Breitbandausbau: Viele Gmünder Ortsteile sind weiße Flecken

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Im Gmünder Stadtgebiet gibt es viele Gegenden, die als weiße Flecken (hier grün markiert) gelten. Besonders betroffen sind Teilorte.
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Lindach, Bargau, Herlikofen und Großdeinbach sind nahezu gänzlich unterversorgt, wenn es um Breitband geht. Warum die Räder der Besserung ins Rollen kommen.

Schwäbisch Gmünd

Deutschland ist übersäht mit weißen Flecken. Dabei geht es aber nicht um unerkundete Gebiete auf der Landkarte, sondern um Internet. Genauer gesagt: um den Breitbandausbau.Aber was genau sind diese weißen Flecken? Wo gibt es sie im Gmünder Stadtgebiet? Warum? Aber vor allem: Was wird dagegen gemacht? Alexander Groll und Laura Ehinger von der Gmünder Wirtschaftsförderung sind Experten in Sachen Breitbandausbau. Und klären auf.

"Weiße Flecken sind quasi alles, was unter 30 Mbit pro Sekunde ist", erklärt Laura Ehinger, "das gilt als unterversorgt". Gerade während der Pandemie, in der Homeoffice und Homeschooling zur Normalität wurden, erhielt sie viele Anfragen wegen mangelnder Internetversorgung. Doch das ist kein Problem, das es nur in Schwäbisch Gmünd gibt. In Sachen Breitbandausbau hinkt Deutschland auch international hinterher. "Das kommt daher, dass das Ganze bei uns privatisiert ist", sagt die Expertin.

Anbieter wie Vodafone, Telekom & Co. wirtschaften natürlich gewinnorientiert, wenn es um Investitionen geht. "Das hat einfach zu einer Fehlentwicklung geführt", führt Wirtschaftsförderer Alexander Groll aus. Für diese Unternehmen seien gerade Ballungszentren interessant, in denen sich mit einer Investition viele Haushalte und damit Kunden erschließen lassen. Zwar gelte ein gewisser Standard bei der Internetverbindung, eine Pflicht, Glasfaserleitungen zu verlegen, bestehe aber nicht, erklärt Ehinger. "Dadurch entstehen diese weißen Flecken."

Im Gmünder Stadtgebiet zeichnen sich vor allem die Ortsteile Lindach, Herlikofen, Bargau und Großdeinbach durch eine Unterversorgung aus. Doch der Stadt waren lange die Hände gebunden. Denn solange ein Privatanbieter Interesse bekundet, darf die Kommune nicht eingreifen, beziehungsweise Förderungen für den Ausbau beziehen. "Da müssen wir für das Gebiet ein Markterkundungsverfahren machen", sagt Ehinger. Unternehmen müssen eine verbindliche Angabe machen, ob sie in den nächsten drei Jahren einen Ausbau planen. Ist dem nicht so, darf die Kommune handeln - und dafür gefördert werden.

Degenfeld und Rechberg haben die Nase vorne

Eine solche Markterkundung machte die Stadtverwaltung bereits im Jahr 2014 für die Teilorte Bargau, Degenfeld, Großdeinbach, Herlikofen, Lindach und Rechberg. Das Ergebnis: Die Aalener sdt.net AG meldete ein Ausbauvorhaben für alle genannten Ortschaften, außer Degenfeld und Rechberg an. Einer der Gründe, warum die beiden Ortschaften heute im Vergleich besser aufgestellt sind, wenn es um Breitband geht.

Absolut entscheidend beim Hauskauf

Doch dabei ist die Internetverbindung längst keine Lappalie mehr, wenn es um die Wahl des Wohnsitzes geht. Früher sei es eher ein weicher Standortfaktor gewesen, erklärt Groll. Heute sei es ein "knallharter". Es gebe viele Branchen, in denen man heutzutage von zu Hause arbeiten könne. Passt die Breitbandverbindung bei der Hausbesichtigung nicht, "dann kommt das Haus für mich nicht mehr in Frage. Egal zu welchem Preis", schildert er die Situation. Dies betreffe nicht nur Privatleute, sondern sei auch für Unternehmen absolut entscheidend.

Besserung in Sicht

Doch Bürgerinnen und Bürger in den unterversorgten Gegenden des Stadtgebiets sollen nicht auf ewig zu langsamem Internet verdammt sein. Das jüngste Markterkundungsverfahren habe ergeben: kein Anbieter bekundete Interesse. Damit können Förderungen auch nach Gmünd fließen. Die Hälfte der Kosten für den Aufbau übernehme der Bund, weiter 40 Prozent das Land Baden-Württemberg. Die übrigen Kosten liegen bei 2,4 Millionen Euro und müssen aus der Stadtkasse bezahlt werden, erklärt Ehinger.

Aktuell werden bereits Planungen ausgeschrieben. Dennoch sei nicht vor dem kommenden Sommer mit dem Ausbau zu rechnen. "Priorität haben auf jeden Fall die Schulen", sagt Ehinger. Danach gehe es an die Ortsteile. "Da steht die Reihenfolge noch nicht fest." Gibt es kurzfristige Zwischenlösungen für Betroffene? "Das ist natürlich eine schwierige Situation", sagt sie. Ob sich etwas machen lässt, komme auf den Einzelfall an. Generell sei es aber nicht ausgeschlossen, dass die GmündCom, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke, für Abhilfe schaffen kann.

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