Bringt's das Lastenrad?

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Mehr Lästenräder in Gmünd: Das erhoffen sich (v.l.) Anja Tamm, Franka Zanek, Julius Mihm von der Stadtverwaltung und Thomas Kaiser (Arbeitskreis Mobilität).
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Passend für die neue Stadtlandschaft: Die Cargobike Roadshow bringt Lastenfahrräder zum Anschauen und Testen auf den Johannisplatz.

Schwäbisch Gmünd Probefahren ist tatsächlich etwas schwierig“, sagt Anja Tamm. Als sie sich ein Lastenrad kaufen wollte, musste die Gmünder Mobilitätsmanagerin erst mal suchen. Die Lösung fürs Welches-Rad-passt-zu-mir-Problem gab's am Montag auf dem Johannisplatz: Bei der Cargobike Roadshow konnten Gmünder einen Nachmittag lang mehr als zehn verschiedene Modelle testen.

Wie viele Lastenräder in Gmünd gefahren werden, das weiß auch die Mobilitätsmanagerin nicht. „Man sieht immer mal wieder welche, aber es gibt keinerlei Zahlen“, sagt sie. Die Zielsetzung ist klar: Es sollten mehr werden, findet Julius Mihm. Der Bürgermeister schwenkt seinen Blick demonstrativ über den Johannisplatz, die Fußgänger, Radfahrer, Straßencafés. „In so eine Stadtlandschaft gehört das Lastenrad rein“, sagt Mihm. Wie genau Lastenräder in Gmünd gefördert werden sollen, „das überlegen wir gerade“, sagt Franka Zanek, die Leiterin des im August gestarteten Amts für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz. Auch direkte finanzielle Förderung, wie es sie schon von Land und Bund gibt (siehe Info), ist denkbar. „Das ist nicht ausgeschlossen“, so Zanek. Zwölf Städte in Baden-Württemberg haben ein eigenes finanzielles Förderprogramm, darunter Stuttgart, Tübingen und Winnenden. Geld ist natürlich ein Thema: 3500 Euro oder mehr muss man für ein Lastenrad mit elektrischer Unterstützung ausgeben. Räder ohne E-Antrieb gibt es auch zu kaufen, aber das ist höchstens in ganz flachem Terrain praktibel.

Für Anja Tamm, die in Großdeinbach wohnt, wäre es nichts gewesen. Sie wollte auch mal in die Stadt und wieder nach Hause fahren. Ihre Erfahrung: „Es ist beschwerlicher als mit einem normalen E-Bike, aber man kommt den Berg schon hoch.“ Am häufigsten ist sie im Ort mit den Kindern unterwegs, „eines oder zwei – es passen aber auch vier rein“, erzählt Anja Tamm. Den Kindern mache es Spaß, ein Verdeck kann vor Sonne und Regen schützen – und kommunikativer als im Auto ist es auch - „dadurch, dass die Kinder vor einem und nicht hinten sitzen“.

Und wie kommt man an eine gute Auswahl zum Probefahren? Wer den Vorführnachmittag in Gmünd verpasst hat, kann der Roadshow auch hinterher reisen: An diesem Dienstag ist die Lastenrad-Flotte samt Fachpersonal in Göppingen zu Gast. Auch in Gmünd ist das Thema Probefahren im Blick: „Wir denken an einen mehrtägigen Praxistest“, sagt Thomas Kaiser vom Arbeitskreis Mobilität und Verkehr.

Testen ist wichtig, weil viele verschiedene Bauarten existieren: „Es gibt eine große Bandbreite“, sagt Karen Greiderer, die Projektleiterin der Roadshow. „Jedes Rad hat einen anderen Nutzungsaspekt. “ Es gibt Modelle, die besonders gut für die Kinderbeförderung oder das Einkaufen geeignet sind; andere Räder haben einen bequem aussehenden Sitzplatz samt Fußrasten für Sozius oder Sozia. Und wenn man solche Rädern fördert, ist das nur für eine junge, ohnehin gut situierte urbane Elite? Greiderer widerspricht dem, was sie für ein Vorurteil hält. „Es gibt Untersuchungen, dass es weniger mit dem Einkommen, eher mit der Einstellung zusammenhängt.“

Zumal ein Lastenrad zumindest im Vergleich zu einem Auto konkurrenzlos günstig ist: „Man zahlt keine Steuer, keine Versicherung, und die Reparaturkosten sind vielleicht ein Zehntel vom Auto“, sagt Anja Tamm. Bürgermeister Mihm ist sich sicher: „Es ist ein Angebot für eine sich verändernde Mobilitätslandschaft – auch Gmünd wird sich verändern. Und da wird das Lastenrad eine größere Rolle spielen.“

Das Lastenrad wird eine größere Rolle spielen."

Julius Mihm , , Bürgermeister
  • Wie man an Förderung fürs neue Rad kommt
  • Gebündelte Informationen zu Kaufprämien von Bund und Ländern, die besonders für Gewerbetreibende interessant sind, gibt es auf www.cargobike.jetzt
  • Die „Cargobike Roadshow“ ist derzeit in Süddeutschland unterwegs. Mehr auf www.cargobikeroadshow.org

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