Sommerserie „Aus dem GT- Fotoarchiv“

Bewegung und Kritik in und an den Kirchen

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Der neugewählte katholische Dekan Gebhard Luiz (links) und der evangelische Pfarrer Brennberger beim ökumenischen Gottesdienst in der Piuskirche. 
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Im Sommer 1971 näherten sich die Konfessionen in Gmünd aneinander an. „Politisches Nachtgebet“ im Gemeindehaus.

Schwäbisch Gmünd. Der Sommer 1971 brachte viel Bewegung in die Kirchen in Gmünd. So kamen mehr als 450 Menschen zum ersten ökumenischen Gottesdienst in der Piuskirche. Der moderne Kirchenbau in den Kiesäckern war dicht gefüllt, Beobachter registrierten auffällig viele junge Menschen unter den Besuchern. 
Ökumenisch: Das war ein Wort, das damals der breiten Öffentlichkeit noch erläutert werden musste. Erst drei Jahre waren seit dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vergangen, in dem sich die katholische Kirche zu Reformen entschlossen hatte. Immerhin, so stellten die Organisatoren der inter-konfessionellen Begegnung damals fest, gebe es auch in Gmünd inzwischen hunderte junger Menschen, die einen Partner oder eine Partnerin anderer Konfessionszugehörigkeit geheiratet haben. Doch es gab auch noch viele Familien, in denen solche Ehen Konflikte auslösten.

Die Öffnung der Kirchen zueinander hing wohl auch mit Personen zusammen: Wenige Tage vor dieser ökumenischen Premiere war Gebhard Luiz, Pfarrer von St. Pius, von den Geistlichen des Landkapitels Schwäbisch Gmünd zum neuen Dekan gewählt worden. Den ökumenischen Gottesdienst in „seiner“ Kirche zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Brennberger zu halten, war Luiz' erste Amtshandlung. Schon 17 Jahre hatte er als Pfarrer in der Stadt gewirkt und sich in dieser Zeit immer wieder um die Annäherung der großen christlichen Kirchen bemüht.

Der ökumenische Gottesdienst in der Piuskirche blieb keine Eintagsfliege: Einen Monat später war die evangelische Augustinuskirche Treffpunkt für Christen beider Konfessionen. Gebhard Luiz und sein evangelischer Kollege Dekan Müllerschön hielten den Gottesdienst. Danach, so die Planung, sollte versucht werden, monatlich einen gemeinsamen Gottesdienst für katholische und evangelische Christen abwechselnd in Kirchen verschiedener Stadtteile zu halten.

Nicht nur im liturgischen Bereich kam Bewegung in die Kirchen. Auch politisch profilierten sich die Konfessionen, vor allem die Protestanten. Unter dem Motto „Soll sich die Kirche in die Politik einmischen?“ stand ein ebenfalls gut besuchtes „Politisches Nachtgebet“ im Evangelischen Gemeindehaus. Studienrat Göhrum leitete eine Diskussion um das Thema: „Kann Schwäbisch Gmünd eine gewaltige Renommier-Kongresshalle bauen, bevor dringlichere soziale Aufgaben bewältigt sind?“ Anlass: Der Gmünder CDU-Landtagsabgeordnete Erich Ganzenmüller hatte den Bau einer Kongresshalle, für die Kosten von etwa 40 Millionen Mark kolportiert wurden, als wichtigste Aufgabe der Stadt bezeichnet.

Doch auch die Kirchen selbst standen unter Kritik: Unbekannte hatten neben einem Fronleichnamsaltar in Bargau die Frage „Will die Kirche Geld oder Frieden?“ auf den Boden gesprayt, und dazu die Antwort „Geld“. Pech der Protestler: Wegen schlechten Wetters musste die Fronleichnamsprozession in Bargau ausfallen

Provokante Sätze zu Fronleichnam 1971 in Bargau. Doch die Prozession fiel ohnehin aus. 

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