Das Gesicht der Stadt geprägt: Konrad Wahl ist gestorben

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Konrad Wahl starb im Alter von 92 Jahren.
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Gmünds früherer Erster Bürgermeister Konrad Wahl starb im Alter von 92 Jahren.

Schwäbisch Gmünd. Im Alter von 92 Jahren ist Gmünds langjähriger Erster Bürgermeister und Baubürgermeister Konrad Wahl gestorben. Von 1966  bis 1991 prägte er in dieser Funktion mit seinen Ideen die Stadt. Nach 25 Amtsjahren war Gmünd eine andere Stadt. Mit neuer Bebauung an vielen Stellen, mit nun mehr als 60 000 Einwohnern. Alle Eingemeindungen, außer der Bettringens, fielen in seine Amtszeit.

Konrad Wahl, der bis 1955 Architektur an der Staatsbauschule Stuttgart studierte, hat im Nachkriegs-Schwäbisch-Gmünd schon vor seiner Wahl zum Bürgermeister deutliche Spuren hinterlassen. Uhlandschule und Uhlandhalle in Bettringen, Stauferschule in der Weststadt sind einige Beispiele. Siebenmal konnte er erste Preise für sich verbuchen.

Akzente gesetzt

Bis ein Anruf des damals jungen neuen Oberbürgermeisters Hansludwig Scheffold kam. Der wollte ihn als Baubürgermeister haben. Konrad Wahl sprach später von einer „unheimlich fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister“. Eine der ersten Entscheidungen: ein geplantes großes Wohnbaugebiet auf dem Gügling wurde gestoppt. Konrad Wahl hat schon in den 1960er-Jahren die Idee für ein großes Zusammenhängendes Gewerbegebiet geboren. Für neue Wohnungen wurde Bettringen-Nordwest aus der Taufe gehoben. Entstanden sind in dieser Zeit auch die Pläne für ein neues Hallenbad und die Großsporthalle.

Heftige Diskussionen erlebte Wahl 1968 im Gemeinderat, als es um die weitere Nutzung des Predigers ging. Viele Stadträte wollten das ehemalige Dominikanerkloster abreißen, Platz für Kaufhaus und Parkhaus schaffen. Mit knapper Mehrheit entschied sich das Gremium für die heute bekannte Lösung. Konrad Wahl und Hansludwig Scheffold war es gelungen, eine drohende Bausünde abzuwehren. Gleichzeitig entstand das Programm „neue Nutzung für alte Häuser“. Schwörhaus (heute Musikschule), Grät (Verwaltung), Arenhaus (Schule), Amtshaus (Stadtbibliothek) und Spital (Verwaltung und Senioren) prägen die Innenstadt als sanierte historische Gebäude.

Mut zu klaren Linien

Nach dem Tod von Hansludwig Scheffold 1969 führte Wahl viele schon geplante Vorhaben mit dem Nachfolger Dr. Norbert Schoch weiter. Der Stadthallenbau, 1984 eröffnet, war ein weiterer Höhepunkt. Parallel dazu entstanden die Fußgängerzonen in Schwäbisch Gmünd, Wahl musste so manche Skeptiker von der Notwendigkeit dieser Lösung überzeugen.

1991 ging er als Baubürgermeister in den Ruhestand, als Architekt nicht. Dafür machte ihm das Planen viel zu viel Spaß. Der Umbau der Schule in Weiler, die Sanierung von Geschäftsgebäuden in Gmünd und weitere Wohnhäuser entstanden. Konrad Wahl, dessen Schlagfertigkeit  nicht nur in Gemeinderatssitzungen bekannt war, schöpfte seine Kraft auch aus der Liebe zu Kunst und Musik. Bedeutende Ausstellungen besuchte er über die Landesgrenzen hinaus, Konzerten galt seine Leidenschaft. Und immer wieder zog es ihn an Orte mit berühmter Architektur.

In Gmünd galt er als Planer mit dem Mut zu klaren Linien, auch zu den Flachdächern in Hanglagen. Gebäude sollten sich dort der Natur unterordnen, beim Anblick aus der Ferne nicht dominieren.

In den vergangenen Jahren lebte Konrad Wahl eher zurückgezogen in seiner Heimat Bettringen, schätzte dort die Nähe zu Familienangehörigen und liebte den Blick auf die Stadt und die Natur. ⋌Kuno Staudenmaier

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