Das Essen vor der Tonne retten

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Das Foodsharing im Spitalhof in der Innenstadt . Die Waren – Blumenkohl, Gurken, Kohlrabi, Karotten und vieles mehr – kommen direkt vom Gmünder Wochenmarkt und sind in jedem Fall kostenlos zu haben.
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Frische Lebensmittel vor dem Mülleimer bewahren – darum geht es beim Foodsharing. Immer mittwochs werden im Spitalhof Waren vom Wochenmarkt ausgegeben.

Schwäbisch Gmünd

Immer mittwochs sind sie auf dem Spitalhof in der Gmünder Innenstadt, die Lebensmittelretter. Denn "die Sachen bleiben übrig", erklärt Barbara Herzer, Leiterin der Jugendarbeit der Stadt Gmünd. "Die Waren würden eigentlich in der Tonne landen." Jeden Mittwoch bis nach den Sommerferien von 14 bis 15 Uhr können Gmünder die übrig gebliebenen Waren kostenlos mitnehmen.

Wem sich beim Gedanken an Mülltonnen und Lebensmittel der Magen dreht, der sei beruhigt. "Wenn man es auf die Waage legen möchte, kann man sagen, dass es hochwertige Produkte sind", sagt Mark Blum von der Gmünder Jugendkulturinitiative (JKI). Denn die Waren, die Herzer zusammen mit der Jugendinitiative anbietet, kommen direkt vom Gmünder Wochenmarkt. Der Aufwand für die Händler, unverkaufte Ware wieder mitzunehmen und einzulagern, sei nicht rentabel, erklärt Herzer. "Es ist günstiger, wenn man die Sachen uns gibt." Hauptsächlich Obst, Gemüse und Backwaren werden angeboten. Das Angebot hängt immer davon ab, was auf dem Markt übrig bleibt. "Es gibt Sachen, die meistens da sind. Zum Beispiel Kartoffeln", erklärt Tabea Kolb von der JKI. "Wir hatten auch schon Spargel", fügt Herzer hinzu. Die Produkte gibt es in jedem Fall kostenlos: "Wir nehmen kein Geld an. Auch keine Spenden", sagt Blum. Bei der Verteilung seien die Organisatoren großzügig und achten darauf, dass niemand leer ausgeht.

Ein Bedürftigkeitsausweis sei nicht notwendig. "Es geht nicht um Bedürftigkeit, sondern um Nachhaltigkeit", sagt Herzer, "wir sind froh, wenn die Leute die Sachen mitnehmen". Dabei sei die Kundschaft bunt gemischt: "Unser jüngster Kunde war ein halbes Jahr alt", sagt Blum. Nach oben seien alle Altersgruppen vertreten. "Frauen kommen aber öfter als Männer. Die Herren werden meistens von den Damen mitgeschleift", scherzt er. Das Foodsharing, zu Deutsch Essen teilen, sei auch eine Begegnungsstätte. "Bei uns kann jeder einkaufen. Hier treffen hochrangige Akademiker auf Sozialhilfeempfänger, und sie verstehen sich."

Wir nehmen kein Geld an. Auch keine Spenden.

Mark Blum, Jugendkulturinitiative

Im Vordergrund der Essensausgabe steht die Wertschätzung vor der Ware: "Wir haben Respekt vor den Lebensmitteln und den Erzeugern", sagt Herzer. Die Produkte kommen von verschiedenen Händlern des Gmünder Wochenmarkts. Unter anderem der Biolandhof Fauser aus Mutlangen, der Laden "unverpackt GD" und die Bäckerei Frey aus der Gmünder Innenstadt sind an Bord. "Manchmal haben wir auch Sachen von Weleda", sagt Herzer. Eier, Milch-, Fleisch- und Fischprodukte findet man nicht beim Foodsharing. "Das sind Sachen, bei denen es wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht geht", erklärt Blum. Zudem sei es schwierig, die Kühlkette aufrecht zu erhalten. Denn die ehrenamtlichen Arbeiter holen die Produkte selbst mit dem Fahrrad ab. "Mit unserem kleinen Hängerchen. Also ökologisch", meint Blum.

Das Foodsharing ist jeden Mittwoch bis nach den Sommerferien von 14 Uhr bis 15 Uhr auf dem Spitalhof in der Gmünder Innenstadt. Die Waren sind kostenlos erhältlich.

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