Das fünfte tote Reh in diesem Jahr

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Es kann eine tödliche Waffe sein, das Gebiss eines Hundes. An der Klepperletrasse zwischen Gmünd und Straßdorf haben wildernde Hunde in diesem Jahr schon fünf Rehe tot gebissen.
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Ein wildernder Hund reißt ein Reh nahe der Klepperletrasse – die Fälle häufen sich dort, sagen die Jäger aus diesem Revier.

Schwäbisch Gmünd

Blutend lag das Reh auf dem Boden, als Karl Eisele dazukam. „Es hat noch gelebt und es hat geschrien“, sagt der Jäger aus Waldstetten. Ihm war gleich klar, was hier passiert war. Beim verletzten Tier habe eine Frau gestanden, sie hatten einen Hund neben sich an einem Baum angeleint, erzählt Eisele. Wie alles gekommen war, ließ er sich berichten: Es begann an der Klepperletrasse, da wo der kleine, steile Weg von der Dominikus-Debler-Straße zum Rad- und Spazierweg hoch führt. Dort hatte der Hund - ein Mischling, so Eisele – das Reh aufgestöbert und gejagt. Einige hundert Meter weiter, im Wald oberhalb des Waldstetter Bachs, hat der Hund das fliehende Tier erwischt und ihm zahlreiche Bisswunden zugefügt. Die Hundebesitzerin, die ihrem Hund nachgelaufen war, hatte das schwer verletzte Reh schließlich entdeckt.

Dass er bei dem Reh die Besitzerin des Hundes antraf und sie sich zu ihrer Verantwortung bekannte, das war ungewohnt für Eisele und seine Jagdkollegen: „Es ist der erste Hundebesitzer, der geblieben ist – beim fünften Reh, das an der Strecke zwischen Gmünd und Straßdorf gerissen wurde in diesem Jahr“, erzählt Eisele, der in dem Revier des Jagdpächters als „Begehungsschein-Inhaber“ Jagdrecht hat. Bisher hatten Eisele und die anderen Jäger den Verursacher nie gefunden, auch nicht bei den zwei toten Hasen, die sie in diesem Jahr noch als mutmaßliche Opfer von Hunden zu verzeichnen haben. Im vergangenen Jahr habe es zwei totgebissene Rehe in diesem Revier gegeben, erinnert sich der Jäger.

Als er das schwer verletzte Tier auf dem Boden sah, tat Eisele, was er aus seiner Sicht das einzig Richtige war. „Ich habe es abgenickt“, sagt er. Der Jägerbegriff bedeutet, dass man dem Tier mit dem Messer eine gezielte Stichwunde zwischen obersten Halswirbel und dem Schädelknochen zufügt, um es sofort zu töten.

Karl Eisele war von Bewohnern eines nahe gelegenen Bauernhofs benachrichtigt worden, kurze Zeit nach ihm sei auch die Polizei eingetroffen, erzählt er. Die Hundehalterin muss nun mit einer Anzeige rechnen. Einen Hund unkontrolliert frei laufen zu lassen wird nach den Bestimmungen des Bundes- und Landesjagdgesetzes als Ordnungswidrigkeit eingestuft, die eine Geldbuße von mehreren hundert Euro nach sich ziehen kann. Wenn wie im vorliegenden Fall ein Hund ein Wildtier erwischt, liegt der Straftatbestand der Wilderei vor. Außerdem muss die Besitzerin für das getötete Reh Schadenersatz leisten.

Karl Eisele ist klar, dass er froh sein muss über das korrekte Verhalten der Hundehalterin. Denn normalerweise führe es zu nichts, wenn er oder andere Jäger einen Fall von Wilderei zur Anzeige brächten. Darum setzt Eisele auf Prävention: „Wir denken darüber nach ein Schild aufzustellen – und wir werden verstärkt ein Auge auf das Gebiet haben.“

Das Schild wäre eigentlich gar nicht nötig, wenn sich die Leute an die Vorschriften halten würden. „Auf der Klepperletrasse gilt Leinenpflicht“, sagt Christina Weizmann vom Gmünder Ordnungsamt.

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