Brückenbauer zwischen Leben und Tod

+
Elvira Patschella, Toni Lang und Manuela Stadelmann (v.l.) erzählen von ihrer Arbeit im Klosterhospiz. Durch diese haben sie einen anderen, einen angstfreieren Blick auf den Tod bekommen. Den Tod als Teil des Lebens. Foto: Tom
  • schließen

Drei Mitarbeiterinnen im Gmünder Klosterhospiz erzählen aus ihrem Alltag. Die Arbeit beschreiben die Frauen als bereichernd.

Schwäbisch Gmünd

Das Ja kommt schnell. Und klar. Ja, die Arbeit im Klosterhospiz, sagen Elvira Patschella, Toni Lang und Manuela Stadelmann, ist bereichernd. Die drei Frauen sind hauptamtlich und ehrenamtlich im Hospiz in der Bergstraße tätig.

Elvira Patschella ist von Anfang an dabei. Hauptamtlich seit September 2021. Vorher war sie auf der Palliativstation in der Stauferklinik. Dort hatte sie Kontakt mit einem Schmerzmediziner. „Er war für mich ein Vorbild“, sagt Patschella. Und erläutert: „Empathisch“ sei er mit den Menschen umgegangen, habe sich zu ihnen gesetzt, ihnen zugehört, mit den Angehörigen gesprochen und ihnen erklärt, was jetzt wichtig ist. Diese Erfahrung hat Patschella dazu bewogen, eine Weiterbildung von der Krankenschwester zur Palliativcare-Fachkraft zu machen.

Ganz anders Toni Lang. Sie hilft ehrenamtlich im Hospiz. Dass sie dies tut, hat mit dem Tod ihres Mannes zu tun. Er ist auf der Palliativstation gestorben. Er sei dort gut aufgehoben gewesen, sagt Lang. Die Erfahrung aber habe sie nie mehr losgelassen. Und weil sie das Kloster schon immer als „Kraftort“ gesehen hat, hat sie sich mit dem Beginn ihrer Rente auf eine Anzeige hin beworben, eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin gemacht.

Mit zwei Hospizgästen, Menschen also, die wissen, dass sie bald sterben werden, hätten sie im September 2021 angefangen, erinnern sich Lang und Patschella. Nach und nach seien mehr Gäste gekommen. „Wir spickeln morgens in ihre Zimmer, schauen, ob sie schon wach sind, und fragen dann: zuerst waschen oder zuerst frühstücken?“, erzählt Patschella vom Alltag im Hospiz. Dabei bestimmen die Gäste den Rhythmus. Feste Regeln gibt es nicht. Die Mitarbeiter betreuen sie, kümmern sich um sie. „Man sieht hier den einzelnen“, sagt dazu Manuela Stadelmann. Sie arbeitet seit Februar 2022 hauptamtlich halbtags im Hospiz. Zuvor war sie in einer Arztpraxis. Sie wollte „noch etwas anderes machen“. Und nachdem ihr Vater und ihre Schwiegereltern gestorben waren, war ihr das Thema Tod nahe. Was ihr am Hospiz gefällt: dass die Zahl der Gäste, es sind höchstens acht, überschaubar ist. Denn dies macht es möglich, „auf die Wünsche der Gäste einzugehen“.

Während die Hauptamtlichen die Gäste auch medizinisch betreuen, sind es die Ehrenamtlichen, die die Welt von draußen ins Hospiz bringen. Sie reden mit den Gästen, aber auch mit deren Angehörigen, über ganz normale Dinge wie Arbeit, Alltag, Urlaub. Gleichzeitig tragen die Ehrenamtlichen das Hospiz aber auch hinaus in die Gesellschaft. In ihre Familien. In ihren Freundeskreis. Ist der Tod Thema im Hospiz? Das ist sehr unterschiedlich, sagen die drei Frauen. „Manche Gäste wollen nicht über den Tod reden“, sagt Patschella. Andere hätten vor dem Tod keine Angst, aber vor dem Sterben. Alle wüssten, dass sie sterben werden. Nicht alle wiederum hätten dies akzeptiert. „Manche Gäste sind erleichtert, wenn sie ins Hospiz kommen“, erzählt Stadelmann. Für sie wiegt schwer, dass ihre Angehörigen entlastet sind. „Es gibt auch Gäste, die in einem Zustand sind, in dem sie nicht mehr reden können“, sagt Lang. Dann sind es Berührungen, das Halten der Hand, die helfen können. Was macht die Arbeit mit den Hospizmitarbeiterinnen? Belastet sie? Im Hospiz belaste sie der Tod weniger als auf der Intensivstation, sagt Elvira Patschella, wenn sie ihre frühere Arbeit mit der heutigen vergleicht. Und sie ergänzt: „Mich beruhigt, dass der Tod auch ruhig kommen kann.“

„Ich kann die Arbeit hier machen, weil hier klar ist, wohin der Weg führt“, sagt Toni Lang. Denn Hoffnung, ergänzt sie, kann einem den Atem rauben. Sie meint damit, auch nach der Erfahrung des Todes ihres Mannes, den Wechsel von Hoffnung, Verdrängung, Hoffnung.

Für Manuela Stadelmann ist es eine gute Erfahrung, wenn im Moment des Sterbens der Sterbende und die Angehörigen loslassen könnten. Dass es dabei viele Spielarten gibt, ergänzt Patschella. Der eine Gast warte mit dem Sterben, bis alle Angehörigen nochmal da waren. Der andere warte, bis die Angehörigen weg sind. Sie macht deutlich, dass sie neben der Hospizarbeit auch noch ihren Alltag hat. Das Hospiz also nicht immerwährend präsent ist. „Wenn mich jemand anspricht, sich wundert, dass ich diese Arbeit machen kann, dann rede ich darüber.“ Ansonsten eher nicht. „Man lernt viel übers Sterben, aber auch fürs Leben“, sagt Lang, weshalb die Hospizarbeit bereichernd ist. Und Stadelmann ergänzt: „Der Tod wird hier nicht ausgeklammert, er ist Teil des Lebens.“

Die GT-Serie begleitet die Ausstellung „Dialog mit dem Ende“ im Kloster der Franziskanerinnen, Am Kloster 1. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet und sonntags von 10 bis 13 Uhr.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Kommentare