Bestellt auf Kosten Schwacher

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Amtsgericht Gmünd
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43-Jährige wegen gewerbsmäßigem Betrug zu Lasten hilfsbedürftiger Gmünder verurteilt.

Schwäbisch Gmünd

Vom Staubsaugerbeutel bis zur Eck-Couch, vom Paar Stiefel bis zum Wäschetrockner: Die 43-jährige A. bestellte gerne. Allerdings nicht auf eigenen Namen und eigene Rechnung. Die Rechnungen gingen in 37 Fällen an zwei hilfsbedürftige Gmünder, deren Vertrauen sie sich erschlichen hatte. Davon war das Schöffengericht am Gmünder Amtsgericht überzeugt und verurteilte die Frau am Dienstag zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

S. berichtete im Zeugenstand, dass die 43-jährige Frau ihn angesprochen habe. Es sei ein freundschaftliches Verhältnis entstanden - bis er mitbekommen habe, dass sie in seinem Namen einkaufte. Der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsgerichtsdirektor Thomas Baßmann, zeigte ihm Bestellscheine mit S.' Namen. Und bei einer ganzen Reihe davon sagte S., dass das nicht seine Unterschrift sei. was auch ein anderer Zeuge bestätigt hatte.

Die andere Person, in deren Namen A. laut Anklage eingekauft hat, konnte nicht mehr aussagen: Die Seniorin W. war schon zum Zeitpunkt der Käufe todkrank und ist inzwischen verstorben. An ihrer Stelle trat eine Gmünder Anwältin in den Zeugenstand,. W. hatte ihr berichtet, dass auch sie von A. angesprochen worden sei.

Die junge Frau, so schilderte es die Anwältin, „hat sich als Enkeltochter angeboten“. Misstrauisch sei W. erst geworden als Zahlungsaufforderungen bei ihr eingingen. Sie wandte sich an die Opferhilfe-Organisation Weißer Ring, die sie wiederum an die Gmünder Anwältin vermittelte. W. „war sehr verzweifelt“, berichtete die Juristin dem Gericht. A. sagte dagegen, W. habe ihre Bekanntschaft gesucht, nicht umgekehrt.

Staatsanwalt Philipp Schmidt hielt der Angeklagten vor, dass sie keinerlei Schuldgefühl zeige. Er sah die komplette Anklage als erwiesen und forderte eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. A.'s Verteidiger Markus Schwab hingegen forderte für seine Mandantin Freispruch und obendrein Entschädigung für die bisherige Untersuchungshaft. A. habe alle Bestellungen mit dem Wissen von S. und W. aufgegeben.

Das allerdings sah das Gericht ganz anders und verhängte die Freiheitsstrafe von zwei Jahren und nun Monaten, die in dieser Höhe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Und selbst wenn sie niedriger gewesen wäre, wäre eine Strafaussetzung nicht in Frage gekommen, stellte Richter Thomas Baßmann klar. Er hielt der Angeklagten „ein sehr taktisches Verhältnis zur Wahrheit“ vor. Ein wichtiges Argument für das Gericht war auch, dass A. schon fünf Mal wegen ähnlicher Fälle von Gerichten in Bayern und Baden-Württemberg verurteilt worden war - zwei Mal wegen fast identischer Taten wie denen in Gmünd. Warum, so fragte Baßmann, hätte zum Beispiel eine Seniorin, die wusste, dass sie nur noch sehr kurz zu leben hatte, A. mit der Bestellung von Lounge-Möbeln beauftragen sollen? Natürlich hätten einige der Versandhändler der Betrügerin leichtes Spiel ermöglicht, seien teilweise nicht einmal an einer Strafverfolgung interessiert gewesen. Den Ärger mit Mahnungen und Inkassoandrohungen habe A. jedoch „zwei äußerst schwachen Mitgliedern unserer Gesellschaft“ aufgebürdet, stellte der Gerichtsvorsitzende fest.

Das Gericht legte außerdem fest, dass bei A. der Wert der bestellten und nicht bezahlten Waren, gut 16 000 Euro, eingezogen wird. Und Thomas Baßmann verfügte, dass die Verurteilte sofort nach Ende der Verhandlung wieder zurück in die Haftanstalt musste. So wollte er verhindern, dass sie untertaucht, wie sie es bereits früher getan hatte.

Sie hat sich als Enkeltochter angeboten.“

Eine Anwältin, über die Angeklagte

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