„Deutsche Einheit und europäische Einheit muss man sich stets auf Neue erarbeiten!“

Damals gab's Betten in der Turnhalle

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Tag der deutschen Einheit
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Zum Tag der deutschen Einheit gibt's auf der Gmünder Bühne im Remspark eine Diskussion und einen Rückblick mit dem ehemaligen Gmünder Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster.

Schwäbisch Gmünd

Deutsche Einheit und europäische Einheit muss man sich stets aufs Neue erarbeiten“, erklärte Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold auf der Remsparkbühne am Tag der deutschen Einheit. Die deutsche Wiedervereinigung sei nicht selbstverständlich und wäre ohne ein geeintes Europa nicht möglich. Wenn Risse in der europäischen Vereinigung entstehen, sei vieles in Gefahr, so der OB. Die Gesellschaft strebe auseinander, aber nach der Pandemie müsse der Zusammenhalt gelobt und gefeiert werden. „Denn, was uns spaltet, tut uns nicht gut“, erläuterte Arnold.

Die Gesellschaft stehe vor großen Aufgaben wie die Transformation der Wirtschaft. Diese müsse die Gesellschaft bewusst wollen und die Kraft aus der Gemeinschaft geschöpft werden. Einen Tag wie den 3. Oktober solle man nicht spurlos vorübergehen lassen. Er erinnere an die große Aufgabe, die damals von allen geschultert worden sei. Fragen wie „Warum ist es gelungen?“, „Welche Lehren können für unsere Zeit daraus gezogen werden?“ müsse man stellen und beantworten.

Auf dem Podium stellten Nelly Viktoria Schubert, Landesgymnasium für Hochbegabte, und Gerburg Maria Müller dem ehemaligen Gmünder Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster Fragen, in dessen Gmünder Amtszeit die Öffnung der Mauer fiel. Nelly:„Was ist aus Ihrer Zeit als OB übrig geblieben, waren Sie gerne OB in Gmünd?“ In Gmünd habe er sich wohl gefühlt, es sei eine überschaubare Stadt mit einer engagierten Bürgerschaft. Sozialer Zusammenhalt sei in einer heterogenen Gesellschaft ein zentraler Punkt. Damals gab es 3000 Atombomben in der DDR, auf der Mutlanger Heide lagerten die Pershings der USA. Mit der stillen Revolution in der DDR und der Maueröffnung am 9. November sei ein großer Traum Wirklichkeit geworden.

Gmünd habe das unmittelbar zu spüren bekommen. Eines Morgens standen viele Menschen im Rathaus-Foyer: „Wir sind rüber, wir brauchen Wohnungen und Arbeit!“, forderten sie, die aus der DDR nach Gmünd gelangt waren. Das stellte die Stadtverwaltung vor Organisationsprobleme. In der Friedensschule wurden in der Sporthalle Betten aufgestellt, die Bürgerschaft zu Spenden von Kleidung und anderem aufgerufen. Mancher Traum platzte in dieser Zeit, wenn trotz guter Ausbildung kein passender Arbeitsplatz gefunden werden konnte. Gemeinsam habe man aber alles geschafft.

Als die Stimmung kippte

Die zunächst positive Haltung habe sich erst geändert, als sich durch den EU-Binnenmarkt ein neuer Wettbewerb installierte, der in der Region Stuttgart-Gmünd zu steigender Arbeitslosigkeit führte. „Sind viele geblieben?“, fragte Gerburg Maria Müller. Schuster: Viele seien geblieben, viele aber auch zum Aufbau wieder zurück gegangen. Die blühenden Landschaften, die Helmut Kohl versprochen habe, waren nicht so schnell aus dem Boden zu stampfen. Auf Nellys Frage nach seiner heutigen Beschäftigung, wies Schuster auf seine Stiftung „European Foundation of Education“ hin, die daraufhin arbeitet, Jugendlichen in anderen europäischen Ländern zu einer besseren Ausbildung zu verhelfen und die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Mit einem ungewöhnlichen, anspruchsvollen Liedprogramm umrahmten „Stimmkultur“ und der Liederkranz Weiler unter der Leitung von Kathrin Bechstein die Feier, die mit der gemeinsam gesungenen Hymne endete.

Gmünd ist eine überschaubare Stadt mit einer engagierten Bürgerschaft.“

Dr. Wolfgang Schuster,, ehemaliger Oberbürgermeister

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