Holztribüne im Gmünder Normannia-Stadion bedenklich marode

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Vom stolzen Bauwerk zum Sanierungsfall: An der Holztribüne im Normannia-Stadion nagt der Zahn der Zeit.
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Im Normannia-Stadion sieht sich die Stadt einem akuten Sanierungsfall gegenüber: Die 100 Jahre alte Holztribüne ist in baufälligem Zustand.

Schwäbisch Gmünd. Am 100. Geburtstag geht es ihr schlecht: 1921 war die gerade fertig gebaute Holztribüne des Normannia-Stadions ein stolzes Bauwerk – heute tropft Wasser durchs Dach, Bretter sind morsch, Schraubenköpfe ragen aus Treppenstufen. Das Geburtstagskind ist ein Sanierungsfall.

Helmut Dirscherl schaut jeden Tag nach dem Rechten im Stadion der Normannia: Der Rentner kümmert sich ehrenamtlich um die Sportanlage im Schwerzer. „Von mir zu Hause bis hierher sind es ja nur ein paar Minuten zu Fuß“, sagt er. Wenn wie jetzt wieder die Hecke geschnitten gehört, Dirscherl und seine Helfer vom Normannia-Bautrupp sind zur Stelle und legen Hand an. Das „Herzstück“ des Stadions, wie Dirscherl die Tribüne nennt, hat aus seiner Sicht ein Anpacken am nötigsten, aber das übersteigt die Möglichkeiten der ehrenamtlichen Truppe. Zumal nur der Unterbau des historische Holzbauwerks, das Vereinsheim, dem Verein gehört. Eigentümerin der Tribüne ist die Stadt Gmünd.

Die steht vor der Frage, wie es mit der 100-Jährigen weitergehen soll. Und es muss schnell etwas unternommen werden. In sechs Wochen, am 14. August, haben die Normannia-Fußballer ihr erstes Verbandsliga-Heimspiel. So wie die Tribüne jetzt ist, kann man keine Zuschauer drauflassen. „Bis zum Liga-Start müssen Ausbesserungsarbeiten gemacht werden, um den Spielbetrieb zu ermöglichen“, sagt Normannia-Präsident Alexander Stütz.

Zugleich geht der Blick weiter in die Zukunft. Im Moment sei das Gmünder Hochbauamt dabei, den Zustand zu erfassen und Sanierungsmöglichkeiten aufzulisten, berichtet Frank Wendel vom Gmünder Sportamt. In den vergangenen Monaten habe es einige Ortstermine mit Fachleuten gegeben. „Noch fehlen die Zahlen, aber bis zum Ende der Sommerferien sollten sie vorliegen“, sagt Wendel. Was kostet eine Sanierung? Was wäre mit einem Neubau? Die zwei Szenarien nennt Frank Wendel.

Am Ende sei es dann eine politische Frage – und natürlich eine des Geldes, so Wendel. Das Nachdenken über Sanierung oder Erneuerung führt wie von selbst zu einer größeren, grundsätzlichen Frage, die, wenn auch nur im Hintergrund, seit vielen Jahren da ist: Ob die Normannia im Schwerzer bleibt – oder woanders eine neue Heimat bekommt. Aktuell gebe es da „keine Überlegungen“, sagt Alexander Stütz, „wir sind und bleiben ein Schwerzerclub“. Wenn die Stadt aber mit anderen Ideen käme, sei man dafür auch offen.

Stütz und seine Mitstreiter in Präsidium und Aufsichtsrat schauen auf das, was der Verein aus ihrer Sicht braucht. Im Fall der Tribüne: ein Bauwerk, das den sportlichen Ambitionen zeitgemäß entspricht. „Wir wollen wieder in die Oberliga, daran arbeiten wir.“ Und wenn Stütz nach seinem Wunsch zum Thema Tribüne gefragt würde? „Dann würde ich mir, bei aller Wertschätzung für historische Bausubstanz, natürlich eine neue Tribüne wünschen.“

Wir wollen wieder in die Oberliga, daran arbeiten wir.“

Alexander Stütz,, Präsident FC Normannia Gmünd

Neue Tribüne des SV Göppingen als Vorbild?

Die neue Tribüne des SV Göppingen hält FCN-Präsident Alexander Stütz für ein gelungenes Beispiel: adäquat für einen Club der Größe und Ambition des FCN, funktional, mit überschaubarem Aufwand. Die Göppinger Tribüne ist 2017/18 neu gebaut worden. Das 48 Meter lange und elf Meter breite Tribünendach überspannt 525 Sitzplätze. Ein Vorteil war, dass der Beton-Unterbau schon vorhanden war. Kosten: rund 300 000 Euro.

Seit 100 Jahren steht die Holztribüne im Normannia-Stadion. Doch der Sitzplatzbereich im Schwerzer ist extrem baufällig. Daher wünscht sich der Verein ein Bauwerk, das den sportlichen Ambitionen gerecht wird.

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