Blaue Spende fürs Museum

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Museumsleiter Dr. Max Tillmann mit den Boards von Rem Denizen. Sie sollen künftig Teil der Sammlung sein.

Kunstwerk aus der Ausstellung "The Last Unicorn" kann für immer in Gmünd bleiben – wenn das Fundraising-Projekt zum Erfolg wird. Im Gespräch mit Museumsdirektor Dr. Max Tillmann.

Schwäbisch Gmünd

Die Einhorn-Ausstellung im Museum ist zu Ende. Sie hat auch ohne dauerhafte Öffnung Schlagzeilen produziert. Nie zuvor erlebten (auch virtuelle) Besucher das Einhorn so eingebettet in eine Kunstszene, nie zuvor konnten sich Gmünder inhaltlich so mit ihrem Wappentier beschäftigen. Jetzt möchte Museumsleiter eine Leihgabe der Ausstellung in die Sammlung im Prediger einverleiben, eine vierteilige Installation von Rem Denizen. Dabei geht er neue Wege, die Finanzierung ist spendenbasiert. Wie das gehen soll, sagt Dr. Max Tillmann im Gespräch mit Kuno Staudenmaier.

Die Ausstellung "The last Unicorn" im Museum Schwäbisch Gmünd ist zu Ende. Die Pandemie erlaubte nur wenige Zeitfenster für einen wirklichen Besuch. Sind Sie dennoch mit dem Echo zufrieden?

Max Tillmann: In der Tat, die Unicorn-Ausstellung hat unserem Publikum eine Idee vermittelt, wo sich das Wunderbare in unserer gefährdeten Welt versteckt, und zählte damit zu den positiven Perspektiven 2020. Gerade vor dem Hintergrund von Corona "hat The Last Unicorn in Schwäbisch Gmünd die Seele der Menschen berührt", stellte die "Bunte" fest. Diese junge, gesellschaftlich anschlussfähige Ausstellung fand beim Publikum und den Medien gleichermaßen Anklang.

Wie erreicht man Kunstfreunde in Corona-Zeiten?

Die Ausstellung fungierte als Vehikel für gleich mehrere museale Pilotprojekte: Neben der intensiven, digitalen Verbreitung erschien ein wunderschöner, begleitender Katalog, der die Ausstellung in Installationsansichten für alle, die sie nicht sehen konnten, festhält. Wir haben die Kunstvermittlung professionalisiert und erweitert und in der kurzen Zeit der Öffnung intensiv betrieben. Ein neu konzeptionierter Museumsshop dient nun als Visitenkarte des Hauses.

Sie möchten die Ausstellung nicht einfach abhaken, sondern einen kleinen Teil der Sammlung des Museums einverleiben und haben sich für das Werk des Künstlers Rem Denizen entschieden. Welche Rolle spielte es in der Präsentation, weshalb ist es fürs Museum so wichtig?

Bei dem Kunstobjekt handelt es sich um die "Floating Spiral Stair Case Steps to an Ecology of Mind", ein in Entwurf und Verarbeitung außergewöhnliches Sammlungsmöbel, das der Präsentation von Kostbarkeiten dient. Geschaffen wurde die "Stair Case" 2014 von dem amerikanischen und konzeptionell arbeitenden Künstler Rem Denizen (*1980). Die Installation besteht aus vier in knorrigem Walnussholz geschnitzten Regalen, die vom Künstler mit einer blauvioletten Kugelschreibertinte lasiert wurden. Diese blauen Boards repräsentieren zeitgenössisches Kunsthandwerk mit einem echten Wow-Effekt.

Wie passt das zur Sammlung im Gmünder Museum?

So etwas für unser Museum zu sichern, entspricht der kunstgewerblichen Identität und Geschichte unseres Museums, das bekanntlich 1876 von Gmünder Silberfabrikanten nach dem Vorbild des heutigen Victoria & Albert Museums in London gegründet wurde. Die Tradition des Kunstgewerbemuseums weiterzuführen und im Zeitgenössischen weiterzuentwickeln, ist für uns geradezu eine Verpflichtung.

Wir haben die Kunstvermittlung professionalisiert und erweitert.

Max Tilmman, Museumsleiter

Sie möchten für die Finanzierung die Bürger mit ins Boot holen und haben zum ersten Mal ein Fundraising-Projekt gestartet. Was kostet das Kunstwerk und wie gehen Sie auf mögliche Sponsoren zu?

Mit einem Fundraising-Projekt stellt sich eine Win-Win-Situation ein: Zum einen wollen wir uns finanziellen Spielraum verschaffen, um substanzielle Erwerbungen auf dem Kunstmarkt zu tätigen. In diesem Fall die spektakulären Regalboards, die wir für 30 000 Euro erwerben könnten. Es geht auch um Öffentlichkeitsarbeit und Partizipation der Menschen. Schließlich übernimmt der Gmünder Museumsverein seiner Funktion entsprechend die Aufgabe der Spendenannahme.

Konnten Sie schon erste Spenden verbuchen?

Ja, eine sehr erfreuliche Resonanz, inklusive vieler Kleinspenden, von engagierten Persönlichkeiten, die gar nicht vermögend sind, was mich besonders berührt.

Die Ausstellung "The Last Unicorn" wird abgebaut. Können mögliche Spender dennoch einen Blick auf das Werk Rem Denizens werfen?

Zur Zeit können Interessierte die Installation bei Voranmeldung gerne besichtigen. Nach der Museumsöffnung und dann bis zum Ende des Fundraisings am 30. September 2021 werden die Boards in den Ausstellungsräumen öffentlich zugänglich sein. Als Funktionsmöbel werden sie nämlich auch der Teil der Sommerausstellung des Museums mit Werken der Herzogin Diane von Württemberg sein, "DxDiane zu Gast in Gmünd", die ab dem 23. Mai und bis 3. Oktober 2021 im Museum in Schwäbisch Gmünd zu sehen sein wird.

Spendenkonto: Gmünder Museumsverein IBAN: DE45 6145 0050 0805 0102 26 Kreissparkasse Ostalb Stichwort: Blaue Boards

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