„Damals ist es frommer zugegangen“

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Diamantene Konfirmation
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Nach 60 Jahren feiern Gmünderinnen und Gmünder ihre diamantene Konfirmation.

Schwäbisch Gmünd. 130 Konfirmandinnen und Konfirmanden bekräftigten im März 1962 während feierlicher Segnungsgottesdienste ihre Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde. Eine stattliche Zahl, meint der evangelische Pfarrer Reiner Kaupp rückblickend. Die Jugendlichen wurden in drei Gruppen in die Kirchengemeinde eingeführt, am 11. März 1962 im damaligen Ostbezirk von Pfarrer Lempp, am 18. März 1962 im damaligen Südbezirk von Pfarrer Dr. Witte und am 25. März 1962 im damaligen Westbezirk von Dekan Lang.

Am Sonntag trafen 13 dieser ehemaligen Konfirmanden in der Augustsinuskirche wieder zusammen, um während eines Festgottesdienstes die diamantene Konfirmation zu feiern und noch einmal den Segen durch Pfarrer Reiner Kaupp bekräftigen zu lassen. Dieter Abele erinnert sich noch gut an den Konfirmandenunterricht vor 60 Jahren, der sich über zwei Jahre zog und zweimal in der Woche stattfand. Kurz vor der Segnung und dem Eintritt in das „Erwachsensein“ sei er krank gewesen. Seine Sorge bestand darin, ob er den zuvor einstudierten Konfirmationsspruch ordentlich aufsagen kann. Inge Eberle denkt mit großer Dankbarkeit zurück. Anders als heute wurde der Unterricht in großen Gruppen abgehalten. Als prägend bezeichnet sie den Unterricht von Pfarrer Dr. Witte. Modern und offen habe der Geistliche damals Themen angesprochen, die in der Schule nicht vermittelt wurden. Unterm Strich sei es trotzdem damals „frommer“ zugegangen. Auch Erika Volk war damals in Aufregung, ob ihr Konfirmandenspruch so gut über die Lippen kommt wie auswendig gelernt. Bei ihr im Unterricht wurden die Knaben von den Mädels getrennt. Ein weiterer Konfirmand von früher erzählt von den Jugendlichen, die auch vor 60 Jahren bereits ihre Grenzen austesten wollten. Pfarrer Witte sei eine strenge Respektsperson gewesen. Einige der damals 14-jährigen probierten vor dem Unterricht ein Zigarettchen aus. Als der Pfarrer um die Ecke kam, schob einer der Jünglinge seine brennende Zigarette in seine Hosentasche. Das hatte Ärger und einen Arztbesuch zur Folge.

Bei Dekan Lang waren zwei weitere „diamantene Konfirmandinnen“ im Unterricht. Jungs und Mädels auf verschiedenen Seiten wurden damals jedes Mal namentlich aufgerufen. Der Unterricht selbst mit viel Auswendiglernen sei trocken gewesen.

Pfarrer Reiner Kaupp sieht den Konfirmandenunterricht von heute um einiges moderner und dem Zeitgeist der Jugendlichen angepasst. Wurden den Konfirmanden früher beispielsweise ihre Konfi-Sprüche vorgegeben, sind die jungen Leute heute gefragt, ihr Lebensmotto selbst zu wählen. Die Konfirmation sieht Pfarrer Kaupp als wichtigen Aspekt, die Gemeinschaft untereinander zu stärken und die Kirche den jungen Menschen heimisch zu machen, damit diese sich in der Kirchengemeinschaft wohl fühlten. „Junge Menschen müssen in die Kirche hineinwachsen“. ⋌Andrea Rohrbach

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