Das Jahr der Entscheidung für die Klepperle-Linie

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Der Schienenbus wird's nicht mehr sein. Aber eine Nahverkehrsverbindung zwischen Gmünd und dem Göppinger Raum wird derzeit geprüft. (Foto: privat)
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Gutachter prüfen derzeit die Möglichkeit, die Bahnstrecke zwischen Gmünd und Göppingen wieder zu beleben und bis Kirchheim zu verlängern.

Schwäbisch Gmünd

Die Zeit, in der man mit der Eisenbahn von Gmünd nach Göppingen fahren konnte, ist lange vorbei. Aber kommt sie wieder? Entscheidende Antworten auf diese Frage werden in diesem Jahr  kommen. Nun läuft nämlich die Machbarkeitsstudie zur Wiederbelebung  dieser Bahn-Nebenstrecke.

In diesem Monat noch soll die Erarbeitung von Grundlagen und die Bestandsanalyse abgeschlossen werden, sagt Clarissa Weber, Pressesprecherin der Göppinger Landkreisverwaltung. Dort wird die Prüfung, ob  ein Neuaufbau der Bahnstrecke zwischen Gmünd und Göppingen sowie von dort aus weiter bis Kirchheim  sinnvoll ist, koordiniert.   Das Land fördert diese Untersuchung mit bis zu 200000 Euro.  Geld zur Finanzierung der Untersuchung kommt auch von den  Landkreisen Esslingen, Göppingen und Ostalb sowie vom Verband Region Stuttgart.  Fachlich unterstützt werden sie vom Regionalverband Ostwürttemberg. Auslöser für diese Prüfung war eine Studie, die das Landesverkehrsministerium in Auftrag gegeben hatte - und die vielen früher existierenden Nebenbahnen  durchaus hohes Fahrgastpotenzial vorhergesagt hatte. Die grün-schwarze-Landesregierung möchte  mit diesem Projekt  ihrem Ziel näherkommen, die Zahl der Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs bis 2030 zu verdoppeln.

Immerhin  hatte die Schienenverbindung  eine große Tradition. Von 1911 bis 1984 waren Gmünd und Göppingen so  in Kontakt. Auf beiden Seiten des Hohenstaufens genoss  das Bähnle große Sympathie, was allein schon die Spitznamen für das Verkehrsmittel zeigten: Die Göppinger sprachen vom Josefle, auf Gmünder Seite war es das Klepperle. 

Die vom Landesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie könnte nun ein neues Kapitel aufschlagen. Die beteiligten Landkreise und  der Verband beauftragten    das VWI (Verkehrswissenschaftliches Institut Stuttgart GmbH) und  die DB Engineering & Consulting GmbH mit der Prüfung, ob die Wiederbelebung der Hohenstaufenbahn samt  der Verlängerung bis  Kirchheim  machbar wäre.  Clarissa Weber vom Göppinger  Landratsamt nennt die Punkte, die die Gutachter   untersuchen sollen: unter anderem  eine Bestandsanalyse, die Erarbeitung möglicher Betriebskonzepte für die Strecken, die Ermittlung der notwendigen Infrastruktur, Berechnungen eines Verkehrsmodells und einen Kosten-Nutzen-Vergleich. Eine wichtige Rolle  spielt dabei das Jahr 2030: Die Gutachter rechnen hoch, wie sich Einwohnerzahlen, Arbeitsplätze, aber auch andere Verkehrsangebote bis dahin entwickeln werden.

Die Voraussetzungen  der einzelnen Abschnitte  der Gesamtstrecke sind  durchaus unterschiedlich: Auf der Route der Hohenstaufenbahn wurden die Schienen  abgebaut, inzwischen verläuft auf dieser Trasse ein  sehr beliebter Fahrradweg.  Ebenfalls geprüft wird die Wiederinbetriebnahme der Voralbbahn, die von Göppingen nach Bad Boll fuhr. Dort liegen die Schienen noch.   Hinzu käme eine Verlängerung bis Kirchheim/Teck.

Ob von Gmünd bis Kirchheim jemals ein roter Schienenbus fährt wie bis 1984 zwischen Gmünd und Göppingen, ist sehr zweifelhaft. Die Stadt Schwäbisch Gmünd zum Beispiel würde eine  Nahverkehrsverbindung ins Voralbland durchaus begrüßen, sagt Rathaussprecher Markus Herrmann.  Bedingung wäre allerdings, dass eine Lösung gefunden wird, bei der auch der Radweg Gmünd-Göppingen erhalten wird. Der habe nämlich inzwischen große touristische Bedeutung . Aber seiner Ansicht nach müsste auch nicht unbedingt ein Zug  auf dieser Strecke verkehren. Als mögliche Alternative bringt er eine Verbindung durch mit Wasserstoff betriebene Omnibusse ins Spiel.

Größere Klarheit, ob diese Nahverkehrsroute eine Zukunft hat, dürfte es   noch in diesem Jahr geben: Die  Untersuchungen sollen planmäßig im Herbst 2022 mit einem Schlussbericht   abgeschlossen werden, kündigt Clarissa Weber an. Doch auch wenn   deren Urteil positiv ausfällt, müssten weitere Schritte folgen:  Eine so genannte „Standardisierte Bewertung“ nach bundeseinheitlichen Kriterien  wäre  Grundlage, um an  Investitionsmittel des Bundes  zu kommen. Ebenso  müsste ein öffentlicher  Diskussionsprozess   kommen, „um Klarheit zu schaffen ob eine Reaktivierung angestrebt wird“, sagt Clarissa Weber. Und dann wären da noch Fragen der Finanzierung, zum Beispiel nach Förderung, Trägerschaft Infrastruktur und  Betrieb zwischen Kommunen,  Landkreisen, Land und Bund zu klären. 

Um Klarheit zu schaffen, ob eine Reaktivierung angestrebt wird.“

Clarissa Weber, über die nötige öffentliche Diskussion
  • „5580 Passagiere pro Tag möglich“
  • „Sehr hohes Nachfragepotenzial“ bescheinigt die  PTV Group  einer wieder belebten Bahnstrecke Gmünd-Göppingen.Die PTV Planung Transport Verkehr AG hatte im Auftrag des Verkehrsministeriums die Erfolgsaussichten bei Wiederbelebung einst stillgelegter Bahnstrecken untersucht.  Für die Hohenstaufenbahn hält sie folgende Zahl für möglich:
    Passagiere/Tag: 5580
    Fahr-Takt: 60 (zur Hauptverkehrszeit 30) Minuten
    Vermiedene Kohlendioxid-Emmissionen (Tonnen/Jahr): 462

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