Corona und klauende Vollpfosten

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Weihnachtsdeko in den Schmiedgassen
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Wenn Corona so vieles bremst, trifft es auch den Fortschritt in den Schmiedgassen. Der Aufbruch ist aufs Frühjahr verschoben.

Schwäbisch Gmünd

Hendrik Glittenberg steht vor seinem Geschäft, neben ihm zwei Christbäume. Auf jedem sieht man eine Handvoll kleiner, bunter Schleifen aus Stoff. „Es fehlen schon wieder welche“, sagt Glittenberg, der mit seiner Familie den „Copyshop topfit“ in der Schmiedgasse betreibt.

Sechs Schleifen auf dem Baum links der Tür, sieben auf dem rechten – der Rest ist geklaut worden. „Wir haben diesmal extra nur Schleifen genommen. Die Kugeln letztes Jahr waren, bis es Weihnachten wurde, alle weg“, erzählt Glittenberg.

Es ist nicht einfach, die Schmiedgassen zu verschönern. Nicht nur dort wird geklaut und kaputt gemacht, sagt der Stadtsprecher, und er bringt seinen Grad an Ärger sprachlich zum Ausdruck: „Es gibt leider immer wieder Vollpfosten, die so etwas machen“, sagt Markus Herrmann.

Das im Sommer gestartete Projekt „Lebenswerte Altstadt“ in den Schmiedgassen stockt. Die Baumschmuck-Diebe sind gar nicht das Hauptproblem, das größte Hindernis fürs Vorankommen heißt einmal mehr: Corona. Beim letzten Bürgerforum Ende Oktober hatte Oberbürgermeister Richard Arnold auf die Gründung eines „Freundeskreises Schmiedgassen“ als „Partner für die Stadtverwaltung“ gedrängt. Ist was draus geworden? „Wir haben gerade ganz andere Sorgen“, sagt Jürgen Stemke, den man als einen der engagiertesten Anlieger in den Schmiedgassen kennt. Im Moment versucht er vor allem seinen Betrieb durch den nächsten Pandemie-Winter zu steuern. „Die Einschläge kommen näher, wir haben mit Personalausfällen wegen Corona zu kämpfen“, sagt er. Ein Weihnachtsbasar, wie er Anfang Dezember in den Schmiedgassen geplant war, ist auch nichts geworden. Die Christbäume stehen, das Leben drumherum findet nur gedämpft statt.

Die Belebung ist aufs Frühjahr verschoben. „Wir wollen unbedingt weitermachen, es ärgert uns sehr, dass auch dort alles ausgebremst ist“, sagt Stadtsprecher Herrmann. Aber ein weiteres Treffen mit Anwohner werde wohl erst im Frühjahr wieder sinnvoll sein. „Die Prognose, dass wegen Corona vor März nicht viel läuft, ist nicht sehr gewagt.“

Weitermachen tut Not, finden Hendrik Glittenberg und Jürgen Stemke. „Es muss schon noch was passieren, damit man die Leute hier reinholt“, sagt Stemke. Weil er den Abstand zu den Top-Plätzen der Innenstadt noch als gewaltig empfindet: „An einem Sonntag im Sommer ist der Marktplatz überfüllt – und hier ist kein Mensch.“ Gefordert sind, so sieht es Stemke, Stadtverwaltung und Schmiedgässler gleichermaßen: „Am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot – wir können nur zusammen weitermachen.“

Wir haben gerade ganz andere Sorgen.“

Jürgen Stemke,, Geschäftsinhaber
Weihnachtsdeko in den Schmiedgassen
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Weihnachtsdeko in den Schmiedgassen
Weihnachtsdeko in den Schmiedgassen

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