Berichte aus einem gespaltenen Land

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Als ersten Referenten des Israelkongresses begrüßt Programmleiter Daniel Funk die Journalistin Mirjam Holmer.
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Was Evangelikale mit Israel verbindet und woher ihre Liebe zu dem Land rührt, zeigt ein viertägiger Kongress auf dem Schönblick.

Schwäbisch Gmünd

An Jerusalem entscheidet sich so viel“, sagt Mirjam Holmer, die in der Stadt lebt, in der drei Weltreligionen zu Hause sind. Am Donnerstag eröffnete sie den Israelkongress auf dem Schönblick, zu dem Direktor Martin Scheuermann rund 400 Gäste aus Deutschland, Israel, Frankreich und der Schweiz begrüßte. Die 37-jährige Islamwissenschaftlerin arbeitet fürs Israelnetz, das zur christlichen Medieninitiative „pro e. V.“ gehört, die wiederum ein Zusammenschluss evangelikal orientierter Journalisten, Publizisten, Verleger und Vertreter von Medienorganisationen ist.

„Schalom Israel“ lautet der Titel des viertägigen Kongresses, der am Sonntag endet; „Schalom“ sei programmatisch gemeint, erklärt Programmleiter Daniel Funk, es gehe darum, dass „Israel und die Welt mehr Frieden bekommen“. Doch zunächst ging es um Liebe, denn Holmer zitierte Israels neuen Ministerpräsidenten Naftali Bennett: Die Liebe christlicher Israelfreunde zum jüdischen Staat sei „legendär“. Dies hatte der israelische Premier anlässlich des Laubhüttenfestes der Internationalen Christlichen Botschaft in Jerusalem gesagt, und ausgeführt: „Ihre Leidenschaft für Israel ist eine kompromisslose Erklärung der Unterstützung für den jüdischen Staat, seine Menschen und unsere Bestimmung.“ Den Grund für das klare Bekenntnis benannte Elisabeth Hausen, leitende Redakteurin beim Nachrichtendienst Israelnetz: Die Israeliten sind Gottes auserwähltes Volk.

An vielen Stellen gespalten

Holmer blickte im Folgenden mehr auf die gesellschaftlichen Entwicklungen in einem Land, das an vielen Stellen gespalten ist. In Israel leben säkulare und ultraorthodoxe Juden, Beduinen, Tscherkessen und viele weitere religiöse Gruppen, was eine große Herausforderung sei. Nur schwer konnte zuletzt eine Regierung gebildet werden, die vierte innerhalb der letzten zwei Jahre. Acht Parteien koalieren derzeit, „mit unterschiedlichen Zielen und Interessen“, erklärte die Referentin, die seit mehreren Jahren in Jerusalem lebt. Groß sei die Hoffnung, dass die Regierung vier Jahre hält. Als gutes Zeichen wertet sie die Bereitschaft, miteinander zu reden. Auch nach einem heftigen Streit.

Holmer lebt in einer Wohnung mit Blick auf den Mahane-Jehuda-Market, einen bekannten Markt an der Jaffa-Straße. Dort kann sie in den letzten Jahren vermehrt Aussteiger beobachten, junge Menschen, die den ultraorthodoxen Gemeinden den Rücken kehren. Freitagnachmittags, wenn der Sabbat naht, seien sie auf der Suche nach Gemeinschaft. Da sie in ihren Familien und Gemeinden nicht auf das reale Leben vorbereitet werden, sei es für die Gesellschaft eine große Herausforderung, sie zu integrieren. Berühmt geworden ist Deborah Feldman, die ihre Geschichte in dem Buch „Unorthodox“ beschrieben hat.

„In Israel gibt es Rassismus“, sprach Holmer ein weiteres großes Problem an. Als positiv wertet sie, dass die Israelis darüber reden und Teile der Gesellschaft dagegen demonstrieren. Auch müsse man sehen, dass Israel ein funktionierender Rechtsstaat sei. In den palästinensischen Autonomiegebieten dagegen werde bejubelt, wenn Raketen Richtung Israel fliegen oder Bombenattentate verübt werden.

Holmer ging auch auf die seit einem Jahr bestehenden offiziellen Beziehungen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain ein. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wertete sie als gutes Zeichen. Angesichts der Wahlen in Deutschland forderte sie die Zuhörer auf, genau hinzuschauen, welche Regierung sich für Israel einsetze. Am Ende nahm sie die Worte Bennetts auf: „Unser Support für Israel soll legendär sein.“

Unsere Unterstützung für Israel soll legendär sein.“

Mirjam Holmer, Islamwissenschaftlerin
„Schalom Israel“ heißt der Kongress im Christlichen Zentrum Schönblick, bei dem Programmleiter Daniel Funk und Islamwissenschaftlerin Mirjam Holmer ihre Einschätzungen zu dem jüdischen Staat mit zahlreichen Zuhörern teilen.

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