Christian Baron im Interview: Sorge um sozialen Frieden in der Stadt

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Christian Baron startet mit "Freude und Respekt" in sein Amt als Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd. Im Interview erzählt er, wo er die größten Herausforderungen sieht.

Schwäbisch Gmünd

Genau zwei Monate nach seiner Wahl wird Christian Baron an diesem Montag in sein Amt als Erster Bürgermeister eingesetzt. Der 40-jährige Jurist aus Straßdorf wird für Recht und Ordnung in Schwäbisch Gmünd zuständig sein, für Sport, Bildung, Soziales und die Finanzen. Mit diesen wird er sich als erstes beschäftigen müssen. Das und mehr erzählt er im Interview.

Wie war Ihre Zeit seit der Wahl?

Christian Baron: Ich war und bin dankbar für das Vertrauen, das der Gemeinderat mir ausgesprochen hat und auch erleichtert nach den spannenden Wochen davor. Die Zeit war anstrengend, da ich meine Aufgaben als Gesundheits- und Ordnungsdezernent in Esslingen in der zweiten Corona-Welle noch zu erledigen hatte – und das auch machen wollte – und gleichzeitig ja schon Termine im Vorfeld des neuen Amtes wahrgenommen habe. Und die Zeit weckte die Vorfreude auf den Dienstantritt. Ich freue mich richtig drauf, endlich anfangen zu können.

Was wird die erste Aufgabe sein, die Sie im neuen Amt anpacken?

Die erste konkrete Aufgabe ist die Aufstellung des Haushalts 2021. Das wird knifflig. Durch die Corona-Krise haben wir erhebliche finanzielle Ausfälle und gleichzeitig wichtige Notwendigkeiten zu stemmen. Und daneben gilt es, viele Antrittsbesuche zu machen und Partner in meiner neuen Funktion kennenzulernen. Bei derzeitigen Beschränkungen ist das leider auch nicht so entspannt möglich.

Frage an Sie als Finanzbürgermeister: Wo kann die Stadt sparen?

Sie kann vor allem nicht ohne Schmerzen sparen. Wir haben ja in den vergangenen Jahren immer vernünftige Haushalte aufgestellt. Das kommt uns jetzt zugute, bringt aber auch mit sich, dass es keine einfachen Einsparpositionen gibt. Es wird ein Kraftakt, einige sinnvolle, aber vielleicht nicht dringende Projekte und Investitionen noch mal zu prüfen oder zu verschieben.

Wo sehen Sie im Bereich Soziales die größten Herausforderungen?

Im Zusammenhalt und dabei, die Verlierer der letzten Monate nicht alleinzulassen. Ich beobachte mit Sorge, wie die Spannungen und der Stress der Corona-Krise die Gesellschaft ein Stück weit spaltet und verhärtet. Und gleichzeitig gibt es Familien mit Kindern in der Schule, Leute, die um ihre Jobs bangen, und Unternehmer, die sich nach der Decke strecken, die alle besonders unter der Krise leiden. Das ist für den sozialen Frieden unserer Stadt riskant. Das besorgt mich.

Werden Sie auch der Corona-Manager der Stadt?

Na ja, das weiß ich nicht. Und ich glaube auch nicht, dass es das in diesem Sinne braucht. Die letzten Monate haben doch eines klar gezeigt: Nicht eine bestimmte Maßnahme oder ein konkreter Verantwortlicher holen uns aus der Krise raus. Aber wir waren und sind immer erfolgreich, wenn möglichst viele mitmachen und wenn wir viele Schritte parallel gehen. Das heißt, wenn sich alle an die Regeln halten und wenn sich dann möglichst viele auch impfen lassen. Und um es gleich zu sagen: Ich lasse mich auf jeden Fall impfen. Die verheerenden Risiken einer Corona-Infektion habe ich bei meinen bisherigen Aufgaben gesehen. Nein danke!

Inwiefern?

Wir im Gesundheitsamt mussten anfangs Patienten bis nach Kassel ausfliegen lassen, weil hier keine Intensivbetten frei waren. Da lagen Patienten mit sehr schweren Verläufen auf der Intensivstation und mussten beatmet werden – zum Teil schon im jungen Alter. Corona ist eben nicht nur eine Grippe, sondern eine sehr ernst zu nehmende Virusinfektion.

Wovor haben Sie am meisten Respekt in Ihrem neuen Amt?

Natürlich ein Stück weit vor der vielfältigen Verantwortung, die zu übernehmen ich mir zutraue, aber mich dabei auch bewähren muss. Ich habe hohen Respekt vor den großartigen Leistungen meines Vorgängers Joachim Bläse, die mich anspornen. Aber noch mehr freue ich mich auf die neuen Aufgaben. Freude und Respekt sind, denke ich, eine sehr gute Mischung für einen Beginn.

Amtseinsetzung an diesem Montag

Christian Baron, der in Tübingen Jura studiert hat und unter anderem im Innenministerium Baden-Württemberg tätig war, arbeitete bis vergangene Woche als Dezernent für Gesundheit, Ordnung und Verkehr im Landkreis Esslingen. Als CDU-Stadtrat und Straßdorfer Ortschaftsrat ist er bereits verabschiedet worden. Seinen ersten Arbeitstag als Gmünder Bürgermeister hat er am 1. Dezember. Die Amtseinsetzung mit Vereidigung ist an diesem Montag um 17 Uhr im Congress-Centrum Stadtgarten bei einem kleinen Festakt mit geladenen Gästen.

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