Christof Arnold: Jetzt steht er vor und hinter der Kamera

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Christof Arnold in einem seiner Auftritte in der Krimireihe Tatort: Hier 2003 in der Folge "Tod im Teig" mit Felicitas Woll.
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Was macht eigentlich ... (1) Christof Arnold: Der 50-Jährige aus Bettringen arbeitet heute vor allem als Fotograf und seltener als Schauspieler.

Schwäbisch Gmünd/München

Die Liste seiner Schauspielrollen ist lang: Christof Arnold aus Bettringen hat unter anderem in vier Tatort-Folgen mitgespielt, im Rosamunde-Pilcher-Film "Besetzte Herzen", im Inga-Lindström-Streifen "Liebe deinen Nächsten", bei Aktenzeichen XY, mehrfach bei den Fernsehserien Forsthaus Falkenau, bei der Bergwacht oder den Rosenheim Cops. Doch die meisten werden ihn als Bastian Spranger in der ARD-Serie Marienhof und als Dr. Gregor Bergmeister in der ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" kennen. Dennoch sagt der 50-Jährige heute: Empfehlen könne er die Schauspielerei eigentlich keinem – zumindest nicht als Hauptberuf. Mittlerweile steht Christof Arnold vor der Kamera, wenn ihm das Drehbuch zusagt und es sein Terminplan zulässt. Ansonsten arbeitet er hinter der Kamera: als Fotograf für "Sturm der Liebe", aber auch für verschiedene Projekte.

2014 war für Christof Arnold das Jahr des Umbruchs: Damals stand für ihn endgültig fest, dass er sich neben der Schauspielerei noch etwas anderes suchen wird, um seine Familie ernähren zu können. Er hatte zwar Angebote für Hauptrollen in Fernsehserien wie "Verbotene Liebe" oder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", aber das hätte mindestens ein Jahr Drehzeit in Düsseldorf oder Berlin bedeutet, erzählt Christof Arnold, der 1996 nach München gezogen ist, wo er heute mit seiner Frau Petra und den elf und 13 Jahre alten Söhnen lebt. "Ein ganzes Jahr weg von der Familie, das hätte ich nicht ausgehalten", meint er. Doch von den anderen Aufträgen konnte er nicht leben. Denn "wer lange in Serien spielt, bekommt nicht mehr viele andere Rollen angeboten".

Also fragte er bei seinen Ex-Kollegen von "Sturm der Liebe" nach einem Job hinter der Kamera. So wurde er Nachfolger der Standfotografin der Serie, als diese in Rente ging, und lichtet heute Szenen unter anderem für Fernsehzeitschriften und andere Medien ab. "Vom Hauptdarsteller zum Standfotografen – einigen meiner Kollegen ist buchstäblich die Kinnlade runter gefallen", erzählt er lachend. Doch "die Fotografie war für mich ein Volltreffer": als Initialzündung für einen Beruf, "in dem ich meine Kreativität noch mehr ausleben kann als bei der Schauspielerei".

Dabei habe Christof Arnold einen außerordentlich hohen Qualitätsanspruch, sagt Rita Jacobi, Bildredakteurin bei der ARD. In seinen Fotos zeige sich, dass er sich gut in die Psyche der Schauspieler einfühlen könne – "wahrscheinlich, weil er selbst einer ist", vermutet sie.

Sein Traumberuf

Neben seiner Arbeit als Standfotograf setzt Christof Arnold Stars wie Til Schweiger oder Horst Janson in Szene, fotografiert Architektur, Mode oder Events für verschiedene Auftraggeber, aber auch für seinen Fine-Art-Print-Onlineshop "Eligium" , den er mit seiner Frau betreibt. Während der coronabedingten vierwöchigen Drehpause hat er außerdem Online-Kurse für Fotografen entwickelt. So ist die Fotografie seine zweite Leidenschaft geworden, die es ihm erlaubt, bei seiner ersten Leidenschaft, der Schauspielerei, wählerisch zu sein und nur noch die Rollen anzunehmen, auf die er wirklich Lust hat. Wie auf seinen Einsatz 2019 im Krimi "Hartwig Seeler – ein neues Leben". Dabei spielte Christof Arnold erstmals mit dem mehrfach ausgezeichneten Regisseur Johannes Fabrick. Dieser habe ihn beim Dreh einmal sogar in Hypnose versetzt, um ihm so Zugriff auf noch tiefer gehende Gefühle zu verschaffen. "Das war irre", erzählt der Schauspieler, "das waren zwei Drehtage auf dem Niveau, auf das ich seit 25 Jahren will". Er schwärmt: "Da war ich wieder voll angefixt für die Schauspielerei." Dies sei sein Traumberuf, seit er fünf Jahre alt war. Seine Eltern hatten damals Gäste daheim. Er habe sich einen Mantel geschnappt und sie in verschiedenen Rollen zum Lachen gebracht. Fortan hörte er ständig, er müsse Schauspieler werden. "Das Gefühl, sein Publikum zum Lachen zu bringen, ist tatsächlich ganz groß", erzählt Christof Arnold. Am Theater hatte er dieses erstmals 2009 unmittelbar. Damals spielte er Corporal Clive Winton in der Komödie "Lauf doch nicht immer weg" am Bayerischen Hof in München. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte.

Welche Rolle war ihm noch besonders wichtig? Der Dreh im Kurzfilm Ten, den er gemeinsam mit Regisseur Stefan Hering aus Schwäbisch Gmünd geschrieben hat. Darin steht der Schauspieler als Hannes vor der Himmelstür und feilscht mit Petrus. Diesen verkörperte Johannes Heesters in seiner letzten Rolle, erzählt Christof Arnold – "welche Ehre". Für seine Zukunft wünscht sich der Gmünder, mit weiteren Schauspielgrößen spielen zu dürfen, gerne auch mal in einer historischen Produktion.

Die Fotografie war für mich ein Volltreffer.

Christof Arnold, Schauspieler und Fotograf

Aktuell mache die Schauspielerei etwa zehn Prozent seines Arbeitspensums aus, zu 90 Prozent sei er Fotograf und als solcher so gut ausgelastet, dass er seinen Vater, seine Geschwister und seine Kumpels in Schwäbisch Gmünd viel seltener sieht, als er dies eigentlich möchte. Wenn er in Gmünd ist, komme es schon vor, dass gerade Jüngere ihn ungläubig anschauen, weil sie nicht wissen, dass er von hier stammt. Die meisten Leute aus seiner Generation kennen ihn allerdings von früher. Schließlich hat er über viele Jahre im Café Passé, im Bistro Fässle in Gmünd und in der Tonfabrik in Aalen als Barkeeper gearbeitet.

Ohne Kreischen im Biergarten

Insgesamt habe der Fankult um seine Person abgenommen – "und das ist gut so", sagt Christof Arnold. Als er vor über 20 Jahren täglich im Marienhof zu sehen war, habe er kaum in den Biergarten oder aufs Oktoberfest gehen können. Mädels, die kreischen, auch Jungs, die ihn wie Kumpels umarmen – "das ist schon anstrengend", erzählt der 50-Jährige. Heute könne er sich wieder frei bewegen, ohne ständig unter Beobachtung zu stehen. Wenn ihn Leute ansprechen, dann oft in dem Stil: "Ich kenne Sie doch irgendwo her. Sind Sie nicht Fußballer?" Meist lasse er die Leute dann in dem Glauben. So war er auch schon Eishockeyspieler. Oder eine nette Urlaubsbekanntschaft aus Mallorca – offenbar gehen ihm auch diese Rollen nicht aus ...

Im Fernsehen ist Christof Arnold demnächst bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" zu sehen. In der Folge am Mittwoch, 12. August, spielt er einen Harleyfahrer – "inklusive der Stunts", sagt er, darf zum Inhalt aber noch nicht mehr verraten.

Fotoprojekte von Christof Arnold auf www.christofarnold-photo.de und www.eligium-art.com

Christof Arnold mit den Schauspielern Barbro Viefhaus und Erich Altenkopf am Set von "Sturm der Liebe". Dort arbeitet der Gmünder seit über fünf Jahren als Standfotograf.

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