Baukultur aus zwei Epochen

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Monika Boosen vor dem Münster und dem Ort, an dem die Vorgängerkirche St. Maria stand.
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Stadtbild Dr. Monika Boosen veröffentlicht neuen Münsterführer und schreibt auch über ihre Nachforschungen zur Vorgängerkirche aus der Zeit der Romanik. Von Kuno Staudenmaier

Schwäbisch Gmünd

Das Heilig-Kreuz-Münster dominiert das Stadtbild, ist Ort der Volksfrömmigkeit und Baudenkmal zugleich. Unsichtbar, weil dem Parlerbau geopfert, ist der Vorgängerbau, die Pfarrkirche St. Maria, im romanischen Stil in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Dr. Monika Boosen, die langjährige Museumsleiterin, forscht seit Jahren zu diesem Thema, widmet der ehemaligen Kirche eine längere Abhandlung im neuen Münsterführer, der im Frühsommer erscheinen wird.

Es ist nicht ihre erste Publikation über das Münster. Schon 1999 hat sie in der Almanach-Reihe darüber geschrieben. Aus jüngeren Jahren stammt eine kleine Münster-Broschüre mit Texten von Dr. Peter Spranger und Fotos von Johannes Paus. Das erste Münsterbuch überhaupt wird Dr. Anton Nägele zugeschrieben, 1926 veröffentlicht. Professor Dr. Hermann Kissling hat sich in einer Dissertation mit der größten Hallenkirche Süddeutschlands beschäftigt und seine Erkenntnisse 1975 veröffentlicht. Es war das Jahr, in dem die große Münsterrestaurierung begann, die 30 Jahre andauerte. 

Die Kirche hat sich nicht wesentlich verändert, Dr. Monika Boosen lässt aber die vergangenen Jahrzehnte einfließen, beschreibt die Sanierung, die im Innern mit der Sicherung des Deckengewölbes begann und später  mit der Sicherung im Außenbereich fortgeführt wurde.  Die Autorin nennt weitere Stationen der Erneuerung, etwa den Wettbewerb um den neuen Altar, den der Krefelder Künstler Klaus Simon gewann. Der Altar, der aus einer 150 Jahre alten Roteiche gefertigt ist, wurde am 14. September 2009, dem Tag des Patroziniums des Münsters, von Bischof Gebhard Fürst geweiht. Es geht um die Erneuerung des Heiligen Grabes im Chor und um die aktuell laufenden Arbeiten rund ums Heilig-Kreuz-Münster. 

Türme der Vorgängerkirche

Natürlich beginnt der Münsterführer mit der Baugeschichte, mit den ersten Arbeiten um 1310 im Westen. „Mit einem heute unbekannten Baumeister“, sagt Dr. Monika Boosen. Der plante zunächst eine dreischiffige Pfeilerbasilika. Jahre später, etwa ab 1320, änderte sich mit dem neuen Baumeister Heinrich Parler alles grundlegend. Eine dreischiffige gotische Halle war nun das Ziel. Gebaut wurde von West nach Ost.

„Dem Baufortschritt entsprechend wurde die Vorgängerkirche abgebrochen.“ Aber die beiden Türme von St. Maria blieben stehen, wurden dem gotischen Bau einverleibt. Wie man weiß: Sie waren nicht für die Ewigkeit: In der Karfreitagnacht 1497 stürzten sie ein, wohl aufgrund von altersbedingten Bauschäden und vielleicht auch im Zusammenhang mit den Einwölbungsarbeiten im Chor.  „1521 war das Münster  mit dem Einsetzen der Schlussrippe im Westjoch vollendet“, sagt Dr. Monika Boosen.

Nicht aber die Forschungsarbeiten, bei denen die Vorgängerkirche oft im Schatten des Parler-Werks stand. Wie Puzzleteile setzen sich heutige Erkenntnisse aus Fragmenten zusammen. So wurden bei Grabungen für den Einbau einer Heizung um 1960 Fundamente des Nordturms gefunden. Schon Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man Hinweise auf die romanische Kirche St. Maria. Damals wurden Fußbodenplatten abgenommen. Für Forschende interessant ist die Zeit, in der so ein Bauwerk entstanden ist. „Gmünd hatte damals vermutlich zwischen 3000 und 5000 Bürgerinnen und Bürger“, weiß die Buchautorin. Es sei wohl eine Zeit relativen Wohlstands gewesen, wie sie im 14. Jahrhundert während des Münster-Baus noch einmal eintrat. Eine Zeit, in der nicht nur Sakral-, sondern auch viele Profanbauten  der Stadt zu einem neuen Gesicht verhalfen.

Und in der man es sich leisten konnte, neben der - staufischen – Johanniskirche auch noch die städtische Pfarrkirche zu errichten. Außerdem sei in der Zeit, so Dr. Monika Boosen vermutlich auch die Synagoge gebaut worden. 
Kulturdenkmäler, die Schwäbisch Gmünd bis heute prägen. Dr. Monika Boosen blickt dabei nach vorne: Sie hat schon das Wissen für die folgenden Werke im Kopf. Ein Buch über die Johanniskirche und den Salvator. 

Gmünd hatte damals vermutlich zwischen 3000 und 5000 Einwohner.“

Dr. Monika Boosen, , Buchautorin

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