Befürworter und Gegner der Fahrradstraße haben das Wort

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Die Klarenbergstraße (rechts) und die parallel verlaufende Gutenbergstraße.
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Beim Informationsabend in der Südstadt prallen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Stadt will die Anwohner mitnehmen.

Schwäbisch Gmünd

Starker Regen unterbricht gelegentlich nicht nur eine Fahrt mit dem Rad, sondern auch eine Veranstaltung unter freiem Himmel. Beim gut besuchten Südstadt-Informationsabend im Innenhof des Canisius-Hauses tat das der Diskussionsfreude keinen Abbruch. Soll die Klarenbergstraße zur Fahrradstraße werden oder bleiben, wie sie ist? Befürworter und Gegner tauschten sich mit der Stadtverwaltung aus. Am Ende nimmt die Verwaltung, vertreten durch Bürgermeister Christian Baron, den Leiter des Rechts- und Ordnungsamts, Gerd Hägele, Mobilitätsmanagerin Anja Tamm und Manuel Herr vom Stadtteilbüro, viele Anregungen mit. „Aber wir sind erst ganz am Anfang der Überlegungen“, so der Erste Bürgermeister. Es sei nichts entschieden, nichts beschlossen, „wir wollen informieren und zuhören“.

Gefühlt war die Fraktion der Radstraßen-Gegner größer. Sie zollte entsprechenden Diskussionsbeiträgen viel Beifall. Einziges Ziel der Stadt sei eine Verbesserung der Situation, so Baron. „Wir wollen natürlich nichts verschlechtern“. In der Ausgestaltung der Rechte einer Fahrradstraße – Anja Tamm hatte zuvor die Eckpunkte erläutert – sei man frei. So könnten dort weiter Autos fahren. „Aber die Radfahrer erhalten mehr Rechte.“

Baron ging auf Kritikpunkte ein, die die Verwaltung in den vergangenen Tagen erreichten: Es sei keinesfalls geplant, Parkplätze zu streichen. Befürchtungen, damit sei vielleicht eine Parkraum-Bewirtschaftung verbunden, räumte Baron ebenso aus. Für die Radstraße müssten auch keine Bäume gefällt werden, wie manche vermuteten.

Kai Sluga, Inhaber einer dort ansässigen Autowerkstatt, formulierte noch einmal seine Bedenken. Er glaubt, die Kundenzahl könne rückläufig sein, sieht den Betrieb am Ende, sollte wirklich eine Fahrradstraße kommen. Viele seien seiner Meinung, so Kai Sluga, dafür habe er 200 Unterschriften gesammelt. Ein weiterer Anwohner sprach sich auch für den Erhalt der bisherigen Lösung aus. Viel wichtiger sei die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer. Von Symbolpolitik sprach ein anderer Anwohner. Die Radstraße bringe Radfahrern nicht wirklich Vorteile, auch Anwohner könnten davon nicht profitieren. Was er verbessern würde: die Anbindung am östlichen Ende der Klarenbergstraße an den Radweg zur Waldorfschule. Für ein dazwischen liegendes Wiesengrundstück gebe es eine Verkaufsbereitschaft des Eigentümers.

Christian Baron berichtete von Gesprächen mit dem Unternehmen Umicore, das auf Anlieferungen angewiesen sei. Dort komme man mit den Vorgaben der Fahrradstraße klar. So könnten dort ja Kraftfahrzeuge weiter fahren, es bleibe bei Tempo 30. Zusätzlich erlaubt sei, dass Radfahrer in zweiter Reihe fahren dürfen.

Allein Anwohner der Klarenbergstraße sollten über die weitere Nutzung befragt werden, so eine Äußerung. Aus Sicht des Ersten Bürgermeisters der falsche Weg. Das sei nicht das Recht der Anwohner allein, sondern aller Verkehrsteilnehmer. Wer selbst durch andere Straßen zur Arbeit oder zum Einkaufen fahre, habe dort ebenso Interessen. Und entscheiden müsse letztlich der dafür gewählte Gemeinderat. Christian Baron spürte in manchen Äußerungen „ein gewisses Misstrauen gegen die Verwaltung. Aber das Gegenteil ist der Fall“, so betonte er. Schließlich wolle man das Thema nur gemeinsam mit den Anwohnern diskutieren, nicht gegen sie. Und gegen Überlegungen, den Radverkehr in der Stadt insgesamt zu fördern, spreche wohl kaum etwas. Eine Bemerkung, die ein Vertreter des ADFC aufnahm. Seit 21 Jahren bemühe sich die Organisation um bessere und sicherere Radwege in der Stadt. Jetzt sei man auf dem richtigen Weg. Wo der hinführt, sollen weitere Gespräche und Beratungen auch im Gemeinderat zeigen.

Wir sind erst ganz am Anfang der Überlegungen.“

Christian Baron,, Erster Bürgermeister

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