Betreuung wird um 3,9 Prozent teurer

+
Eltern müssen für die Betreuung ihrer Kinder in den Kindertagesstätten von Herbst an wohl mehr bezahlen. Der Gemeinderat entscheidet dies kommende Woche. Im Bild die Kita in der Goethestraße. Foto: Tom
  • schließen

Stadtverwaltung erhöht die Beiträge für die Kindertagesstätten. Stadträte diskutieren dies kontrovers. Zudem soll die Zahl der Schließtage in Kitas auf 30 ansteigen.

Schwäbisch Gmünd

Für Bürgermeister Christian Baron ist es eine „nennenswerte Erhöhung“: Die Elternbeiträge für die Betreuung in Kindertagesstätten im Kindergartenjahr 2022/23 sollen voraussichtlich um 3,9 Prozent steigen. Dies schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor. Bei der Ü-3-Betreuung sei's etwas mehr, bei der U-3-Betreuung etwas weniger. Damit setzt Gmünd eine Linie aus dem vergangenen Jahr fort. Baron nannte eine „zweite Kröte“: Nach Tarifvereinbarungen erhalten Erzieherinnen und Erzieher künftig zwei weitere Erholungstage im Jahr.

Regina Stöckle, in der Verwaltung für kommunale Betreuungsangebote zuständig, erläuterte Barons Einführung: Gmünd sei mit diesen Beiträgen bei 17 Prozent Kostendeckung durch die Eltern. Das Land übernehme 33 Prozent, 50 Prozent oder 13,8 Millionen Euro blieben bei der Stadt. Mit den 17 Prozent der Eltern liegt Gmünd unter den 20 Prozent, die das Land empfiehlt. Zur Orientierung, was 3,9 Prozent bedeuten: Die monatlichen Mehrkosten liegen beim ersten Kind zwischen 7 und 25 Euro, je nach Betreuungsart.

Die Situation in den Kitas sei „extrem herausfordernd“, verwies Stöckle auf den Personalmangel, auch bedingt durch Corona-Ausfälle. Um die beiden zusätzlichen Erholungstage für Erzieherinnen und Erzieher in die Planung einzubeziehen, schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, die bisherigen 28 Schließtage im Jahr auf maximal 30 Schließtage der Kindertagesstätten zu erhöhen.

Die Stadträte verschiedener Fraktionen diskutierten diese Vorschläge der Verwaltung kontrovers: Er habe zwei Herzen in seiner Brust, sagte Christian Krieg (CDU), das des Stadtrats und das des Vaters. In anderen Worten: Er sieht die Mehrkosten für die Stadt, aber auch die für die Eltern. Die 3,9 Prozent täten weh, sagte Krieg. Doch so ausgewogen könne man das gerade noch mitmachen. Krieg forderte „mehr Engagement vom Land“.

„Die Familien sind belastet“, sagte Thomas Krieg (Grüne). Doch mit den drei Prozent unter Landesempfehlung habe Gmünd einen „guten Kompromiss“.

„Wir müssen das mittragen, obwohl wir großes Magengrimmen haben“, sagte Sigrid Heusel (SPD). Auch sie forderte mehr Engagement vom Land. Die 30 Schließtage seien eine große Belastung für die Eltern.

„Wir werden dagegen stimmen“, sagte Alexander Relea-Linder (Linke). Denn Bildung müsse für alle kostenfrei sein. Weshalb Bürgermeister Baron Relea-Linder aufforderte, zu sagen, wo im Haushalt dafür an anderer Stelle gestrichen werden solle, um eine kostenfreie Betreuung zu finanzieren.

Als „moderate Erhöhung“ wertete Brigitte Abele (BL) den Vorschlag der Verwaltung und signalisierte Zustimmung. Dies tat auch Ludwig Majohr (FW/FDP).

Bei fortan 30 Schließtagen seien die Alleinerziehenden diejenigen, die am meisten betroffen seien, sagte Ina Neufeld (Grüne). Sie bat die Verwaltung, für sie ein Angebot zu machen, eine Alternative anzubieten. Dies sagte auch Jennifer Kretschmer, die in dieser Ausschusssitzung für die Eltern zu Wort kam. „30 Schließtage stoßen nicht auf Freude“, sagte sie. Nicht alle Eltern hätten 30 Tage Urlaub. Was mache eine Mutter, die nur an drei Tagen arbeite, fragte sie.

Das Kinderhaus am See im Schießtal habe im Jahr nur zehn Tage geschlossen, sagte dazu Stöckle. Die Verwaltung habe die Eltern gebeten, sich für drei Blöcke mit je zehn Tagen zu entscheiden, an denen sie ihr Kind nicht in die Kita schicken. Denn so könnte die Verwaltung auch für das Kita-Personal den Urlaub flexibler planen. Doch es sei seit Jahren nicht möglich, diese drei Blöcke bei den Eltern einzufordern, sagte Stöckle.

„Wir strecken uns nach der Decke, doch es knirscht im Gebälk“, fasste Bürgermeister Baron schließlich die Vorlage zusammen, über die der Gemeinderat am kommenden Mittwoch entscheiden muss.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Kommentare