Bethlehem ist back - wie eine totgeglaubte Städte-Freundschaft neu belebt wurde

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Landschaftlich ähneln sich die Partnerstädte: Ein Blick auf Bethlehem.
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Jahrelang glich Gmünds USA-Partnerstadt Bethlehem einer Karteileiche - im Jubiläumsjahr wird die alte Beziehung wiederbelebt.

Schwäbisch Gmünd

Ein Spitzengespräch der beiden Bürgermeister im Videochat hat es schon gegeben, zur Staufersaga-Aufführung trägt ein Komponist aus Bethlehem eigens geschriebene Musik bei, und eine zehnköpfige Gruppe kommt aus der amerikanischen Partnerstadt zu den Staufertagen Anfang Juli nach Gmünd.

Die Städtepartnerschaft in die USA schien sanft entschlafen. „Ich habe immer gehört von der Stadt: Das ist tot“, sagt Lukas Amadeus Schachner, der Vorsitzende des Vereins Städtepartnerschaft. „Eine Zeit lang hat man in Bethlehem von der Stadt nicht einmal eine Antwort bekommen.“ Vor den Partnerschaftsjubiläen, die während der Europäischen Staufertage gefeiert werden sollen, hat Gmünd einen neuen Anlauf genommen. „Wir haben versucht, einen Ansprechpartner zu finden“, erzählt Oberbürgermeister Richard Arnold.

Dass die Bürger von Bethlehem im November einen neuen Bürgermeister gewählt haben, hat sich als hilfreich erwiesen. „Das ist ein junger, sehr tatkräftiger Kollege“, sagt Richard Arnold über J.William Reynolds. In einem Gespräch übers Netz haben sich beide über Feste ausgetauscht, über Corona-Folgen, Klimaschutz und welche Transformationsprozesse die Städte durchlaufen.

Geholfen hat auch, dass persönliche Anknüpfungspunkte für die Wiederbelebung da waren. Eine maßgebliche Rolle habe Dirk Schmidt gespielt, der neue Stellvertretende Vorsitzende des Vereins Städtepartnerschaft, erzählt dessen Vorsitzender Lukas Amadeus Schachner. Schmidt ist jetzt der Bethlehem-Beauftragte des Vereins - er hat die besten Voraussetzungen dafür: Er hat von 2007 bis 2012 in Bethlehem gewohnt, seine Tochter ist da geboren, er hat dort Fagott im Uni-Orchester gespielt. Als er 2016 des Berufs wegen nach Gmünd zog, sei ihm schnell klar gewesen, dass er Mitglied wird im Städtepartnerschaftsverein.

Alte Verbindungen, die sich auf die Jetztzeit auswirken. Zum Beispiel durch Larry Lipkis, Komponist und Musikprofessor an der Moravian University in Bethlehem, den Schmidt kennt. Inzwischen ist abgemacht, dass Lipkis in diesem Sommer zwei Stücke für Gmünd schreibt, eines für die Staufersaga, außerdem ein Freundschaftsstück, das die Gmünder Musikschule uraufführen wird. Weil Lipkis Professor für alte Musik ist, ist er der perfekte Komponist für die Musik zur Krönungsszene von Konrad III.

Lipkis wird persönlich dabei sein bei den Europäischen Staufertagen (6. bis 10 Juli), und er ist nicht der einzige Besucher aus Bethlehem. Stephanie Augello und Angela DelGrosso, zwei enge Mitarbeiterinnen des Bürgermeisters kommen, außerdem einige Bethlehemer von „Artsquest“, einer Kulturorganisation aus der Partnerstadt. Auch David Blankenship, der Vorsitzende des dortigen Städtepartnerschaftsvereins, hat sich angekündigt sowie Ann-Elizabeth Schlegel, Künstlerin aus Bethlehem, die zwischen 2003 und 2011 drei Ausstellungen in Gmünd hatte.

Die Partnerschaft, sie scheint wieder zu leben. Für 2023 hat OB Richard Arnold von seinem Amtskollegen schon eine Einladung zum dortigen Musikfest ausgesprochen bekommen. Und Anna Klamann erzählt von großem Interesse in Bethlehem an den Staufertagen: „Es hat sich dort wie ein Lauffeuer verbreitet, ich hatte sogar noch anfragen: Darf ich noch jemand mitbringen?“ Vereinsvorsitzender Schachner ist noch vorsichtig in seinem Urteil: „Es ist schöne Geschichte, aber es ist erst eine kleine Knospe.“ Nun gehe es ums Verstetigen der Kontakte. „Wir müssen hinfahren und möglichst viele Bürger treffen.“

Partnerstadt mit 75 000 Einwohnern

Bethlehem liegt im US-Bundesstaat Pennsylvania, der Ort wurde am Heiligen Abend 1741 so benannt, Bethlehem wurde als Hauptort der Herrnhuter Brüdergemeine in Nordamerika gegründet. Heute hat es rund 75 000 Einwohner.

Die Jubiläen sind nachgeholte Feiern von 2021: 50 Jahre Partnerschaft mit Barnsley (England), 45 Jahre mit Antibes (Frankreich), 30 mit Bethlehem (USA), 30 mit Szekesfehervar (Ungarn) und 20 Jahre mit Faenza (Italien).

Larry Lipkis aus Bethlehem hat für Gmünd Musik komponiert.
Deutsche Wurzeln: Wenn am Wochenende etwas geferiert wird, heißt es in Bethlehem gern: "Fest".

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