Das kurze Leben einer Fußgängerzone

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Marktplatz Gmünd 1976 Sperrung
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Wie der Marktplatz in sieben Tagen zum gesperrten Bereich und wieder zur Straße wurde.

Schwäbisch Gmünd

Mit dem Straßenverkehr im Stadtkern hatte Gmünd schon immer seine Probleme. Das reicht von der Zeit, als sich in der Bocksgasse noch Busse und Lastwagen begegneten, bis zur derzeit schwierigen Gewöhnung an die Neuregelung in der Vorderen Schmiedgasse. Und immer spielt da auch die Frage, wohin mit den Fußgängern und den Fahrzeugen, eine Rolle.

Ein kurioses Beispiel dafür gab die Stadtverwaltung im Jahr 1976 - mit der wohl kurzlebigsten Fußgängerzone aller Zeiten. Damals unternahm man den Versuch, die Kraftfahrzeuge vom Unteren Marktplatz - also dem zum Spital hin orientierten Teil des Platzes - zu verbannen.

Einen Monat sollte die Probe gehen, die die Verkehrsplaner noch in zwei Teile teilten: Gute zwei Wochen, so der Plan, wird der gesamte Bereich zwischen Marienbrunnen und Kriegerdenkmal gesperrt, zwei weitere Wochen war die freie Fahrt nur zwischen dem Brunnen und der Einfahrt Freudental verwehrt. Auch die Regelung im Freudental musste angepasst werden: In der ersten Phase sollte der Verkehr dort in beide Richtungen fließen, im zweiten Teil sollte die Gasse zur Einbahnstraße in Richtung Pelikan werden. Übrigens: Der Obere Marktplatz blieb während der ganzen Zeit befahrbar. Der Versuch, den der Gemeinderat auf Vorschlag der CDU-Fraktion beschlossen hatte, sollte Erkenntnisse darüber bringen, wohin sich der Verkehr verlagert, wenn er nicht mehr zwischen Marienbrunnen und Kriegerdenkmal rollen darf. Das Experiment sollte Grundlagen liefern für die Entscheidung des Gemeinderats, wo in Gmünd gegebenenfalls weitere Fußgängerzonen eingerichtet werden.

13. bis 20. Mai

Wir schauen uns den zeitlichen Ablauf genauer an: Am 5. Mai berichtete die Tagespost von dem Experiment, erläuterte die verschiedenen Phasen. Am 13. Mai, nachdem der Maimarkt zu Ende war, wurde die Sperrung zwischen Marienbrunnen und Kriegerdenkmal mit Schildern und Absperrbaken eingerichtet. Am 20. Mai beschloss der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats das sofortige Ende des Versuchs. Die Stadträte folgten damit den Vorschlägen von Oberbürgermeister Dr. Norbert Schoch und Stadtoberrechtsrat Dieter Schädel. Im Rathaus nämlich hatte die Verkehrsruhe für viel Lärm gesorgt, wie die beiden informierten: Die Telefone liefen heiß, Briefe gingen ein, viele Bürger waren auch persönlich ins Rathaus gekommen, um ihre Meinung zu sagen. Beschwerden lagen von 27 Anwohnern des Marktplatzes und von Taxifahrern vor. Alle waren sie der Meinung: Die Sperrung funktioniert gar nicht.

In einer Umfrage der Gmünder Tagespost unter Passanten waren die Ansichten geteilt. Erwin Schaffner, der einen Gemüsestand an der Johanniskirche hatte, berichtete, dass die Fußgänger trotz autofreiem Straßenraum die Gehsteige und Zebrastreifen benutzten. Und es seien weniger Fußgänger auf dem Marktplatz unterwegs als zuvor. Sein Vorschlag: Wenn schon eine Fußgängerzone an dieser Stelle, dann sollten dort die Wochenmärkte stattfinden, um mehr Leute anzulocken. Edmund Pflieger äußerte eine klare Meinung zur Fußgängerzone: gut. Der Marktplatz sei viel ruhiger und man könne die herrliche Kulisse genießen. Pflieger weiter: „Wer darüber schimpft, das sind doch eigentlich nur diejenigen, die meinen, sie könnten von der Weißensteiner Straße nicht bis zum Marktplatz gehen, sondern müssten fahren.“

Geteilte Meinungen

Ganz anders die Meinung eines Lorcher Bürgers: Die Verkehrssituation in Gmünd sei einfach so, dass man die Parkplätze auf dem Marktplatz benötigt. Ein Student aus Tübingen, der mit Kommilitonen auf dem Rand des Marienbrunnens saß, war sich sicher, dass der schöne Marktplatz durch die Sperrung gewonnen habe. Ein anderer Befragter dagegen antwortete: „Ich hoffe, dass dies kein Dauerzustand wird.“ Ein Autofahrer wiederum sah das Ganze gar nicht so negativ: „Man muss sich an vieles gewöhnen, warum nicht auch daran?“

Ich hoffe, dass dies kein Dauerzustand wird.“

Ein Passant, über die Sperrung des Marktplatzes
Marktplatz Gmünd 1984

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