Bald Photovoltaik in der Altstadt?

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Die Stadt untersucht zurzeit, auf welchen Gebäuden in der Altstadt Photovoltaik platziert werden kann. Kirchen, Klöster oder barockisierte Marktplatzhäuser sind dabei wohl außen vor. Foto: Länge

Baubürgermeister erläutert Stadträten im Haushaltsausschuss Kriterien. Grüne und SPD wollen eine politische Vertretung für die Innenstadt. Erster Bürgermeister verweist auf Quartiersarbeit.

Schwäbisch Gmünd

Die Verwaltung will den Bewohnern der Innenstadt „möglichst zügig“ ein Angebot machen, auf welchen Dächern in der Altstadt Photovoltaikanlagen platziert werden können. Dies sagte Baubürgermeister Julius Mihm in der Sitzung des Haushaltsausschusses. Zuvor hatten die Fraktionen CDU, Linke und Bürgerliste die Verwaltung aufgefordert, alle Potenziale für Photovoltaik auf Dachflächen in der Innenstadt zu untersuchen und zu nutzen.

Gmünds Altstadt steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Grundsätzlich seien Photovoltaikanlagen im Denkmalbereich zu genehmigen, sagte Mihm. Städte in solchen Situationen müssten deshalb abwägen. Dächer, die eine besondere Rolle spielten, dürften nicht mit Photovoltaik belegt werden. Diese Dächer müssten herausgefiltert werden. Mihm nannte dafür drei Kriterien. Fernsicht, Stadträume und wichtige Stadtbausteine. Gmünd sei stark von oben geprägt, so sei die Dachlandschaft auch immer kommuniziert worden. Der Baubürgermeister meint damit beispielsweise den Blick auf die Altstadt vom Zeiselberg aus, vom Straßdorfer Berg oder vom Lindenfirst. Deshalb brauche die Stadt eine „differenzierte Darstellung der Dächer“, sagte Mihm. Mit Stadträumen meint der Baubürgermeister, dass „Postkartenmotive“ für die Platzierung von Photovoltaik relevant seien. Stadtbausteine schließlich seien „die großen Bauten, in Gmünd Kirchen und Klöster“, aber auch die von Johann Michael Keller barockisierten Marktplatzhäuser. „All das müssen wir nun untersuchen“, sagte Mihm. Gmünd orientiert sich dabei an Städten wie Esslingen oder Tübingen, die ebenfalls so vorgehen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung will der Baubürgermeister abgleichen mit den vorliegenden Plänen, an welchen Stellen Photovoltaik in der Altstadt sinnvoll ist.

Der Haushaltsausschuss hatte ein zweites Thema, das die Innenstadt betrifft: Die Grünen-Fraktion will „Beteiligungsformate, die den sozialen Zusammenhalt in den Quartieren und der Stadtgesellschaft insgesamt stärken, aber auch die Mitverantwortung“. Deshalb will die Fraktion eine Debatte, auch im Bezug auf die kommunalpolitische Mitwirkung in der Innenstadt. Dies will auch die SPD-Fraktion: „Uns liegt eine politische Vertretung der Innenstadt durch ein demokratisch legitimiertes Gremium am Herzen“, schreibt die Fraktion. Ein neues Gremium würde ohnehin schon sehr umfangreiche Gremienarbeit terminlich und zeitlich erheblich ausweiten, sagte dazu die Verwaltung. Bürgermeister Christian Baron erläuterte dies: „Die Verwaltung setzt auf Quartiere“, erinnerte er daran, dass die Verwaltung vor zehn Jahren begonnen habe, in den gewachsenen Quartieren Stadtteilbüros einzusetzen. Und Stadtteilkoordinatoren. Zudem gebe es Innenstadtforen mit aktiven Bürgern. Zudem hätten die Innenstadtbewohner Stimmen, denn sie würden durch Stadträte vertreten. „Ein Innenstadt-Ortschaftsrat wäre ein Rohrkrepierer“, sagte Baron. Weil die Bürger in der Weststadt andere Dinge interessieren als die Bürger in der Oststadt oder am Kaffeebergweg. Zudem würde ein solcher Ortschaftsrat ein „riesiges Gremium“ werden, bei 30 000 Einwohnern in der Kernstadt.

Baron machte jedoch den beiden Fraktionen das Angebot, das Thema nochmal im Verwaltungsausschuss und im Gemeinderat zu behandeln. Diesen Vorschlag griff Grünen-Fraktionssprecher Gabriel Baum gerne auf. Für die SPD sagte Dr. Uwe Beck, dass in der Innenstadt etwas Vergleichbares zu den Stadtteilen fehle. Deshalb wolle auch seine Fraktion „am Problem weiterarbeiten“.

Wie der Haushaltsausschuss arbeitet

Der Haushaltsausschuss des Gemeinderates besteht aus Stadträten aller Fraktionen. Die Fraktionen haben bei der Haushaltsdebatte im Frühjahr Anträge gestellt. Diese Anträge, solche wie der zur Photovoltaik in der Altstadt oder zum Ortschaftsrat für die Innenstadt, werden im Haushaltsausschuss diskutiert. Am Mittwoch waren's 84 Anträge. Deshalb folgt ein weiterer Bericht am Freitag.

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