Bezaubernde Blicke in den Gumpen

  • Weitere
    schließen
+
Rudolf Roßmann zeigte den Teilnehmern der Gewässerführung am Sonntagnachmittag unter anderem den Waldstetter Bach.

Rudolf Roßmann führt zu den Relikten der früheren Mühlbäche und zeigt den Teilnehmern eine atemberaubende Naturschönheit.

Schwäbisch Gmünd

Acht Mühlen gab es in früheren Jahrhunderten allein in der Innenstadt, die von einem Netz heute nicht mehr vorhandener Mühlbäche durchzogen war. Sie versorgten nicht nur die Mühlen, sondern auch Mensch und Vieh mit Wasser und entsorgten Abwässer und Fäkalien. Denkt der heutige Mensch vor allem ans Mahlen von Getreide, so waren Getreidemühlen früher nur eine Mühle neben anderen, wenn auch die vorherrschenden. Bei seiner ersten Gewässerführung am Bettringer und Waldstetter Bach listete Rudolf Roßmann die vielen verschiedenen Arten auf, die es auch in Gmünd gab: Schleif-, Hammer-, Säge-, Öl- und Walkmühlen.

Weit mehr als 20 Teilnehmer hatten sich am Sonntagnachmittag am Parkplatz des Dreifaltigkeitsfriedhofs eingefunden. Wegen der großen Nachfrage musste Roßmann einige Interessierte auf die zweite Führung im Anschluss vertrösten, die er spontan anbot. Für den Gewässerführer sind die Mühlen ein spannendes Kapitel der Gmünder Wirtschaftsgeschichte. Wie überaus wichtig sie waren, lasse sich daran erkennen, dass bis zur Erfindung der Dampfmaschine Maschinen nur mit Wasser- und Windkraft betrieben werden konnten – oder mit Muskelkraft. Um die Kraft des Wassers zu nutzen, scheuten die Menschen in früheren Zeiten keine Mühen und legten Wehre und Kanäle an. Viele Relikte können noch heute entlang der Gewässer entdeckt werden.

Roßmann führte zunächst an das in Teilen erhaltene Wehr an der Pfeilhalde. Wie auch am Bettringer Bach wurde hier ein natürlicher Wasserfall genutzt, vor dem das Wasser aufgestaut und in einen Kanal abgeleitet wurde. Das Wasser musste nun Richtung Bettringer Bach geführt werden, sogar noch etwas weiter nördlich, weil auf Höhe des Dreifaltigkeitsfriedhofs bereits die Tierach aus dem Naturgewässer abgeleitet war. Überreste eines Dükers, eine Druckleitung zur Unterquerung des Bachbettes, können versteckt im Gebüsch noch bestaunt werden.

An der Tierach wurden mehrere Mühlen betrieben: eine Schleifmühle am Klarenberg, etwa an der Stelle, an der sich heute die Firma Umicore befindet, des Weiteren die Zeiselmühle und die Judenmühle, die beide bereits im 14. Jahrhundert erwähnt wurden. Karlheinz Hegele, der Vorsitzende des Gmünder Geschichtsvereins, ist in seinem Buch "Die Mühlen und Mühlbäche der Stadt Schwäbisch Gmünd" tief in deren Geschichte eingetaucht.

Wildromantisch, nur etwas von den vielen Grünabfällen am Hang getrübt, war der weitere Teil der Führung bei der Kleingartenanlage Schapplachhalde. Bei dem ein oder anderen Teilnehmer kamen entlang des Bettringer Baches Kindheitserinnerungen auf, denn manch Südstädter hat beim Bettringer Wehr schwimmen gelernt. Noch heute staut sich das Wasser auf rund 20 Metern und bildet ein ruhiges Becken. Dass der Wasserlauf auch für seltene Wasservögel ein Refugium ist, bewies ein Eisvogel, der seine Runden über dem Wasser drehte – nicht nur geschichtlich und geologisch ist der Bach interessant. Ein Höhepunkt war der Blick auf den Gumpen, der sich unter dem Wasserfall gebildet hat – ein mehrere Meter breites und tiefes Bassin im Stubensandstein von beindruckender Schönheit.

Gewässerführer Rudolf Roßmann bietet auch Gruppenführungen am Waldstetter und Bettringer Bach an. Nähere Informationen gibt es beim i-Punkt, Telefon 07171/603-4250.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL