Brennholz: hohe Nachfrage, aber keine Panik

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Marc und Nick Abele aus Straßdorf beigen Holz, das sie in den kalten Wintermonaten verheizen wollen. Foto: Tom
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Unsicherheiten wirken sich auf den Markt aus. Bei manchen Lieferanten ist der Vorrat wie weggefegt. Nachschub oft erst wieder im Winter.

Schwäbisch Gmünd

Bei vielen Brennholzlieferanten steht das Telefon nicht mehr still. Und eine rasche Lieferung ist nicht mehr selbstverständlich.  Im Gegenteil. „Ich bin ausverkauft“, sagt ein Verkäufer in Ruppertshofen, der namentlich nicht genannt werden will. Er fürchtet sonst noch mehr Anrufe. Die Preise hätten in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt, von 100 auf rund 140 Euro für einen Schütt-Raummeter.

Ein Trend, den man auch bei der Forstverwaltung spürt. Michael Rein, stellvertretender Außenstellenleiter in Schwäbisch Gmünd, spricht von einer deutlichen Preissteigerung. Gewöhnlich kaufen Holzhändler bei der Forstverwaltung ein, die den Baum nach der Fällung komplett übernehmen. Statt bisher 65 Euro zahlen sie nun mindestens 81 Euro je Festmeter.

Zunehmend registriert Michael Rein auch das Interesse der Kleinabnehmer. Privatleute, die vielleicht nur drei Festmeter kaufen. Sie müssen das Holz dann selbst abtransportieren, sägen und spalten. Gefragt sei da besonders Buche und Eiche. Fürs Brennholz verwendet man gewöhnlich die dünneren Bäume, die entfernt werden müssen, bis zu 25 Zentimeter Stammdurchmesser.

 „Aber es ist nicht so, dass alles, was aus dem Wald kommt, verheizt wird.“ Viel größer sei der Anteil von Wertholz. Von den rund 10 000 Festmetern, die im Stadtwald und im Wald der Hospitalstiftung in Schwäbisch Gmünd jährlich entnommen werden, stehen gerade einmal 1000 bis 1500 Festmeter für Brennholz zur Verfügung. Mehr als 85 Prozent sind Hölzer für den Haus- und Möbelbau.

Eine Erfahrung, die Bernd Funk vom Birkhof in Schwäbisch Gmünd teilt. Aus eigenen Wäldern entnimmt er vor allem sogenanntes Nutzholz, das als Stammholz an Sägewerke geliefert wird. Den Brennholzverkauf hat er kaum im Visier. Vor Jahren, als er viel Schadholz durch Sturm und Borkenkäfer zur Verfügung hatte, sei er das Holz nicht losgeworden. „Ich wurde sogar ausgelacht, wenn ich es angeboten habe. Die gleichen Leute springen mir heute das Haus weg, wollen unbedingt Brennholz haben.“ Das ärgere ihn natürlich, wie auch die Wertschätzung fürs Holz insgesamt. Holz sei immer zu billig verkauft worden. Auch wenn heute für den Festmeter Fichte 100 Euro bezahlt würden, sei das noch zu wenig. Auskömmlich seien vielleicht 150 bis 200 Euro. „Die vergangenen 20 Jahre waren für Waldbesitzer ein Draufleg-Geschäft“.

Und ein Geschäft, das nicht unbegrenzt weitergehen kann, wie der Holzlieferant in Ruppertshofen weiß. Vielleicht habe er eine Chance, im November oder Dezember wieder Stammholz von der Forstbehörde zu bekommen. Dann aber müsse es noch bearbeitet werden. Und statt ein oder zwei Jahre auf die natürliche Trocknung zu warten, müsse man dann eine Trocknungsanlage nutzen, so sei die geringe Restfeuchte in drei bis vier Wochen zu erreichen.

Waldbesitzer spürten die aktuelle Entwicklung, sagt der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Hornberg, Bernhard Feifel. Er sieht auf Seiten der Verbraucher viele Unsicherheiten, vor allem beim Preisvergleich, weil viele mit Begriffen wie Raummeter oder Schüttraummeter überfordert seien. Die Nachfrage sei wohl auch gestiegen, weil Kunden oft größere Mengen als im Vorjahr orderten.

In jedem Fall achtet die Forstbehörde beim Holzeinschlag darauf, dass nur so viel entnommen wird, wie in einem Jahr nachwachsen kann. Und wenn schon in den Sommermonaten Bäume gefällt werden, hat das nichts mit höherer Nachfrage zu tun. „Schadholz dürfen wir das ganze Jahr fällen“, sagt Michael Rein. Also zum Beispiel Eschen, deren Standfestigkeit nicht mehr ganz sicher ist. „Mit dem regulären Baumfällen beginnen wir, so bald die Bäume das Laub abwerfen.“

Diebstahl hält sich in Grenzen

Das Thema Holzdiebstahl beschäftigt unterdessen Waldbesitzer und Polizei weniger als vermutet. Den Holzdiebstahl habe es schon immer gegeben, sagt Michael Rein. Eine Zunahme sei in Zeiten knapper werdender Energieträger noch nicht spürbar. Nicht selten komme es aber vor, dass Kunden den falschen Holzstapel aufladen, weil sie den richtigen Lagerort nicht entdeckt haben. Irrtümer, die in der Regel auch aufgeklärt werden könnten. Dann werde der eigentliche Holzeigentümer eben an anderer Stelle bedient. Erfahrungen, die auch die Polizei kennt. „Keine besonderen Auffälligkeiten“, sagt Rudolf Biehlmaier von der Pressestelle. Holz sei schon immer mal gestohlen worden, von Kleinmengen bis zu Lkw-Ladungen. „Noch spüren wir da keine Veränderung.“

So wird das Holz gemessen

Festmeter wird als Maß vor allem im Forst verwendet. Es entspricht einem Kubikmeter Stammholz und wird  aus Stammdurchmesser und Länge berechnet. 

Der Raummeter ist ein Maß für Scheitholz, das geschichtet ist und deshalb Zwischenräume hat.

Der Schüttraummeter   entspricht  einem Kubikmeter von lose geschüttetem Holz. Dort ist deutlich mehr Luft dazwischen.

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