Christian Lange: „So lange Volksvertreter sein zu dürfen, war eine große Ehre“

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Vielleicht sehen die Gmünder ihn hier künftig öfter: Der SPD-Abgeordnete und Justizstaatssekretär Christian Lange hielt im Münstercafé seine letzte Pressekonferenz als Abgeordneter.
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Schwäbisch Gmünd

Sein Pressegespräch in Gmünd lief parallel zum Sondierungsgespräch für eine Ampel in Berlin: Der Staatssekretär im Justizministerium und SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Lange hatte am Donnerstag ein letztes Mal zur Bilanzpressekonferenz geladen. Klar, dass dabei nicht nur das vergangene Parlamentsjahr Thema war. Sondern seine 24 Jahre als Abgeordneter. Seine acht Jahre als Staatssekretär. Und die Wahl am 26. September. Für die SPD sei dies ein „historisches Wahlergebnis“ gewesen, sagt Lange. Und begründet: Zum vierten Mal stellen die Sozialdemokraten die stärkste Fraktion im Bundestag. Klar, die anderen, namentlich CDU und Grüne, hätten Fehler gemacht. Doch am Ende verdanke die SPD den Erfolg Olaf Scholz. Denn Wahlen seien „personale Vertrauensentscheidungen“. Dies zeige auch die steigende Zustimmung nach der Wahl. Außerdem sei die SPD geschlossen gewesen, anders als die CDU, und die SPD habe eigene Themen gesetzt. Dazu zählt Lange vor allem das Thema Respekt. Unter diesen Begriff fällt für ihn der Mindestlohn von 12 Euro, der die Arbeitsleistung der Menschen würdige. Gleichzeitig, sagt Lange, sei Respekt mehr als Mindestlohn. Es gehe Olaf Scholz auch darum, der zunehmenden Verrohung in der Gesellschaft etwas entgegen zu setzen. Für diese sieht Lange mehrere Ursachen: die Präsenz der AfD im Bundestag, die sozialen Medien, wo auf Worte Taten folgen, und die Veränderung in der Medienlandschaft. Da kehrt Lange gedanklich nach Bonn als Regierungssitz zurück, wo es nur den General-Anzeiger gab. In Berlin war dies schnell anders: Unter den Medien - ob Berliner Morgenpost, Die Welt, Berliner Zeitung oder Tagesspiegel - habe es mehr Wettbewerb gegeben. Als Folgen nennt Lange „immer schnelleres Arbeiten“ und „immer weniger Recherche“.

Was Christian Lange bei der Wahl 2021 noch wichtig ist: Zwei Thesen seien eingefallen. Widerlegt sei, dass die Große Koalition schadet. Und dass sie dazu führe, dass Ränder erstarkten. Die Linke sei fast aus dem Bundestag geflogen. Und die AfD habe weniger Stimmen erhalten. „Beide Ränder haben verloren“, sagt er.

Blickt Lange auf die 24 Jahre als Abgeordneter, fallen ihm Zahlen ein: Am 2. Dezember 1998 war seine erste Rede im Bundestag. Damals ging es um die Metro AG und damit auch um die Sorge der einstigen Horten-Beschäftigten in Gmünd. Die Rede war eine von 144 Reden als Abgeordneter und Staatssekretär. 11 000 Schülerinnen und Schüler waren bei Christian Lange in Berlin. Und etwa 3000 interessierte Bürger aus dem Wahlkreis. Neben Zahlen fallen ihm Namen ein: ZDF-Intendant Thomas Bellut, Ex-VfB-Präsident Erwin Staudt, die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach, Franz Müntefering, Lars Klingbeil, Peter Struck oder Olaf Scholz. Sie alle waren bei ihm zu Gast - bei seinen Frühjahrsgesprächen im Prediger oder dem politischen Erntedank in Gschwend. Und neben Zahlen und Namen fallen ihm Straßenbaumaßnahmen ein: Der Gmünder Tunnel, dessen Finanzierung in die Zeit von Rot-Grün gefallen sei. Wie auch die der Ortsumgehung Lorch und der Ortsumgehung Mutlangen. Und nicht zuletzt seien die Zusagen für die Ortsumgehung Mögglingen und den Bau des Böbinger Tunnels mit der Großen Koalition gekommen.

Drei Minister hatte Lange als Justizstaatssekretär. Mit der aktuellen Ministerin Christine Lambrecht hat Lange „die großen Themen Hass und Hetze angepackt“ und das Netzwerkdurchsetzungsgesetz erarbeitet. Dies verpflichtet Anbieter sozialer Netzwerke, Hasskriminalität nicht nur vom Netz zu nehmen, sondern auch anzuzeigen. Und es zielt darauf, die digitale und die nichtdigitale Welt gleich zu behandeln, weil es „keinen rechtsfreien Raum gibt“. Dieses Gesetz habe viel Resonanz, sagt Lange. Heute sei es „Blaupause für Europa“. Damit habe das Gesetz die Chance, europaweit zur Geltung zu kommen. Sagt der Abgeordnete, für den die 24 Jahre nicht nur Arbeit waren, sondern eine „große Ehre, so lange Zeit Volksvertreter sein zu dürfen“.

Ein historisches Wahlergebnis für die SPD“

Christian Lange (SPD), Abgeordneter und Staatssekretär
  • Christian Langes Einkünfte und Ausgaben
  • Als Abgeordneter hat Christian Lange von November 2020 bis Oktober 2021 75 687 Euro erhalten. Sein Gehalt als Justizstaatssekretär betrug im gleichen Zeitraum 160 567 Euro. Lange erhielt zudem eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 41 278 Euro. Davon bezahlte Lange die Mieten der Bürgerbüros in Backnang und Schwäbisch Gmünd in Höhe von 5800 Euro, Telefon- und Rundfunkgebühren in Höhe von 2478 Euro, Zeitungsabonnements für 963 Euro, Kosten für die Büros in Berlin, Gmünd und Backnang in Höhe von 2900 Euro, Mitgliedsbeiträge in Höhe von 5687 Euro und Sonderbeiträge wie Parteivorstand oder Fraktion in Höhe von 15761 Euro. mil

Ein historisches Wahlergebnis für die SPD“

Christian Lange (SPD), Abgeordneter und Staatssekretär
  • Christian Langes Einkünfte und Ausgaben
  • Als Abgeordneter hat Christian Lange von November 2020 bis Oktober 2021 75 687 Euro erhalten. Sein Gehalt als Justizstaatssekretär betrug im gleichen Zeitraum 160 567 Euro. Lange erhielt zudem eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 41 278 Euro. Davon bezahlte Lange die Mieten der Bürgerbüros in Backnang und Schwäbisch Gmünd in Höhe von 5800 Euro, Telefon- und Rundfunkgebühren in Höhe von 2478 Euro, Zeitungsabonnements für 963 Euro, Kosten für die Büros in Berlin, Gmünd und Backnang in Höhe von 2900 Euro, Mitgliedsbeiträge in Höhe von 5687 Euro und Sonderbeiträge wie Parteivorstand oder Fraktion in Höhe von 15761 Euro. mil

Schwäbisch Gmünd

Sein Pressegespräch in Gmünd lief parallel zum Sondierungsgespräch für eine Ampel in Berlin: Der Staatssekretär im Justizministerium und SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Lange hatte am Donnerstag ein letztes Mal zur Bilanzpressekonferenz geladen. Klar, dass dabei nicht nur das vergangene Parlamentsjahr Thema war. Sondern seine 24 Jahre als Abgeordneter. Seine acht Jahre als Staatssekretär. Und die Wahl am 26. September. Für die SPD sei dies ein „historisches Wahlergebnis“ gewesen, sagt Lange. Und begründet: Zum vierten Mal stellen die Sozialdemokraten die stärkste Fraktion im Bundestag. Klar, die anderen, namentlich CDU und Grüne, hätten Fehler gemacht. Doch am Ende verdanke die SPD den Erfolg Olaf Scholz. Denn Wahlen seien „personale Vertrauensentscheidungen“. Dies zeige auch die steigende Zustimmung nach der Wahl. Außerdem sei die SPD geschlossen gewesen, anders als die CDU, und die SPD habe eigene Themen gesetzt. Dazu zählt Lange vor allem das Thema Respekt. Unter diesen Begriff fällt für ihn der Mindestlohn von 12 Euro, der die Arbeitsleistung der Menschen würdige. Gleichzeitig, sagt Lange, sei Respekt mehr als Mindestlohn. Es gehe Olaf Scholz auch darum, der zunehmenden Verrohung in der Gesellschaft etwas entgegen zu setzen. Für diese sieht Lange mehrere Ursachen: die Präsenz der AfD im Bundestag, die sozialen Medien, wo auf Worte Taten folgen, und die Veränderung in der Medienlandschaft. Da kehrt Lange gedanklich nach Bonn als Regierungssitz zurück, wo es nur den General-Anzeiger gab. In Berlin war dies schnell anders: Unter den Medien - ob Berliner Morgenpost, Die Welt, Berliner Zeitung oder Tagesspiegel - habe es mehr Wettbewerb gegeben. Als Folgen nennt Lange „immer schnelleres Arbeiten“ und „immer weniger Recherche“.

Was Christian Lange bei der Wahl 2021 noch wichtig ist: Zwei Thesen seien eingefallen. Widerlegt sei, dass die Große Koalition schadet. Und dass sie dazu führe, dass Ränder erstarkten. Die Linke sei fast aus dem Bundestag geflogen. Und die AfD habe weniger Stimmen erhalten. „Beide Ränder haben verloren“, sagt er.

Blickt Lange auf die 24 Jahre als Abgeordneter, fallen ihm Zahlen ein: Am 2. Dezember 1998 war seine erste Rede im Bundestag. Damals ging es um die Metro AG und damit auch um die Sorge der einstigen Horten-Beschäftigten in Gmünd. Die Rede war eine von 144 Reden als Abgeordneter und Staatssekretär. 11 000 Schülerinnen und Schüler waren bei Christian Lange in Berlin. Und etwa 3000 interessierte Bürger aus dem Wahlkreis. Neben Zahlen fallen ihm Namen ein: ZDF-Intendant Thomas Bellut, Ex-VfB-Präsident Erwin Staudt, die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach, Franz Müntefering, Lars Klingbeil, Peter Struck oder Olaf Scholz. Sie alle waren bei ihm zu Gast - bei seinen Frühjahrsgesprächen im Prediger oder dem politischen Erntedank in Gschwend. Und neben Zahlen und Namen fallen ihm Straßenbaumaßnahmen ein: Der Gmünder Tunnel, dessen Finanzierung in die Zeit von Rot-Grün gefallen sei. Wie auch die der Ortsumgehung Lorch und der Ortsumgehung Mutlangen. Und nicht zuletzt seien die Zusagen für die Ortsumgehung Mögglingen und den Bau des Böbinger Tunnels mit der Großen Koalition gekommen.

Drei Minister hatte Lange als Justizstaatssekretär. Mit der aktuellen Ministerin Christine Lambrecht hat Lange „die großen Themen Hass und Hetze angepackt“ und das Netzwerkdurchsetzungsgesetz erarbeitet. Dies verpflichtet Anbieter sozialer Netzwerke, Hasskriminalität nicht nur vom Netz zu nehmen, sondern auch anzuzeigen. Und es zielt darauf, die digitale und die nichtdigitale Welt gleich zu behandeln, weil es „keinen rechtsfreien Raum gibt“. Dieses Gesetz habe viel Resonanz, sagt Lange. Heute sei es „Blaupause für Europa“. Damit habe das Gesetz die Chance, europaweit zur Geltung zu kommen. Sagt der Abgeordnete, für den die 24 Jahre nicht nur Arbeit waren, sondern eine „große Ehre, so lange Zeit Volksvertreter sein zu dürfen“.

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