der Lorcher Straße ein Platz: der Westtorplatz, der zu einem lebendigen, verkehrsberuhigten Ort werden soll. So stellen sich Tom Macht, Simona Rošer, Falk Jähnig, Hong Trang Mai und Kriss Gabriel die zentrale Achse hin zum Bahnhof vor. Die fünf jungen Planer, die gemeinsam in Dresden an der TU studiert haben, stellten ihre Ideen am Mittwoch in Gmünd vor. Mit ihrem Entwurf haben sie für Gmünd den ersten Preis beim Europan-Städtebauwettbewerb gewonnen. Es war der Entwurf, der klar herausragte, sagt Gmünds Baubürgermeister Julius Mihm.

Fit für den Klimawandel

Als zentrales Element in ihrem Entwurf schlagen die Planer ein „grünes Band“ vor, das quer zu den Hauptverkehrsachsen verläuft - vom Nepperberg über St. Katharina bis hin zur Goethestraße. Dieses Band soll zur Stadt hin durch einen „grünen Wall“ gesäumt werden, eine durchgehende Reihe von Bäumen, mal zwei, mal drei Bäume breit. Der Grünzug kann als Frischluftschneise dienen, „um das komplette Viertel auch fit für die Zukunft zu machen“, sagt Tom Macht. So fit, dass die Stadt und ihre Bewohner mit zunehmender Hitze klarkommen können. Viel mehr Grün, weniger Beton ist der Plan: „Die Versiegelung ist uns negativ aufgefallen, das Quartier ist eine große Hitzeinsel. Mit der Entsiegelung, die wir vorschlagen, könnte man das ändern.“ Auch die Rems soll natürlicher werden und besser zugänglich sein. „Wir wollen nach Westen weiterführen, was die Gartenschau schon geschaffen hat“, so Kriss Gabriel. 

Der neue Turm soll an die Türme der mittelalterlichen Stadtbefestigung erinnern, stilistisch wollen ihn die Planer unter anderem ans Bifora-Gebäude anlehnen. Der „Kulturm“ soll ein Ort sein für kulturelle Angebote und Veranstaltungen. Auf dem Westtorplatz soll der Autoverkehr reduziert werden zugunsten von Fußgängern und Radfahrern. Auch die Brache zwischen Bahnlinie und Nepperberg, das „Gleispark-Areal“, ist so geplant, dass zwischen einem Ensemble von Gebäuden ein Platz entsteht, ähnlich den Plänen, die der Gmünder Designeruhren-Herstellers QlockTwo dort bis zum Stopp seines  Projekts verwirklichen wollte. 

Nach Westen weiterführen, was die Gartenschau geschaffen hat.“

Kriss Gabriel, , einer der fünf Stadtplaner

Es ist eine Planung voller Anklänge an die Stadt Gmünd: der Turm als Pendant zu den historischen Türmen, der „grüne Wall“ wie eine grüne Stadtmauer, dazu zwei langgezogene Plätze an der jetzigen Lorcher Straße und dem Gleispark-Areal. „Längsplätze wie der Marktplatz sind typisch für Gmünd“, sagt Macht. 

Und die Realität?

Die spannende Zukunftsfrage liegt auf der Hand: Was bleibt Idee, was wird Wirklichkeit? Alles sicher nicht: „Es heißt nicht, das das so eins zu eins so verwirklicht wird, sondern das ist der Anstoß, den wir weiterverfolgen wollen im Rahmen der Städtebauförderung“, sagt OB Richard Arnold. Ein Kulturm könnte an der schlichten Frage „Wer finanziert's?“ scheitern. „Ob da später der Turm gebaut wird, weiß ich nicht“, sagt Julius Mihm vorsichtig.  Es soll aber kein Plan für die Schublade sein, Schritt für Schritt soll der Stadtumbau kommen. „Wir wollen diesen Stadtteil modular umsetzen und bald etwas zeigen“, sagt Gerhard Hackner, der Leiter des Amts für Stadtentwicklung. Zunächst brauche es einen Rahmenplan als Grundlage für eine Sanierungssatzung. „Das Ziel ist es, im Juni oder Juli so weit zu sein“, sagt  Hackner. Nächster Schritt wäre ein Bebauungsplan und „Baurecht 2022/23“, so Hackner. „2024 könnte ich mir vorstellen, dass erste Bauten entstehen können.“ Wo wirklich gebaut werden kann, hängt von Grundstückseigentümern ab, die man dafür gewinnen kann. Eigene Gestaltungsmöglichkeiten hat die Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Esso-Tankstelle. „Das Gelände gehört der Stadt Gmünd, das könnte der erste Baustein sein.“

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Das Siegerteam: die fünf jungen Architektinnen und Architekten aus Dresden und Berlin.
Wie es aussieht am Gmünder Stadteingang im Westen - und wie es aussehen könnte. Im Siegerentwurf des Europan-Wettbewerbs sieht man zentral den neuen Stadtturm mit dem dahinter anschließenden „Westtorplatz“. Quer zu den Verkehrsachsen verläuft d

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