Bald wieder ein Bäcker am Münster?

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Eine historische Aufnahme des Hauses mit der Nummer 13 am Gmünder Münsterplatz.
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Der neue Besitzer des Hauses Münsterplatz 13, Varujan Karajan, will im Gebäude die Tradition des Backhandwerks wieder aufleben lassen.

Schwäbisch Gmünd

Den älteren Gmündern ist das „Café am Münster“ noch ein Begriff. Viele von ihnen gehörten in ihrer Jugend zum Kundenkreis dieses Kaffeehauses mit Bäckerei an der Ecke des Münsterplatzes zur Münstergasse. Dieses Haus mit der Nummer 13 hat nun der Gmünder Zahnarzt Varujan Karajan gekauft. Er will dort an die Tradition der Bäckerei anknüpfen.

Karajan ist ein mutiger Mann. Und ein Optimist. Denn auch er weiß, dass der Münsterplatz einer der stilleren, der leiseren Orte in Gmünd ist. Nur mittwochs und samstags, wenn ein gutes Dutzend an Händlern den Markt bestückt, herrscht reges Treiben. Dies ist der Grund, dass es nicht einfach sein wird, einen Pächter zu finden, der das Wagnis Bäckerei eingeht. Dabei gehe es ihm nicht um die Pachteinnahmen, sagt Karajan. Sondern um das Haus und den Platz beim Gmünder Wahrzeichen, dem Heilig-Kreuz-Münster, das er regelmäßig besucht.

In der Vergangenheit stand das Haus viele Jahre leer. Zumindest im Erdgeschoss. Im zweiten Band von Theo Zaneks „Gmünder Häuser und Geschichten“ erzählte dieser aus der Geschichte des Hauses. Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte eine Hälfte Magdalena Weittmann, der Witwe eines Schmiedes. Die zweite Hälfte war im Besitz ihres Schwiegersohnes. Auf diese beiden folgten die Goldschmiede Georg Holbein und Kaspar Hartmann. 1817 hat Stadtschreiber Lorenz Gfrereis eine Hälfte erworben, 21 Jahre kaufte er die zweite. Von da an, schreibt Zanek, im Buch, das aus einer Häuser-und-Geschichten-Serie der Gmünder Tagespost entstanden ist, hatte das Haus immer nur einen Eigentümer. 1870 zog der erste Bäcker ein. Franz Waldenmaier richtete im Erdgeschoss eine Bäckerei ein. Die Lage des Hauses war günstig. Denn Schüler der benachbarten Schulen und Kirchgänger waren gute Kunden.

1898 gründete Karl Canz im Münsterplatz 13 eine Brot- und Feinbäckerei. Diese führte sein Schwiegersohn Paul Müller weiter. Müller, der selbst Bäcker- und Konditormeister war und sich dazu noch auf die Herstellung von Speiseeis spezialisierte, baute im Erdgeschoss Schaufenster ein. 1950 entschloss er sich, das alte Fachwerkhaus umzubauen. Dabei wurde der gesamte Fußboden des Erdgeschosses tiefer gelegt. Dort entstand das „Café am Münsterplatz“. Für die Schüler der umliegenden Schulen war dies das reinste Paradies. Insbesondere in den Pausen füllten sie den Laden, genossen Brezeln, Wecken, Amerikaner, Eis, Wundertüten, Kaugummi und Lakritz, schreibt Theo Zanek in „Gmünder Häuser und Geschichten“.

Ein Stück weit an diese Zeiten anknüpfen will Varujan Karajan. Den Raum am Eingang stellt er sich als Verkaufsraum vor, den dahinter und tiefer gelegenen als Café. Auch die erste Zwischenetage könne dafür verwendet werden, sagt er. Darüber sei Wohnraum, der vermietet ist. Vom Frühjahr bis in den Herbst kann er sich auch Außenbewirtung vorstellen. „Ich bin überzeugt, dass ein gutes Konzept funktioniert“, sagt der neue Besitzer dieses besonderen Hauses an der Ecke des Münsterplatzes zur Münstergasse hin. Und wenn nicht, meint er recht gelassen, dann werde er sich für den Münsterplatz 13 eben etwas anderes einfallen lassen. Sein Herzenswunsch aber, sagt Varujan Karajan, ist es, die Tradition des Hauses, die Kunst des Backens, wieder zu beleben.

Ein gutes Konzept wird funktionieren.“

Varujan Karajan, Besitzer des Münsterplatzes 13
Varujan Karajan hat das Haus am Münsterplatz 13 gekauft und würde dort gerne wieder eine Bäckerei mit Café sehen.

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