Bande zwischen Armenien und Gmünd

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Oberbürgermeister Richard Arnold (links) empfing am Donnerstag Vertreter der Armenienhilfe und Gäste aus Armenien vor dem Rathaus: (v.l.) Ara Barseghyan, Lena Hayrapetyan, Stella und Karl-Heinz Scheide, Movses Poghosyan, Landrat a.D. Klaus Pavel, Alfons Wenger und Artak Verdyan.
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Vier Vertreter des Hilfsprojektes in Yerevan kommen zur Verabschiedung der Pfarrer Karl-Heinz Scheide und Alfons Wenger nach Gmünd. Die Stadt empfängt sie.

Schwäbisch Gmünd

Für Karl-Heinz Scheide war's der „Auftakt“ zu einem besonderen Wochenende: Der evangelische Pfarrer und sein katholischer Kollege Alfons Wenger sind seit 19 Jahren die „Motoren“ der „Küche der Barmherzigkeit“ in Gmünd. Sie hielten die Armenienhilfe mit viel Engagement unermüdlich am Leben. An diesem Freitag werden Scheide (85) und Wenger (88) verabschiedet.

Deshalb sind vier Gäste aus Armenien nach Gmünd gekommen: Movses Poghosyan, Ara Barseghyan, Artak Verdyan und Lena Hayrapetyan. Oberbürgermeister Richard Arnold, der 2016 Armenien selbst besucht hat, empfing sie am Donnerstag im Rathaus. Mit den Pfarrern und dem Schirmherrn der Armeniehilfe, Landrat a.D. Klaus Pavel.

Klaus Pavel, sagte Arnold, habe als Landrat immer vom halb vollen, nicht vom halb leeren Glas gesprochen. Nur so könne man Gutes tun. Dies übertrug Arnold auf die Pfarrer. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Scheide und Wenger die Armenienhilfe so lange am Laufen gehalten hätten. Dankbar sei er auch, sagte Arnold weiter, dass Klaus Pavel sich für die „Küche der Barmherzigkeit“ engagiere. Gmünds Stadtverwaltung, versicherte der OB, werde ihm zur Seite stehen. Er selbst wolle wieder nach Armenien reisen. 2016 habe er dort gesehen, wie groß die Not ist. Und so erkannt, was es bedeutet, „regelmäßig ein Mittagessen zu bekommen“. Die Folgen von Corona, sagte Arnold, seien für die Menschen in Armenien viel schlimmer als für die Bürger des reichen deutschen Südwestens.

Hier knüpfte Klaus Pavel an. Auch er erzählte, welche Spuren der Besuch in Armenien 2016 bei ihm hinterlassen hat. „Wir haben Familien besucht, bei denen Großmutter, Mutter und Kinder in einem Raum leben, oft ohne Vater“, sagte Pavel. Dort habe er gespürt, „was es bedeutet, arm zu sein“. Und welchen Wert ein tägliches Mittagessen haben kann.

Movses Poghosyan, der in Armeniens Hauptstadt das „Haus der Hoffnung“ leitet, berichtete von den vergangenen zwei Jahren. Diese seien sehr schwierig gewesen. Zum einen der Pandemie wegen, zum anderen aber des Bergkarabach-Kriegs im vergangenen Herbst wegen. Armenien, das Bergkarabach in der Auseinandersetzung mit Aserbaidschan unterstützte, unterlag in dem Krieg, der am 27. September begann und am 9. November mit einem durch Russland vermittelten Waffenstillstand endete. Diesem Frieden aber traut Poghosyan nicht, er befürchtet weitere Auseinandersetzungen. Trotz dieser schwierigen Umstände, sagte er, hätten die Kollegen im „Haus der Hoffnung“ weitergearbeitet. Zum einen, „weil die bedürftigen Menschen Tag für Tag auf uns warteten“, zum anderen, „weil Alfons Wenger und Karl-Heinz Scheide ihren Fokus auf Armenien legten“. Wöchentlich habe er mit Scheide online Kontakt gehabt, sagte Poghosyan.

27. Saison ist zu Ende

250 Bedürftige hätten in dieser Zeit Tag für Tag ein warmes Essen bekommen, berichtete Poghosyan vom Verlauf der 27. Saison. Darunter seien 23 Familien aus Syrien gewesen. Darunter seien 130 Menschen aus Bergkarabach gewesen. Denn Zehntausende flüchteten von dort nach Armenien. Und darunter seien bedürftige Menschen aus Yerevan gewesen, die das Essen entweder im „Haus der Hoffnung“ erhielten oder in einer der Essenausgabestellen in der Stadt. Im „Haus der Hoffnung“ sei die Essenausgabe von zwei auf vier Stunden verlängert worden, sagte Poghosyan weiter. Bei den Besuchern sei Fieber gemessen worden. Die Hygieneregeln seien streng eingehalten worden. So sei vermieden worden, dass zu viele Menschen gleichzeitig aufeinander treffen.

Inzwischen ist die 27. Saison der „Küche der Barmherzigkeit“ beendet. Und Poghosyan dankte den Gmünder Spendern und einmal mehr den beiden Pfarrern. Dabei gehe es nicht nur um „materielle Hilfe“, sondern die Menschen vermissten die Pfarrer, wünschten sich, dass diese „Quelle der Humanität“ einmal mehr nach Armenien komme.

Spenden für die „Küche der Barmherzigkeit“ können auf dieses Konto der Kreissparkasse Ostalb eingezahlt werden: BIC OASPDE6A

IBAN DE68614500500440752987

Die vergangenen zwei Jahre waren schwierig.“

Movses Poghoysan, Leiter des „Hauses der Hoffnung“
Corona traf Armenien hart. Besonders alte und arme Menschen. Im „Haus der Hoffnung“ galten strenge Hygieneregeln.

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