Daimler: „Gmünd nicht in der engeren Auswahl“

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Zwischen dem Gewerbe- und Industriegebiet Gügling, Bargau und Buch liegt die Fläche, mit der Schwäbisch Gmünd zur Modellregion für Wasserstofftechnologie werden will. Archiv-Foto: Jan-Philipp Strobel
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Das Lkw-Joint-Venture von Daimler und Volvo will sich offenbar nicht auf dem Gügling ansiedeln. Die Stadt treibt ihre Wasserstoff-Pläne dennoch voran. 

Schwäbisch Gmünd

Es sollte ein Coup werden, doch nun haben sich offenbar die Pläne geändert: Cellcentric, das vor wenigen Monaten von Daimler und Volvo gegründete Gemeinschaftsunternehmen, will laut eigenen Angaben keine Fabrik im Gewerbe- und Industriegebiet Gügling bauen. Das erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage dieser Zeitung. „Nach einem unverbindlichen, konstruktiven Austausch mit politischen Vertretern und Kommunen und der Evaluierung dieser ist Schwäbisch Gmünd nicht in der engeren Auswahl und wird damit als zukünftiger Produktionsstandort für die geplante Serienfertigung von Brennstoffzellensystemen nicht mehr in Betracht gezogen“, so die Sprecherin des Unternehmens mit Sitz in Kirchheim/Teck.

Bei der Stadt ist man ob des Statements überrascht. „Wir haben bislang keine offizielle Absage erhalten“, sagt OB Richard Arnold. Zwar sei bereits in den ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen angeklungen, dass es für den Standort angesichts der Konkurrenz schwierig werden könnte, berücksichtigt zu werden. Detaillierter äußern will sich die Stadt aber erst, wenn Cellcentric die Entscheidung kommuniziert und begründet habe.

Mit der Ansiedlung von Cellcentric wären nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze entstanden – auch die Entwicklung des geplanten Wasserstofftechnologie-Clusters auf dem Gügling hätte kräftig an Fahrt gewonnen. In den kommenden Jahren soll dort das „H2-Aspen – Greater Stuttgart“ entstehen. Die Stadt möchte hier Firmen und Forschungseinrichtungen rund um die Wasserstofftechnologie ansiedeln. Cellcentric wäre da ein internationales Zugpferd mit reichlich Renommee gewesen. Die Pläne sollen unabhängig von der Entscheidung des Unternehmens jedoch weiter vorangetrieben werden. „Wir fahren nicht eingleisig“, betont Arnold. Etliche Firmen und Forschungseinrichtungen aus verschiedensten Bereichen hätten bereits ihr Interesse hinterlegt. „Wir haben noch weitere Optionen“, sagt der OB. Bereits bei den ersten Gesprächen mit Cellcentric sei den Vertretern der Stadt erklärt worden, dass andere Standorte Vorteile gegenüber Gmünd haben könnten. Das bestätigt nun die Firma.

„Entscheidende Faktoren für diese Entscheidung sind die besseren Bedingungen für die benötigen Zugangswege und die Logistik sowie die Nähe zum gegenwärtigen Hauptquartier in Kirchheim/Teck-Nabern der in der engeren Auswahl verbleibenden Produktionsstandorte“, erläutert die Cellcentric-Sprecherin. Um welche Standorte es sich dabei handelt, sagt sie nicht. Das Unternehmen befinde sich in der vorbereitenden Phase, aktuell fänden „ein tief gehender Austausch mit politischen Vertretern und Kommunen sowie eine verfeinerte Standortevaluierung statt“. So gebe es auch noch keine finale Entscheidung, wo die Serienproduktionsstätte für Brennstoffzellen gebaut wird.

Weiter ist das Unternehmen bereits an einem anderen Standort. In Esslingen wird künftig die Produktionstechnik untergebracht sein. Das Gebäude steht bereits seit Ende 2020, weitere Innenausbauten und Vorbereitungen laufen derzeit. Mit der Aufnahme des Betriebs rechnet Cellcentric im kommenden Jahr.

Die Firma soll serienreife Brennstoffzellensysteme entwickeln, produzieren und vermarkten. Der Fokus liegt laut Cellcentric auf dem Einsatz in schweren Lkw. In drei Jahren sollen erste Kunden mit der Erprobung von Brennstoffzellen-Lkw beginnen. Das Unternehmen plant den Beginn der Serienproduktion für die zweite Hälfte des Jahrzehnts.

Auch bei Gmünds größtem Arbeitgeber, Bosch AS, gibt es Neuigkeiten: Dort haben sich Betriebsrat, Gewerkschaft und Geschäftsführung auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, der die Zukunft des Standorts sichern soll. Regionale Wirtschaft, Seite 31

Wir haben noch weitere Optionen.“

Richard Arnold, Oberbürgermeister

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