Dankbarkeit – und die tägliche Angst

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Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine auf dem Bahnhofsvorplatz.
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Hunderte Geflüchtete aus der Ukraine danken für Solidarität und fordern mehr Sanktionen gegen Russland.

Schwäbisch Gmünd

Julia Kolesnikova ist seit dem 21. März mit ihren beiden Kindern in Schwäbisch Gmünd. Doch ihr Mann Igor und ihr 19-jähriger Sohn blieben zurück in der Ukraine. Beide kämpfen für ihr Heimatland gegen die russischen Aggressoren. „Ich habe jeden Tag Angst, dass ich schlechte Nachrichten aus der Ukraine bekomme“, beschreibt die Ukrainerin. Die tägliche Ungewissheit darüber, wie es den Zurückgebliebenen in der Heimat geht, wird vielfach bei der Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine auf dem Bahnhofsvorplatz beschrieben.

Viele Frauen und Kinder sind gekommen. Tragen Fahnen mit den Landesfarben und hie und da ukrainische Trachten mit Blumenkränzen im Haar. Auch von diesen flattern gelb-blaue Bänder herab. Es wird die ukrainische Hymne von hunderten Demonstranten aus der Ukraine gesungen. Und es werden viele persönliche Schicksale erzählt. Etwa von einer Mutter mit Kind, die zwei Monate in der Besatzung in Cherson erlebte. Sie schildert Checkpoints, Kontrollen. Spricht von Männern, die hinausgeführt werden, ohne zurückzukehren. Von Frauen, die ebenfalls verschwinden. „Du fühlst dich im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Sklave“, beschreibt sie. Daher habe sie letztlich alles aufgegeben und sich mit ihrem Kind in eine 20 Kilometer lange Kolonne begeben. „Es wurde gedroht, dass geschossen wird. Wir haben umgedreht, nicht aufgegeben und einen anderen Weg gefunden.“ Sie endet mit „Slava Ukraini! Slava Chersonu! Ehre sei der ukrainischen Armee!“ Wiederum ein neunfacher Vater aus Melitopol erzählt von Lebensmittelblockaden, Einschüchterung und ständigen Durchsuchungen.

Beten für die Heimkehr

„Das Leben wurde zum Horror, es gab weder Medikamente noch Essen für die Kinder.“ Er sagt, dass man täglich darum bete, wieder nach Hause zu können. „Wir beten für den Sieg und sind den Ländern dankbar, die uns retten und unterstützen.“ In anderen Erzählungen wird berichtet, dass die russischen Aggressoren zielgerichtet zivile Einrichtungen, etwa in Charkiew, zerstören. Seit Kriegsbeginn seien in der Ukraine „etwa 4000 Häuser zerstört, etwa 150 000 Menschen haben ihr Zuhause verloren, etwa 500 Verwaltungseinrichtungen wurden beschädigt, darunter 110 Schulen, 100 Kindergärten, 50 Krankenhäuser, Museen, Bibliotheken und Architekturdenkmäler.“

Vier Forderungen formuliert Julia Kolesnikova: stärkere Sanktionen, ein Gasembargo, schnellere Waffenlieferungen und die Förderung von kleinen und mittelständischen Betrieben.

Die Kasachin Arailym Wödl übersetzt bei dieser ersten Demonstration in Gmünd gegen den Krieg in der Ukraine. Und berichtet von den 600 Geflüchteten, die über die Telegram-Gruppe „Ukrainer in Gmünd“ miteinander vernetzt sind. Und so auch privat zu dieser angemeldeten, zweistündigen Demo aufriefen. Raphael Wieler vom städtischen Ordnungsamt stellte fest, dass die Vorgaben eingehalten wurden. „Eine friedliche Kundgebung“, meinte er zufrieden.

Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine auf dem Bahnhofsvorplatz.
Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine auf dem Bahnhofsvorplatz.

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