Bezahlbarer Wohnraum umgeben von Geschichte

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Celestino Piazza mit den Mitarbeitern des VGW Facility Managements. Sie haben einen großen Anteil der Sanierung der Hofmeisterei geleistet.
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Die VGW hat die Sanierung der Hofmeisterei des ehemaligen Siechenspitals St. Katharina weitgehend abgeschlossen.

Schwäbisch Gmünd

St. Katharina ist ein alter und wichtiger Teil der Stadtgeschichte. Der Gebäudekomplex zwischen St. Anna und Schwerzerhalle war im Mittelalter das Siechenspital der Stadt, wurde später für einfache Wohnungen genutzt. Nun beginnt für einen Teil des Ensembles ein neuer Abschnitt: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft VGW hat die Sanierung des Gebäudes 3, der Hofmeisterei, weitgehend abgeschlossen und darin fünf Wohnungen mit modernem Standard und bezahlbarer Miethöhe geschaffen. VGW-Geschäftsführer Celestino Piazza stellte das Ergebnis der rund einjährigen Sanierungsarbeiten am Donnerstag vor.

Eine der früher sechs Wohnungen in dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert hat die VGW aufgelöst, dafür entstanden dort Gemeinschaftsräume zum Beispiel für Fahrräder, aber auch eine Zentralheizung, die die früheren Einzelöfen in allen Wohnungen überflüssig macht. Dementsprechend konnten in Absprache mit dem Landesdenkmalamt Kamine abgerissen werden, erzählt Bauleiter Jürgen Nagel. Das Denkmalamt war bei allen Planungen und Bauphasen eingeschaltet.

Celestino Piazza verweist mit Stolz darauf, dass auch viele historische Gegebenheiten erhalten wurden, zum Beispiel die hölzerne Treppe. In einigen Zimmern wurden schiefe Decken oder Wände bewusst belassen, vorhandene Stuckreste blieben erhalten. Wo Türöffnungen verschlossen wurden, wurden die Rahmen der Türen stilisiert. In allen Wohnungen wurden moderne Bäder eingebaut. Für die Isolierung sorgt ein Dämmputz, der an den Innenwänden angebracht wurde. Im Dachboden unter dem großen Holzdachstuhl wurden Abstellräume für die Mieter eingerichtet. Zum Gebäude gehören auch zehn Stellplätze.

Vermietet sind die zwischen 40 und 110 Quadratmeter großen Wohnungen bereits, der erste Mieter wohnt schon drin, die weiteren sollen ab Januar folgen. Piazza betont, dass man bei der Auswahl der Mieter auch soziale Kriterien angelegt habe. Immerhin beträgt die Quadratmetermiete rund 6,50 Euro. „Wer sich's leisten kann, zehn Euro zu zahlen, sollte hier nicht wohnen“, sondern die Wohnung jemandem mit knapperer Kasse überlassen, sagt er.

650 000 Euro war das Budget für diese Sanierung - und das wurde eingehalten, betont Piazza. Dafür hat die VGW in großem Maße ihren Regiebetrieb Facility Management eingesetzt. Weitere Aufträge seien an Firmen aus dem Gmünder Raum vergeben worden.

Schmuckstück

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hatte den gesamten Gebäudekomplex außer der Kapelle 1999 gekauft. Die Kapelle, die westlich an die Hofmeisterei anschließt, wird von der Rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd genutzt. Das Gebäude St. Katharina 1/1, das so genannte Armenhäusle, hat die VGW an eine Künstlerin vermietet. Es soll nun ebenfalls saniert und aufgewertet werden.

Das größte Gebäude des Ensembles, das Spitalpfründehaus (St. Katharina 1), wurde an einen Privatmann weiterverkauft. Er möchte dort unter Einhaltung der Denkmalschutz-Auflagen rund 20 Ein-Zimmer-Apartments zum Beispiel für Studenten oder Berufstätige schaffen. Celestino Piazza geht davon aus, dass dieser Investor in absehbarer Zeit mit den Arbeiten beginnen wird. Die VGW werde dann auch für dieses Gebäude die Verwaltung übernehmen.

Wir haben viel alte

Celestino Piazza, über die Hofmeisterei
  • Das EnsembleSt. Katharina
  • St Katharina besteht aus vier Gebäuden: dem Spitalpfründhaus (St. Katharina 1), das um 1700 errichtet wurde; dem Armenhäusle, (St. Katharina 1/)1, wohl ebenfalls um 1700; der Kapelle, die von der rumänisch orthodoxen Gemeinde genutzt wird; dem an die Kapelle angebauten Hofmeistereigebäude (St. Katharina 3), das ab 1716 errichtet, wohl aber erst 1759 fertiggestellt wurde.
  • Im Mittelalter wurden Aussätzige und Menschen, die im Heiliggeistspital nicht erwünscht waren (wie zum Beispiel Leprakranke), vor die Stadtmauern Gmünds nach St. Katharina gebracht.
Ein Blick in eine der fpünf Wohnungen.
Der Holzfensterrahmen über dem massiven Türsturz von St. Katharina 3.

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