Diese zwei prüfen die Diözese

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An der Spitze dieses Gremiums stehen der Gmünder Thomas Halder (links) und der in Gmünd geborene und in Waldstetten aufgewachsene Prof. Dr. Jörg Eisele.
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Ein Straßdorfer und ein früherer Waldstetter leiten die neue Kommission zur Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche Württembergs.

Schwäbisch Gmünd

Sexueller Missbrauch von Kindern - dieses Thema setzt der katholischen Kirche heftig zu. Viele Menschen, die der Kirche den Rücken kehren, geben deren Umgang mit diesem Skandal als Grund an. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat nun eine neue Kommission eingesetzt, um diesen Missstand in den eigenen Reihen genauer zu untersuchen: die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Diözese. An der Spitze dieses Gremiums stehen der Gmünder Thomas Halder und der in Gmünd geborene und in Waldstetten aufgewachsene Prof. Dr. Jörg Eisele.

Thomas Halder nimmt das Thema und die Auswirkungen auf die katholische Kirche sehr ernst: „Das ist eine absolute Katastrophe, weil viele den Glauben an die Kirche dadurch verlieren können“, sagt er im Gespräch mit der Gmünder Tagespost. Und: “Das kann existenzgefährdend werden, wenn man es nicht grundlegend anpackt“. 

Die Diözese hat bereits 2002 die Kommission sexueller Missbrauch eingesetzt. Weshalb nun eine weitere Kommission? Das 2002 gegründete Gremium untersuche Fälle sexuellen Missbrauchs aktuell, wenn sie bekanntwerden, erläutert Thomas Halder. Die Aufarbeitungskommission dagegen habe von Bischof. Dr. Gebhard Fürst den Auftrag bekommen, die Personalakten des Bistums seit 1945 zu durchackern. “ Sie solle beurteilen, wie die Kirche mit Tätern, Taten und Opfern umgegangen ist und ob es Strukturen in der Kirche gibt, die solche Fälle begünstigen. Am Ende werde die Kommission ihre Empfehlungen veröffentlichen. 

Das Gremium besteht aus fünf Männern und zwei Frauen. Die Landesregierung hat dazu drei Mitglieder vorgeschlagen: den Straßdorfer Volljuristen Thomas Halder, bis zu seiner Pensionierung Ministerialdirektor im Kultus- und Sozialministerium; den aus Waldstetten stammenden Jörg Eisele, Professor für Deutsches und und Europäisches Straf- und Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Computerstrafrecht an der Uni Tübingen, und Renate Schepker, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, bis zu ihrer Pensionierung Regionaldirektorin am Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg. Der Bischof hat zwei Theologen und Kirchenrechtler entsandt. Sie sollen dafür sorgen, dass die Kommission alle Akten und Ressourcen bekommt, die sie für notwendig hält. Außerdem gehören ihr zwei Menschen an, die selbst Opfer sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich geworden sind. Bislang, berichtet Thomas Halder, hat die Gruppe nur formale Festlegungen für ihre künftige Arbeit beschlossen. Zum Beispiel, dass die Kommission nur beschlussfähig ist, wenn mindestens einer der beiden Betroffenen-Vertreter dabei ist. Die inhaltliche Arbeit gehe jetzt erst los. Halder geht davon aus, dass Missbrauchsfälle vor allem in Akten aus früheren Jahrzehnten zu finden sein werden. „Bischof Fürst hat da sehr viel richtig gemacht“, sagt er über den Mann, der die Diözese seit 2000 leitet. Fürst habe zahlreiche Priester, die sich schuldig gemacht haben, entlassen oder andere Maßnahmen ergriffen. Er habe schon die Hoffnung, dass die Zahl der Fälle in den letzten Jahren stark abgenommen hat. “Wir müssen alles tun, um es auszuschalten“, sagt Halder - wohlwissend, dass jegliche kriminelle Energie nicht ausgeschaltet werden kann. Und er geht davon aus, dass viele Fälle gar nicht bekannt geworden sind. 

2021 sind 28212 Kirchenmitglieder aus der Diözese ausgetreten. 

Geld für Anerkennung des Leids

Für den Zeitraum zwischen 1947 bis 2021 sind in der Diözese Rottenburg-Stuttgart nach eigenen Angaben bisher 168 Beschuldigte, Kleriker und Laien, belegt. 143 Anträge Betroffener auf Anerkennung ihres Leids seien seit Beginn des Antragsverfahrens 2011 gestellt, 760 500 Euro als Anerkennungsleistung ausbezahlt worden. Darüber hinaus übernehme die Diözese Kosten für Therapie. Das Geld stamme grundsätzlich nicht aus der Kirchensteuer, sondern von der Ortskirche. 2021 wurde das Antragsverfahren zentralisiert.

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