Besuch im ärmsten Land der Welt

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Auf den Hochflächen des Landes präsentiert sich Burundi in Schönheit, sagt Tim Bückner nach seiner Reise in das afrikanische Land.
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Gmünds CDU-Landtagsabgeordneter Tim Bückner reist mit Fraktionskollegen ins ostafrikanische Burundi, mit dem Baden-Württemberg eine Partnerschaft hat.

Schwäbisch Gmünd

Seit etwa sieben Tagen ist er wieder zuhause. So richtig zuhause ist er aber noch nicht. Zu stark waren die Eindrücke, die Tim Bückner bei einer fünftägigen Reise nach Burundi gewonnen hat. So stark, dass sie ihn Tage danach noch immer gedanklich beschäftigten. Mit drei Kollegen aus dem Landtag, unter ihnen Fraktionschef Manuel Hagel, und zwei Mitarbeiterinnen aus der Fraktion ist der CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Gmünd in das afrikanische Land gereist. Zwischen Burundi und Baden-Württemberg gibt es seit den 80er-Jahren eine Partnerschaft. Es gibt freundschaftliche Verbindungen und Zusammenarbeit bei Projekten von Kommunen, Schulen und Kirchen. Baden-Württemberg ist dabei, diesen Dialog auszubauen. Im Mai 2014 unterzeichneten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Minister für Auswärtige Beziehungen und internationale Zusammenarbeit der Republik Burundi, Laurent Kavakure, in Stuttgart eine förmliche Partnerschaftsvereinbarung zwischen Baden-Württemberg und Burundi. Damit soll die bisherige Partnerschaft gestärkt werden.

Dieser Stärkung dient auch der Besuch der Christdemokraten in dem wohl ärmsten Land der Welt. Die Verbindung zu Burundi, erzählt Bückner, gehe auf Lothar Späth zurück. Das Land, ein reines Binnenland, habe eine Fläche in etwa wie Baden-Württemberg. Und ähnlich viele Einwohner wie das Land. Baden-Württembergs Verbindung zu Burundi sei in den vergangenen Jahrzehnten der politischen Verhältnisse mit Diktatur und Bürgerkrieg etwas eingeschlafen. Seit wenigen Jahren jedoch gebe es einen politischen Frühling. Die Besucher aus dem Ländle haben in Burundi Bujumbura besucht, mit etwa eineinhalb Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes, am Tanganjikasee gelegen. Bis 2018 war Bujumbura die Hauptstadt des Landes. „Bujumbura besteht aus Baustellen und aus Bruchbuden“, erzählt Bückner. Die Verhältnisse seien chaotisch, die Stadt habe so gut wie keine Infrastruktur.

„Schiere Menschenmassen“

Von Bujumbura fuhren die Besucher hinauf aufs Hochplateau, über 2000 Meter. Ganz anders sei das Leben dort auf dem Land, sagt Bückner. Armut jedoch überall. Die Menschen säßen vor ihren Hütten, sie liefen auf den Straßen, „schiere Menschenmassen“, weitgehend ohne Beschäftigung. Denn Burundis einziger Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Die Hälfte der Bürger des Landes sei unter 15 Jahren, weiß der CDU-Abgeordnete. Nach Prognosen soll sich die Bevölkerung deshalb bis 2050 verdoppeln. Bückner hat mit seinen Kollegen Projekte in Schulen, Krankenhäusern, bei der Ausbildung und in der Landwirtschaft besucht, die Baden-Württemberg fördert. Er erzählt von einem Krankenhaus, dessen Notstromaggregat aus Baden-Württemberg kommt. Krankheiten wie Malaria seien dort tägliches Brot, sagt Bückner.

In Gitega, der früheren Hauptstadt des Königreichs Burundi und heutigen Hauptstadt der Republik, lernten die Baden-Württemberger den Stuttgarter Pfarrer Walter Stärk kennen. Seit 60 Jahren lebt der heute 88-Jährige als Missionar in Burundi. Er hat dort bereits eine Schule gebaut, aktuell baut er eine weitere. Er kümmert sich um Menschen mit Behinderung, und er leitet landwirtschaftliche Projekte, vermittelt Knowhow. Solches Engagement, aber nicht nur solches, sondern Entwicklungshilfe voranzutreiben, war und ist insbesondere nach diesem Besuch in Burundi erst recht ein Anliegen der Christdemokraten.

Energiegewinnung im Blick

Das Thema Energiegewinnung mit Solartechnik oder Wasserkraft haben die Baden-Württemberger dabei auch im Blick. Wenngleich die Topographie des Landes mit den vielen Hügeln schwierig sei. Eine solche Kooperation aber, das ist dem Gmünder Abgeordneten wichtig, müsse eine win-win-Situation sein. So, dass beide Länder einen Nutzen davon haben. In welchem Umfang dies möglich sei, sei offen.⋌

Vorerst überwiegen deshalb bei dem Gmünder Abgeordneten solche Eindrücke: Burundi sei ein „wunderschönes Land“, „leider größtenteils abgeholzt“, mit vielen Bananen- und Kaffeeplantagen. Aber: „Was wir an Armut gesehen haben, hat weit übertroffen, was wir erwartet hatten“. Gleichzeitig haben die Gäste aus Europa viel Lebensfreude gespürt. „Wir hatten viele Momente, in denen wir singend und tanzend von Kindern empfangen wurden“, sagt Bückner.

Wissenswertes über Burundi

Burundi ist ein Binnenstaat in Ostafrika. Er grenzt im Norden an Ruanda, im Osten an Tansania und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Das Land weist laut Wikipedia mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von geschätzt etwa 270 US-Dollar pro Kopf das geringste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weltweit auf. Burundi ist einer der kleinsten Staaten Afrikas. Zwischen dem Victoriasee und dem Tanganjikasee gelegen, wird das Land von einem Hochplateau durchzogen, das bis auf 2684 Meter ansteigt. Burundi ist eine Präsidialrepublik, der Präsident ist Staatsoberhaupt, bis 2020 war er auch Regierungschef. Burundi ist ein Agrarland. Etwa 85 Prozent der Einwohner leben von der Landwirtschaft. Angebaut werden vor allem Bananen, Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Reis und Gemüse. Für den Export werden Kaffee und Tee angebaut. Das Klima ist tropisch-wechselfeucht mit zwei Regenzeiten. Rund 62 Prozent der Burundier sind Katholiken, 5 Prozent Protestanten, 10 Prozent sunnitische Muslime und 23 Prozent Anhänger afrikanischer Religionen.

Der Gmünder CDU-Landtagsabgeordnete Tim Bückner ist mit drei Kollegen und zwei Fraktionsmitarbeiterinnen nach Burundi gereist. Das afrikanische Land hat eine Partnerschaft mit Baden-Württemberg. Das Bild zeigt Bückner und Fraktionschef Manuel Hagel in einer Schule.
Die Millionenstadt Bujumbura beschreibt Bückner so: Baustellen und Bruchbuden. Burundi ist das ärmste Land der Welt. Fotos: privat
Burundi

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