Das große Krabbeln im Prediger

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Einige der Künstlerinnen beim Aufbau der Ausstellung im Labor im Chor.

Eine Ausstellung von 14 Künstlerinnen widmet sich auf vielfältige Weise dem dramatischen Schwund der Insekten in der Natur.

Schwäbisch Gmünd

Auf Wiesen und in Wäldern kreucht und fleucht es immer weniger, das Insektensterben wird spürbarer, die Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht lassen sich allenfalls erahnen. Auch wenn mittlerweile Bienenstöcke und Insektenhotels in vielen Gärten Einzug halten, bleibt das Verhältnis von Menschen und Insekten ambivalent. 14 Künstlerinnen der GEDOK Stuttgart (ein Künstlerinnennetzwerk) nähern sich im Labor im Chor diesen fremden, faszinierenden, verletzlichen Wesen künstlerisch an. Entstanden sind Arbeiten, die die Schönheit dieser Tiere beschreiben aber auch mahnende den Verlust darstellende Exponate sind dabei. Die Ausstellung hat den Titel „Insecta - 14 Positiionen“.

Nicht nur Insekten

Die Fotografien „Unwirtliche Orte – feindliche Umgebung“ von Monika Kurz-Werner zeigen sehr eindrücklich eine lebensfeindliche Monotonie, die nicht nur Insekten betrifft. In zwei vielschichtigen Collagen verbinden Liedtexte, technische Zeichnungen und Insektenkörper drückt Bärbel Gallenmüller das gleiche Unbehagen aus.

Nicole Walger macht mit ihrer irritierenden Material- und Motivwahl aufmerksam auf das Insektensterben. So erinnert ihre Schmelzsteinkette an die Bernsteinketten für Babys. Sie ist aber ein Kunstprodukt und nicht für Babys geeignet – genauso wenig wie die Tätigkeiten, die zu abnehmender Artenvielfalt und wachsenden Plastikbergen führen. Die Goldschmiedin Gudrun Seyfert setzt ebenfalls themenbewusst Bienenwachs und Propolis ein. „Bewahren“ ist ihr Anliegen, die Dimension des Verlusts in der Natur und die Dringlichkeit ,darauf Antworten zu suchen, ist die Motivation zu ihren Schatz-Truhen und Wachstuchbeuteln.

Katharina Kolb stellt die Bienenkönigin in den Mittelpunkt ihrer Colliers, die sie zusammen mit der Keramikerin Fiorenza Pancino aus Faenza kreiert hat. Noa Price beschäftigt sich mit der Frage, wie Erinnerungen in Bildform festgehalten und weitergegeben werden können. Adressaten sind auch ihre Kinder, denen sie ihre eigenen glücklichen Momente auf wimmelnden Wiesen vermitteln will. Sie hat für ihre Stoffbilder die japanische Shibori-Färbetechnik benutzt und damit eine sehr persönliche Sprache gefunden.

In einem kunstvollen Schal aus einem komplexen Ineinander von Wolle, Seide und Spitze beschreibt Tatjana Seehoff den Wandel aus der Fülle an Farben und Formen der Natur zu grau -schwarzem Einerlei. Das interaktive sich im Lauf der Ausstellung verändernde Netz stammt von Rita Thoma. Die Besucher sind aufgefordert, einzelne Fäden des groben Geflechts zu durchtrennen. Die größer werdenden Löcher machen begreifbar, wie durch das Verschwinden einzelner Arten das ökologische Netz, das auch das menschliche (Über-) Leben sichert, ausdünnt ,bis das System kollabiert. Abwesenheit ist das Thema von Alkie Osterlands stummer Wiese. Die erstarrte Asche von Wiesenkräutern in Glas ist im monochromen Grün erschreckend leblos.

Im Fenster hängen die überdimensional großen Kokons aus Porzellan und Ton von Angela Munz fragil in zarten Geweben.

Den Chorraum beleben die Mobilés von Ulrike Grigorieff. Nur die Umrisse der kleinen Lebewesen sind sichtbar und ihre bewegten Schatten. Die Form des Mobilés spiegelt einerseits die Schönheit der Leichtigkeit und andererseits die Sensibilität des Gleichgewichts wider, das durch äußere Einflüsse augenblicklich ins Wanken gerät.

Sabine Naumann-Cleve stellt verschiedene Arten von Insekten aus bunt-schillernden Streifen geschredderter Banknoten her, die wie in einem Käferkasten aufgespießt sind. Ihre „Wertgeschöpfe“ sind Vergrößerungen teils winziger Lebewesen, die die Schönheit ihrer komplexen Microstruktur hervorheben und unterstreichen ihre einzigartige Bedeutung für intakte und artenreiche Ökosysteme und Naturkreisläufe. Humorvoll und ernst wuselt es im ersten Fenster der Galerie. Karen Philipp hat aus diversen Plastikmüll bunte Krabbeltiere gemacht – aber: Plastik ist keine Alternative.

Die meisten Arbeiten sind wie immer im Labor im Chor verkäuflich.

Zur Ausstellung: Festliche Midissage Donnerstag, 10.Juni 19 Uhr, Johannisplatz. Aktion, Samstag, 19.Juni , vormittags, Johannisplatz. Öffnungszeiten: Di – Fr 14 – 17 Uhr; Sa + So 11 -17 Uhr . Aktuellen Anpassungen in der Tagespost oder unter www.labor-im-chor.de.

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