Beim Gmünder Fasching sprang der Funke über

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Irma und Giovanni Albano
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Irma und Giovanni Albano erzählen von ihrer 60-jährigen Ehe und fragen sich, wo die Jahre geblieben sind.

Schwäbisch Gmünd

Auch nach über 60 Jahren in Deutschland kann Giovanni Albano sein südländisches Temperament nicht verleugnen. Wenn er von seiner Heimat erzählt, leuchten seine Augen – beinahe genauso wie beim Anblick seiner Frau Irma. Heute kann das Ehepaar, das in der Becherlehenstraße in Schwäbisch Gmünd wohnt, auf 60 gemeinsame Ehejahre zurückblicken. Dabei stellen sich beide die Frage: „Wo sind die Jahre nur geblieben.“

Wie tausende andere Italiener war auch Giovanni Albano als einer der ersten Gastarbeiter nach Gmünd gekommen. Das er in der Stauferstadt die Liebe seines Lebens finden und seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegen würde, war ihm zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch nicht bewusst. 1959 war Giovanni Albano aus dem Örtchen Lucera in Apulien nach Deutschland gereist, um dort Geld zu verdienen, mit dem er seine Großfamilie in Italien unterstützen wollte.

Ein Faschingsball im alten Gmünder Stadtgarten veränderte seine ganze Lebensplanung. Die zierliche Irma fiel im sofort ins Auge – und bereits bei den ersten gemeinsamen Tänzen sprang der Funke über. „Wir waren uns von Anfang an sympathisch“, meint Irma Albano lächelnd. Das erste „große“ Rendezvous führte die beiden ins Kino. Gespielt wurde dort die Operette „Lucia di Lammermoor“ – dass sich Giovanni daran noch heute erinnert, fasziniert Irma.

Giovannis Familie in Apulien brannte derweil darauf „sein deutsches Mädel“ kennenzulernen. Die Verlobungsreise führte sodann per Bahn nach Italien – für Irma öffneten sich dabei völlig neue Welten. Die Herzlichkeit der Familie begeisterte die junge Frau ebenso wie die mediterranen kulinarischen Genüsse, all das kannte Irma nicht, aber „es schmeckte alles lecker“.

Auch 60 Jahre später zeigt sich Irma noch ganz beeindruckt davon, in einer Chaise – einer zweirädrigen Kutsche – von Tante zu Tante gefahren worden zu sein. „Es fühlte sich königlich an.“

Mit dem Verwandtschaftsbesuch in Apulien war es für Giovanni aber nicht getan. Denn ihm lag es am Herzen, seiner Irma die ganze Schönheit seiner Heimat zu zeigen. Neapel und Capri lagen auf der Reiseroute. Doch so schön die bezaubernde und malerische Insel auch war, beim Gedanken an die Rückreise nach Neapel mit dem Schiff graust es Irma heute noch: Die stürmische See habe sie in große Angst versetzt, erinnert sie sich. Über die Jahre sollten viele weitere Urlaube in Italien folgen.

Nach einem Jahr des Kennenlernens traten Giovanni und seine Irma im Gmünder Heilig-Kreuz-Münster vor den Traualtar. Die Gästeschar sei überschaubargewesen, erinnern sich beide. Der Grund: Von Giovannis Familie konnte nur der Bruder dabei sein. Dafür bereitete Irma ihrem Bräutigam eine große Überraschung. Für ihren Giovanni, einem absoluten Musikliebhaber ließ sie vom Organisten den Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy spielen.

Mittlerweile hatte sich das Paar in Schwäbisch Gmünd niedergelassen – und Giovanni Albano entschied sich dazu, seinen Schulabschluss nachzuholen. Irma begleitete ihn jedes Mal zum Unterricht und besserte damit gleichzeitig ihr Italienisch auf. Bei den Albanos werden seitdem Unterhaltungen in zwei Sprachen geführt.

Die Familie wächst

Während Giovanni immer in der ZF beschäftigt war, machte Irma erst eine Ausbildung zur Keramikmalerin. Später arbeitete sie beim Gmünder Stadtmessungsamt. Mit viel Fleiß und noch mehr Sparsamkeit konnten beide ihr Eigenheim in der Becherlehenstraße errichten. Mittlerweile war die Familie auch gewachsen – denn Angelina und Winfried Mattheo komplettierten das Familienglück der Albanos.

Während es vor zehn Jahren anlässlich der goldenen Hochzeit noch ein großes Fest gegeben hatte, soll die diamantene Hochzeit der Albanos nun in einem etwas kleineren Rahmen gefeiert werden – und zwar nur mit den beiden Kinder und den mittlerweile vier Enkelkindern.

„Wir waren uns von Anfang an sympathisch.“

Irma Abano

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